Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Endurance
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Am Scheideweg

19 September 2016 09:03

Mit dem Entzug der Weltmeisterschaft in Dubai setzte die FEI im Endurancesport ein weiteres Zeichen zum Schutz der Pferde. Die Frage ist nun, in welche Richtung sich der Sport entwickelt und was das für kleinere Nationen wie die Schweiz bedeutet.

EM-Strecke in Brüssel. EM-Strecke in Brüssel.

Nachdem es in der letzten Saison wiederum zu verschiedenen Vorfällen und schwerwiegenden Verletzungen von Pferden gekommen ist, hat die FEI entschieden, die Weltmeisterschaft 2016, die in Dubai (UAE) geplant war, neu auszuschreiben. Sie wurde nach Samorin (SVK) vergeben. Dort wurde 2015 bereits die Europameisterschaft ausgetragen.

Dieses Jahr werden mit Barbara Lissarrague und Gaby von Felten zwei starke Schweizerinnen an den Start gehen, was heisst, die Schweiz stellt keine Mannschaft. Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde die Strecke so abgeändert, dass alle Schlaufen im Flachen an der Donau liegen. Darum wird ein schnelles Rennen erwartet. Das hat die dritte qualifizierte Schweizerin, Andrea Amacher, dazu bewogen, auf den Start zu verzichten. Ihre Pferde sind für solche schnellen Strecken nicht primär geeignet und sie will sich ganz auf die Europameisterschaft 2017 in Brüssel fokussieren. Darum ist sie im August in Belgien am Preride an den Start gegangen, um Strecke und Gegebenheiten kennen zu lernen.

Reiterliches Können

Die Strecke in Belgien ist hügelig, es geht immer wieder bergauf und bergab, selten steil, aber stetig, was die Gefahr birgt, dass man den Ritt zu schnell angeht. Zudem ist der Untergrund vielfältig, er bietet alles von tiefem Sand bis zu sehr harten Böden, aber auch vielfach gute Wege zum Beispiel auf einer Rennbahn. Das heisst aber nicht, dass die Strecke einer solchen entspricht. Im Gegenteil, die Reiter werden gefordert sein, denn es gibt viele Kurven und nur wenige sehr lange gerade Stücke, wie zum Beispiel in Samorin. Für Andrea Amacher, die bereits in der Normandie 2014 und in Samorin 2015 geritten war, ist Brüssel technisch anspruchsvoller und verlangt eine gute Einteilung und viel reiterliches Können, da alles, was hinaufgeht, auch wieder hinuntergeritten werden muss. Dies birgt die Gefahr, dass zu wenig gearbeitete Pferde zu stark auf die Vorhand fallen. Der Reiter hat unterwegs kaum eine Pause und muss immer konzentriert bleiben, was auch von ihm eine gute Kondition verlangt. Wie anspruchsvoll die Strecke war, zeigt sich auch an den Geschwindigkeiten, der Sieger erreichte einen Durchschnitt von gut 17 Stundenkilometern, während auf einer flachen Strecke immer wieder Geschwindigkeiten deutlich über 20 km/h erreicht werden.

Andrea Amacher beendete den Ritt auf dem guten achten Platz mit einem Tempo von über 15 Stundenkilometern. Mit Lea Gabriel konnte eine zweite Schweizerin den Ritt auf dem 15. Rang beenden. Vielleicht typisch für die Ansprüche, die diese Strecke stellt, war das Verhalten von einem der Trainer des Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate. Er reiste noch vor dem Rennen wieder ab und meinte, so etwas reite er nicht.

Insgesamt erreichte rund ein Drittel der Gestarteten das Ziel, alle anderen mussten das Rennen aufgeben oder wurden aus dem Rennen genommen. Die meisten dieser Pferde zeigten Unregelmässigkeiten im Gang.

Man weiss natürlich nicht, ob an der EM im nächsten Jahr genau die gleiche Strecke geritten wird, aber es ist zu hoffen, dass sie zumindest technisch ebenso anspruchsvoll sein wird.

Ziel Europameisterschaft

Für das Leitungsteam Endurance ist die Europameisterschaft in Brüssel das nächste grosse Ziel und es wird bereits jetzt darauf hingearbeitet, ein Team entsenden zu können. Ein solches besteht aus fünf Reitern, wobei die drei besten Resultate für die Mannschaft zählen.

Den Schweizern kommen technisch anspruchsvolle Strecken sehr entgegen, bei denen reiterliches Können und taktisches Geschick gefragt ist. Flache Strecken, bei denen in erster Linie Schnelligkeit verlangt wird, liegen den meisten Schweizern weniger. Solche Ritte stellen auch besondere Ansprüche an das Training und fordern die Pferde extrem, so dass meist nur ein oder zwei Ritte pro Saison möglich sind, da die Erholungsphasen, je schneller geritten wird, umso länger dauern.

Welche Strecke?

Im letzten Jahr an der Europameisterschaft in Samorin erreichten die Besten auf der letzten Runde Tempi vor rund 32 Kilometern pro Stunde, was schon nahe an die Leistung von Vollblütern auf der Rennbahn kommt. Diese haben aber nicht bereits weit über 100 Kilometer in den Beinen.

Insgesamt legten die vier Ersten die Strecke in Samorin mit einem Durchschnitt von über 22 Stundenkilometern zurück. Man kann damit rechnen, dass dieses Jahr eher noch schneller geritten wird, da die Strecke nur noch flach ist. An den Weltreiterspielen in der Normandie blieben die Tempi der Sieger unter 20 Stundenkilometern, aufgrund der Strecke, die technisch anspruchsvoller war, aber auch wegen der schlechten Wetter- sowie Bodenbedingungen.

Im Gegensatz zu den Spitzenreitern aus dem Nahen Osten, die bei den Wettkämpfen in ihren Ländern vor allem flache «Rennstrecken» vorfinden, sind viele Europäer gewohnt in vielseitigem, anspruchsvollem Gelände zu reiten.

Es sollte doch so sein, dass bei einem Endurance-Wettkampf auch die Qualitäten des Reiters über den Erfolg entscheiden sollten und nicht alleine die Fähigkeiten des Pferdes. Die Strecken sollten also so gewählt werden, dass das reiterliche Können und das taktische Geschick sowie die Fähigkeit, den Ritt richtig einzuteilen, über den Erfolg entscheidet und nicht die Fähigkeit, einfach möglichst schnell zu reiten. Vielleich kann sich die Endurance ein Beispiel am Concours Complet nehmen. Diese Disziplin hat in den letzten 15 Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht, was in erster Linie auch den Pferden zugutekommt.

Claudia A. Spitz

Foto: Peter Münger