Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Zwei Weltmeisterschaften stehen an

27 Juli 2016 10:32

Schon in vollem Gange ist die Saison 2016 bei den Fahrern, die sich nun auf die Höhepunkte vorbereiten. Fünf Schweizer werden die Schweiz bei der Weltmeisterschaft der Einspänner in Piber (AUT) vertreten und die Vierspänner kämpfen Anfang September in Breda um Medaillen.

Michaël Barbey Michaël Barbey

Nach den nationalen Turnieren in Bern und Frauenfeld waren die Schweizer Ein- und Zweispänner Anfang Juni in Topolcianky (SVK) am Start. Vor allem die Einspänner überzeugten mit einer starken Vorstellung und dem Doppelsieg von Michaël Barbey und Leonhard Risch. Drei weitere Schweizer fuhren unter die ersten zehn. Damit gewannen die Schweizer die Mannschaftswertung der Einspänner klar vor Ungarn. Bei den Zweispännern überzeugte Beat Schenk mit dem zweiten Platz. Auch Vierspännerfahrer Jérôme Voutaz konnte im Ausland auf sich aufmerksam machen. Er erreichte im deutschen Drebkau einen zweiten Platz gegen starke Gegner und gewann den Marathon und das Hindernisfahren. Am Schluss fehlten ihm 0,13 Punkte auf den Sieger Chester Weber aus den USA. Die Ponyfahrer zeigten im österreichischen Altenfelden ihr Können. Cédric Scherrer siegte klar bei den Einspännern und sein Bruder Yannik bei den Vierspännern. Auch Bruno Widmer überzeugte mit einem souveränen Sieg bei den Zweispännern der Pferde.

International in der Schweiz

Anfang Juni wurde zum ersten Mal seit acht Jahren in der Schweiz ein internationales Fahrturnier ausgetragen. In Signy am Genfersee organisierte Cyril Maret einen CAI2*. Leider nutzen wegen den Schweizer Zollbestimmungen nur wenige ausländische Fahrer diese Möglichkeit. Es zeigt sich wieder einmal, dass die Schweiz in dieser Hinsicht doch abgeschottet ist. Das ist schade für den Sport, da die Chancen für Vergleiche auf internationaler Ebene sinken und die Schweizer Fahrer sich in ersten Linie unter ihresgleichen messen müssen.

Das Turnier war aber für die Schweizer Fahrer eine wichtige Standortbestimmung. Sie hatten die Möglichkeit, sich internationalen Richtern zu präsentieren, und konnten sich für Dreisternturniere qualifizieren. In allen Kategorien nutzten Teilnehmer diese Möglichkeit erfolgreich – zum Teil mit Doppelstarts. Es liegt nun an ihnen, den grösseren Aufwand für einen Auslandstart auf sich zu nehmen und sich international mit den 
Besten zu messen.

Weltmeisterschaften

Anfang August kämpfen die Einspänner im Lipizzanergestüt in Piber (AUT) um Einzel- und Mannschaftsmedaillen. Die Schweiz hat fünf Fahrer selektioniert und damit das Kontingent ausgeschöpft. Die Verantwortlichen hoffen, in stärkster Besetzung antreten zu können, denn an den letzten vier Austragungen hat die Schweiz jeweils eine Mannschaftsmedaille gewonnen. Michaël Barbey, Leonhard Risch, Eric Renaud, Stefan Ulrich und Andrea Bieri werden dort die Schweizer Farben vertreten. Natürlich setzen sie alles daran, den Erfolg zu wiederholen, was sicher nicht einfach wird, denn das Niveau bei den Einspännern steigt mit jedem Titelkampf.

Vor zwei Jahren gewann Deutschland vor Frankreich und der Schweiz. Aber auch die Niederlande waren nahe an einer Medaille und weder Polen noch die Heimmannschaft Österreich dürfen unterschätzt werden. Auch die Nordländer und die USA sind immer für einen vorderen Platz gut.

Den Einzeltitel holte ein Niederländer vor zwei Deutschen, bester Schweizer war Michaël Barbey als Zehnter. Nun hat sein Kalao des Arreneys CH weitere Fortschritte gemacht und in Topolcianky hat Barbey gezeigt, dass er vor allem im Marathon und Hindernisfahren ganz vorne dabei sein kann. Auch Leonhard Risch mit seinem Freibergerhengst Lasting CH ist fähig, an der Spitze mitzufahren. Mit Stefan Ulrich und Andrea Bieri werden zwei Nachwuchsfahrer ihre ersten Erfahrungen als Athleten an Titelkämpfen machen. Die Fahrer nehmen nun die letzten Vorbereitungen in Angriff und werden hoffentlich in Bestform nach Piber reisen.

Drei Vierspänner wurden für das Fahrturnier in Aachen selektioniert. Die Weltmeisterschaft findet Anfang September in Breda (NED) statt. Um diese Titelkämpfe für die Zuschauer interessant zu gestalten, werden sechs Fahrer pro Nation zugelassen. Wie viele Fahrer die Schweiz vertreten werden, wird Ende Juli entschieden. Gute Chancen dürfen sich Jérôme Voutaz und Werner Ulrich ausrechnen. Für Werner Ulrich wird es aller Voraussicht nach der letzte internationale Titelkampf sein. Den Abschluss der Saison macht die Schweizer Meisterschaft in Bern am letzten Septemberwochenende. Dort treffen sich die Fahrer für eine letzte Standortbestimmung.

Zwischenjahr

Schon jetzt geht der Blick aufs 2017 – in den ungeraden Jahren stehen drei Titelkämpfe an: Europameisterschaften für die Vierspänner, Weltmeisterschaften für die Ponies und Zweispänner.

Die Ponies sind auf guten Wegen, drei Einspänner, zwei Zweispänner und ein Vierspänner haben den ersten Teil der Qualifikation geschafft. Die Verantwortlichen hoffen, nächstes Jahr in Minden (GER) mit einer vollständigen Mannschaft am Start zu sein. Dazu müssen sich noch je ein Zwei- und Vierspänner empfehlen, die Chance ist durchaus vorhanden, haben sich doch weitere Gespanne für internationale Aufgaben angeboten.

Bei den Zweispännern, die 2017 in Lipica (SLO) um Medaillen kämpfen werden, haben im Moment Beat Schenk und Bruno Widmer internationales Format. Weitere Fahrer haben mit guten Leistungen in den einzelnen Disziplinen auf sich aufmerksam gemacht und die Chance, sich im Winter näher an die Weltspitze heranzuarbeiten. Allerdings ist die Basis in dieser Gespannsart eher schmal, auch wenn sich nun zwei weitere Fahrer für Dreistern-Turniere qualifiziert haben.

Wer neben Jérôme Voutaz bei den Vierspännern nächstes Jahr international auftreten wird, weiss man noch nicht, da Cyril Maret nach seiner Verletzung bis jetzt keine Turniere bestritten hat.

Herausforderungen

Im Moment gibt es in der Disziplin Fahren in zwei Jahren fünf internationale Titelkämpfe ohne Jungpferde und Jugend-EM. Das stellt grosse Anforderungen an die Disziplinleitung, denn es ist nicht einfach, allem gerecht zu werden, auch in finanzieller Hinsicht. Dies vor allem, nachdem sich der langjährige Sponsor aus privaten Gründen zurückgezogen hat.

Die Disziplinleitung versucht alles, um den Athleten ein gutes Umfeld zu schaffen, sie ist aber darauf angewiesen, dass alle Beteiligten mitziehen, im Interesse des Gesamten.

Claudia A. Spitz

Fotos: Claudia A. Spitz