Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

Menü
Dressur
Dressur

Isabell Werth: «Nicht einfach draufsitzen, sondern aktiv reiten – Lösungen suchen und erarbeiten»

18 Februar 2016 11:29

Gespannt waren sie, die Reiterinnen, die Trainer, die Verantwortlichen vom Schweizerischen Verband für Pferdesport SVPS und die Zuschauer – auf das, was sie wohl erwarten würde, wenn sie eine Reitstunde bei der erfolgreichsten Dressurreiterin aller Zeiten und nicht minder erfolgreichen Ausbildnerin Isabell Werth bekämen und verfolgen dürfen. Das «Bulletin» war dabei!

Stephanie Hartmann mit Lady Gaga. Foto: Valeria Streun Stephanie Hartmann mit Lady Gaga. Foto: Valeria Streun

Die Stunden begannen jeweils mit einer höflichen Begrüssung und einer kurzen Bestandesaufnahme: Auf welchem Niveau möchte man trainieren? Isabell Werth schaute interessiert zu und dann begann man an den einzelnen Figuren zu feilen. Es gab Tipps, wie die Figuren noch besser werden können, oder Hilfestellungen, beispielsweise wenn das Pferd in der Piaffe plötzlich hinsteht. «Wenn du hier zu viel machst, dann kommt das zurück.» Da müssen andere Wege zum Erfolg führen.

An diesem Förderlehrgang durften folgende elf Reiterinnen von der Erfahrung der Olympiasiegerin profitieren: Estelle Wettstein, Tamara Roos, Anthea Hartmann, Ramona Schmid, Stephanie Hartmann, Leonie Guerra, Andrina Suter, Sharon Höltschi, Sophie Aiko Müller, Elena Krattiger und Naomi Winnewisser. Isabell Werth zeigte sich als engagierte, hochprofessionelle Instruktorin. Sie fand bei jedem Reiter den richtigen motivierenden Ton, es wurde aber auch volle Konzentration und Einsatz gefordert.  

Auf ihre Eindrücke angesprochen, meinte die Olympiasiegerin: «Ich kam ‹unbelastet› und ohne Kenntnisse der Reiterinnen und Pferde in die Schweiz. Ich bin positiv überrascht, denn die Reiterinnen sind engagiert und setzen in der Praxis um, was man von ihnen verlangt. Das ist nicht selbstverständlich! Zudem habe ich einige gute Pferde gesehen.» Und sie ergänzt: «Es ist in der Nachwuchsförderung, so wie ich das beurteilen kann, eine gute Struktur aufgebaut worden, welche eine gewisse Kontinuität und Stabilität ausstrahlt. Es wäre wünschenswert, so weiterarbeiten zu können.»

Lösungen erarbeiten!  
«Setz dich mal ordentlich hin», war eine Aussage, die Isabell Werth des Öfteren anwendete. Was sie damit weitergeben wollte, war schliesslich aber viel wichtiger als das «ordentliche Hinsetzen», denn sie verstand darunter zusammengefasst: «Nicht einfach auf dem Pferd sitzen, sondern aktives Reiten und Mitdenken.» 

Basierend auf den klassischen Grundsätzen sollen sich die jungen Reiterinnen Lösungsansätze aneignen, wie sie das Pferd durchlässiger machen können. Denn nicht immer ist ein Reitlehrer oder Trainer zur Stelle, sondern man müsse auch selber und aktiv Wege suchen und finden. Zum Beispiel kann die Reiterin ohne weiteres Schritt­pirouetten unterbrechen und nach einem Viertel flüssig vorwärts reiten, Seitengänge auch mal mit mehr Abstellung reiten, als in der Prüfung verlangt ist, und damit eine bessere Gymnastizierung erreichen. So können auch die noch jüngeren Reiter zusätzliche Erfahrungen in der Ausbildung des Pferdes gewinnen.    

Eltern und Umfeld gefordert 
Neben der nachhaltigen Nachwuchsförderung, dem Talent für gutes Reiten sowie Fleiss und Wille ist die Hilfe der Familien die wichtigste Basis für den Erfolg. Heidi Bemelmans, nun schon seit einiger Zeit Kaderverantwortliche für den Schweizer Dressurnachwuchs, ist mit dem Engagement von Isabell Werth und diesem sehr gut organisierten Seminar ein weiterer schöner Erfolg gelungen.

Der Schweizer Dressurnachwuchs hat sich auch im Ausland kontinuierlich verbessert. Neben der guten Nachwuchsarbeit durch den Verband ist es aber auch besonders wichtig, dass eine gute hilfsbereite Basis in den Familien und dem Umfeld der Reiterinnen und Reiter vorhanden ist. Hier ist oft ein beeindruckendes Engagement spürbar: Denn neben dem reiterlichen Engagement müssen Pferde zur Verfügung stehen und unterhalten werden sowie Trainings ermöglicht werden. Wenn das alles zusammenpasst, sind auch Spitzenleistungen möglich.  

Mit 19 Jahren auf höchstem Niveau mitreiten 
Erfreulicherweise ist dies momentan auch im Schweizer Dressursport der Fall. Hier darf das Beispiel der 19-jährigen Estelle Wettstein aufgeführt werden. Sie bringt die nötige Begeisterung und das Engagement für den Spitzensport mit und sie verfügt über ausserordentliches Talent. Die Basis zum Erfolg neben ihrem Einsatz bildet die Unterstützung durch ihre Eltern und ihr weiteres Umfeld. Fachkenntnisse, Förderung auf ­allen Ebenen, Management und, nicht unerheblich, die Beschaffung der nötigen finanziellen Ressourcen sind die Eckpfeiler zum Erfolg.

Mit ihrem Spitzenpferd «Friedrich der Grosse» konnte sie denn auch an den schwersten Grand-Prix-Figuren mit Isabell Werth arbeiten. Und da kam oft eine noch bessere Beurteilung aus dem Mund der Olympiasiegerin als «ordentlich». Da hiess es auch mal «prima!». 

Erste Früchte  
Neben der erwähnten Estelle Wettstein verdienen aber auch alle anderen Reiterinnen, welche an diesem Lehrgang mitmachten, ein grosses Lob. Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die Reiterinnen mitmachten. Man muss aber auch festhalten, dass die positiven Leistungen der Kursteilnehmer auch das Resultat einer guten konzeptionellen und längerfristig ausgelegten Nachwuchsförderung ist, welche durch die Förderprogramme ermöglicht wird. Zudem ist es natürlich äusserst motivierend für die Reiterinnen, wenn sie mal vom riesigen Erfahrungsschatz einer Isabell Werth profitieren dürfen.      

Thomas Häsler