Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Amtierender Olympia- und Weltcupfinalsieger Steve Guerdat: «Ich wähle meine Pferde nach Gefühl aus»

20 April 2016 14:23

Steve Guerdat. Steve Guerdat.

Den 33-jährigen Schweizer Springreiter Steve Guerdat muss man an dieser Stelle wohl kaum mehr vorstellen. Er hat in seinem jungen Alter bereits sehr vieles erreicht. Gerade vor wenigen Tagen verteidigte er seinen Titel als Weltcupfinalsieger im schwedischen Göteborg. Anlässlich der offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung «Der Olymp der Schweizer Reiter» im Pferde­museum in La Sarraz VD hat Steve Guerdat dem «Bulletin» ein paar Fragen beantwortet.

«Bulletin»: Steve Guerdat, wir gratulieren Ihnen zu dieser tollen Leistung! Ein sehr guter Start ins Olympiajahr 2016! Sind Sie und alle Vierbeiner fit und munter?
Steve Guerdat: Ja, das kann man wohl sagen! Ich bin topmotiviert – erst recht nach diesem tollen Erfolg am Weltcupfinal in Göteborg mit Corbinian. Das macht Freude, motiviert mich noch mehr und stärkt natürlich auch mein Selbstvertrauen! Davon kann ich auch mit meinen anderen Pferden profitieren.

Was steht nun auf dem Plan vor Rio?
Ich habe angefangen, Nino wieder aufzubauen. Wir springen auch wieder, jedoch nicht hoch. In knapp vier Wochen werden wir an einer kleineren Prüfung (CSI2*) in Deutschland an den Start gehen. Dann schaue ich weiter. Geplant sind vorerst mal zwei bis drei grosse Einsätze. Aber ich höre auf das Pferd: Nino wird mir schon zeigen, was er wann an Vorbereitung für eine Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio braucht.  

Welches Pferd würden Sie, sofern Sie selektioniert würden, nach Rio mitnehmen? 
Meine erste Wahl ist Nino. Aber Corbinian kommt jetzt ganz klar als Ersatzpferd in Frage, sofern wir uns auf den Aussenplätzen auch erfolgreich zeigen. Es ist ein grosser Luxus, wenn man ein solches Ersatzpferd im Stall stehen hat.

Und warum ist Nino erste Wahl?
Mit Nino habe ich bereits in London vor vier Jahren Unglaubliches geschafft und er hat die Erfahrung und Ruhe, die es auf gros­sen Plätzen braucht. Corbinian ist mit seinen zehn Jahren noch jünger und entsprechend unerfahrener.

Wie wählen Sie Ihre Pferde aus? Haben sie Gemeinsamkeiten?
Ich wähle meine Pferde nach meinem Gefühl aus. Es sind meistens sehr emotionale Entscheidungen. Gemeinsam haben sie eigentlich alle, dass sie viel Charakter haben. Das kann manchmal etwas schwieriger sein, aber ich mag es, wenn die Pferde sensibel sind. Ist das nicht der Fall, dann wird mir das fast zu langweilig. Mir ist lieber, mein Pferd zeigt vielleicht auch mal eine Überreaktion, statt dass es einfach wie eine Maschine alles mitmacht.

Machen Sie auch Mentaltraining?
Eigentlich nicht … Denn es geht ja um das Pferd und mich und was zwischen uns ist. Wenn ich reite, bin ich ja immer zusammen mit meinem Pferd, arbeite an der Beziehung zu ihm und da bin ich die ganze Zeit mental voll dabei. In dem Sinne würde ich sagen, dass ich jedes Mal, wenn ich meine Pferde reite, auch mental trainiere. Ich muss ja mein Pferd verstehen, mich mit ihm auseinandersetzen und verständigen und mit ihm einen Parcours bewältigen.

Sie mussten auch schon wegen Rückenbeschwerden pausieren. Heute scheint Ihnen das keine Probleme mehr zu bereiten. Was machen Sie für Ihnen Körper als Ausgleich?
Ich gehe regelmässig ins Fitness und Krafttraining. Und ich spiele gerne Tennis, mag aber auch andere Sportarten.

Sie konnten in Ihrer Karriere bereits sehr grosse Erfolge feiern und dies mit unterschiedlichen Pferden! Was ist Ihr Erfolgs­rezept?
(lächelt) Meine Motivation und gute Pferde mit starkem Charakter …

Nicole Basieux