Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Der SVPS

Geschichte des SVPS – Der Reitsport im Wandel der Zeit

Von der militärischen Reiterei zum professionellen Hochleistungssport: Der Pferdesport wurde wie keine andere Sportart von den Entwicklungen des 20. Jahrhunderts geprägt. Seine Geschichte ist auch jene des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport SVPS.

Vor rund 6000 Jahren machte der Mensch das Pferd zum Haustier und seither verbindet sie eine enge Beziehung. Früher wurden Pferde als Arbeitstiere, Zugkraft und Transportmittel eingesetzt und zogen an der Seite des Menschen in Kriege und Schlachten. Immer wieder hat sich das Pferd im Laufe der Geschichte den veränderten Bedürfnissen der Menschheit angepasst. Doch nie hat es eine so wechselvolle Zeit erlebt wie die letzten 100 Jahre, in denen es vom Nutztier zum Freizeit- und Sportpartner des Menschen wurde.

Die Schweiz entwickelt sich zur Reitsport-Nation

Oberleutnant Alphonse Gemuseus gewann mit Lucette an den Olympischen Spielen 1924 in Paris Gold im Einzelspringen. Oberleutnant Alphonse Gemuseus gewann mit Lucette an den Olympischen Spielen 1924 in Paris Gold im Einzelspringen.

Die ersten Wettkämpfe mit Pferden hatten in der Schweiz den Sinn, die Kavalleristen und ihre Pferde in ausserdienstlichen Zeiten in guter Verfassung zu halten. Zu Beginn wurden vorwiegend Galopprennen, Reiterspiele, Distanz- und Geländeritte ausgetragen, später kamen Vielseitigkeits- und Springprüfungen dazu.

1900 wurde in Yverdon der erste Concours Hippique der Schweiz ausgetragen. Im gleichen Jahr wurde der «Verband der Schweizerischen Renngesellschaften» gegründet, aus dem nach einer Namensänderung im Jahr 1933 der Schweizerische Verband für Pferdesport hervorging. Der neue Verband kümmerte sich um einheitliche Rennreglemente, Jahresrennlisten und ein Schiedsgericht.

Der Erste Weltkrieg legte den Pferdesport weitgehend lahm, doch bereits 1919 kehrten die Reiter auf die Rennbahn zurück und auch das Interesse am Springsport begann zu wachsen. 1922 trat der Verband der kurz zuvor gegründeten «Fédération internationale équestre» bei, dem heutigen Weltverband FEI. 1923 folgte der Beitritt im Schweizerischen Landesverband für Sport, womit der Grundstein für eine erfolgreiche Verbandsgeschichte gelegt war.

Im Jahre 1924 waren dem Verband bereits 21 Vereine mit 5886 Mitgliedern angeschlossen und die Schweiz entwickelte sich zu einer der führenden Reitsport-Nationen. Viele internationale Turniere und Meisterschaften wurden in unserem Land ausgetragen. In der Eidgenössischen Pferderegieanstalt in Thun sowie im Kavallerie-Remontendepot in Bern wurden international gefragte Reitlehrer ausgebildet und die Pferde nicht mehr nur ausschliesslich für den Einsatz in der Kavallerie trainiert.

1924: Schweizer Reiter zum ersten Mal an Olympischen Spielen

Hauptmann Hans Moser und Hummer siegten 1948 in der olympischen Einzeldressur in London. Hauptmann Hans Moser und Hummer siegten 1948 in der olympischen Einzeldressur in London.

Die erste Teilnahme von Schweizer Reitern an Olympischen Spielen 1924 in Paris war eine von Erfolg gekrönte militärische Expedition: Im Springen holte sich Leutnant Alphonse Gemuseus mit Lucette die Goldmedaille, das Team gewann Silber. In allen drei Disziplinen stellte die Schweiz volle Equipen. Reiten war nun endgültig zu einem Sport geworden.

Ab den 30er Jahren nahmen die Lizenzen der zivilen Herrenreiter zu und in der Schweiz kam auch die Dressur auf. Die Schweizer nutzen den Aktivdienst zum Trainieren und nach dem Zweiten Weltkrieg knüpften die Dressurreiter an die Erfolge der Springreiter in den zwanziger Jahre. An den Olympischen Spielen in London 1948 gewann Hauptmann Hans Moser mit Hummer Einzelgold und leitete damit einen Medaillensegen für den Schweizer Dressursport ein, der rund 40 Jahre lang andauerte.

Das Kriegsende läutete den Rückgang des Pferdes ein, das ab den fünfziger Jahren auch in der Landwirtschaft und im Transportwesen immer mehr durch Motoren ersetzt wurde. Der SVPS kämpfte für den Erhalt der Kavallerie, doch 1973 wurden die berittenen Kampftruppen endgültig abgeschafft.

1990 beschloss der Bundesrat die Aufhebung der Eidgenössischen Militärpferdeanstalt EMPFA in Bern. Mit der Gründung der Genossenschaft «Nationales Pferdezentrum Bern», an welcher der SVPS wesentlich beteiligt war, nicht zuletzt in dem er dort seine Geschäftsstelle einrichtete, konnte der Weiterbestand der Anlage gesichert werden.

Neue Aufgaben für das Pferd und den Verband

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglichte der aufkommende Wohlstand breiteren Bevölkerungsschichten den Zugang zum Pferd. Und so wie sich das Pferd vom Nutztier zum Begleiter in Sport und Freizeit wandelte, veränderten sich auch die Aufgaben des SVPS: Bisher auf militärische Bedingungen eingerichtet, öffnete sich der Verband nach und nach auch für die verschiedenen Reitstile wie dem Gangpferde- oder dem Westernreiten, dem Freizeitbereich sowie alle am Pferd interessierten Kreise.

Der Verband übernahm die Federführung in der Grundausbildung, u.a. mit den ab 1990 eingeführten Brevets. Mit der Integration des Pferdesports im Jahre 1998 in das Förderprogramm «Jugend+Sport» des Bundes verfügt der SVPS über ein in die Breite gerichtetes Nachwuchsförderungsprogramm für Kinder und Jugendliche.

In unserer stark technisierten Welt finden immer mehr Menschen über das Pferd zurück zur Natur – die Anzahl an Pferden in der Schweiz nimmt stetig zu. Der Pferdesport erfreut sich nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen internationalen Erfolge von Schweizer Athleten grosser Beliebtheit. Unvergessen ist die landesweite Euphorie als Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets bei den Olympischen Spielen 2012 in London die Goldmedaille im Springen gewann – es war die 23. Olympische Medaille für Schweizer Pferdesportler seit 1924.