Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Bild Reiter und Pferd

Pferde: Medikation & Doping

Diese Seite soll Reiter, Trainer und Pferdebesitzer über die aktuellen Bestimmungen bezüglich der Verabreichung von Medikamenten an Sportpferde informieren. Sie soll Fehlverhalten und Verfahrensfehlern vorbeugen, die im Zusammenhang mit der Medikations-/Dopingkontrolle auftreten können.

Gemäss den aktuell gültigen Reglementen wird der Nachweis von verbotenen Wirkstoffen in Körperflüssigkeiten eines Pferdes geahndet. Die internationalen und nationalen Pferdesportreglemente definieren, welche Substanzen, Wirkstoffe und Präparate für die Wettkämpfe zugelassen bzw. verboten sind. Der Nachweis von verbotenen Substanzen in den Körperflüssigkeiten eines Pferdes kann auf zwei Weisen erfolgen, welche sich wie folgt unterscheiden:

A. Medikation

Unter Medikation versteht man die Verabreichung von Medikamenten zur Prävention oder Behandlung von Erkrankungen.

B. Doping

Unter Doping versteht man die Verabreichung von Wirkstoffen, die die Leistungsfähigkeit des Pferdes positiv oder negativ beeinflussen und deshalb laut Reglement verboten sind. Ferner verbindet man mit dem Begriff Doping die Verwendung von Substanzen, die potentiell die Gesundheit des Pferdes gefährden. Die aktuell gültigen Reglemente unterscheiden nicht zwischen Medikation und Doping.

Dopingbestimmungen im Pferdesport

Mit dem Inkrafttreten der neuen FEI Doping- und Medikationslisten per 4. April 2011 übernahm der SVPS für alle ihm unterstehenden Veranstaltungen ebenfalls das gesamte FEI Medikationsreglement. Dies bedeutet, dass ab diesem Datum die Equine Anti-Doping and Controlled Medication Regulations (EADCMR) und die Listen der Banned Substances und der Controlled Medication Substances gelten.

Ein Schwerpunkt des Reglements stellt die Liste mit den verbotenen Wirkstoffen (Prohibited Substances) dar. Darin wird streng zwischen verbotenen Substanzen = «Doping» (Banned Substances) und kontrollierten Medikamenten (Controlled Medication Substances) unterschieden und streicht damit die Abgrenzung von Medikamenten und Dopingsubstanzen heraus.

Unter den verbotenen Substanzen werden jene Wirkstoffe erfasst, die gezielt für die Leistungsbeeinflussung eingesetzt werden. Dies sind Wirkstoffe, die nicht für die Behandlung von Krankheiten der Pferde benötigt werden und somit gezielt für die Leistungsbeeinflussung eingesetzt werden. Im Humansport werden damit die Dopingsubstanzen gemeint, die ebenfalls verboten sind und streng geahndet werden. Bei den kontrollierten Medikamenten handelt es sich um Wirkstoffe, die für die Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen eingesetzt werden und somit auch während einer mehr oder weniger langen Zeit nachgewiesen werden können.

Es handelt sich dabei um Präparate, die für die korrekte Behandlung der Pferde absolut erforderlich sind. Somit wurden zwei verschiedene Listen mit Wirkstoffen geschaffen, die einmal die verbotenen Substanzen und zweitens die kontrollierten Medikamenten auflisten. Diese Listen werden ständig verändert, ergänzt und neu auf der Homepage der FEI publiziert.

Im Moment erfasst die gültige Liste über Tausend verbotene Substanzen und über hundert therapeutische Substanzen, wobei es offensichtlich ist, dass diese Listen weiter ergänzt werden. Obwohl diese Listen auf den ersten Blick lange erscheinen, sind noch nicht alle vorhandenen Substanzen aufgelistet, so dass auch ähnliche oder verwandte Wirkstoffe darunter fallen. Zu den verbotenen Substanzen zählen natürlich die meisten humanmedizinischen Medikamente, die die Psyche des Pferdes stimulierend oder beruhigend verändern (wie Fluphenazin), während zu den therapeutischen Substanzen die klassischen Beruhigungsmittel (wie Detomidin) zählen.

Die verbotenen Substanzen sind für Pferde, die an Wettkämpfen teilnehmen, auch in kleinsten Konzentrationen verboten, so dass der Einsatz auch in der wettkampffreien Zeit problematisch wird. Der Einsatz von verbotenen Substanzen im Wettkampf wird sehr stark bestraft und führt zu ähnlichen Sperren wie im Humansport, so dass beim ersten Vergehen die verantwortliche Person zwei Jahre und bei Wiederholung 5 oder mehr Jahre gesperrt werden kann. Diese langen Sperren stellen eine massive Verschärfung gegenüber dem alten Reglement dar, so dass die verbotenen Substanzen eigentlich keinen Platz mehr bei der Behandlung von Sportpferden besitzen.

Natürlich sind auch die aufgelisteten kontrollierten Medikamenten verboten, wobei kleinste Spuren nach einer notwenigen Behandlung jederzeit im Pferd vorkommen können, so dass in Zukunft auch Listen mit den Nachweiszeiten publiziert werden müssen. Bereits liegen diese Daten für ca. 15 therapeutische Substanzen vor, so dass viele Routinebehandlungen geplant durchgeführt werden können, ohne mit dem Medikationsreglement in Konflikt zu geraten.

Weiter wurden die Bestimmungen international angepasst und zwischen den verschiedenen Labors harmonisiert. So sind die Pferde in allen Kontinenten und in allen Ländern den gleichen Bestimmungen unterworfen, wenn sie an FEI Wettkämpfen teilnehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Ausbildung der Reiter, Pferdebesitzer, Trainer und anderer im Pferdesport involvierter Leuten dar, damit das Wissen um das Pferd weiter gefördert werden kann. Das Reglement sollte neben den Medikationsvergehen auch eine faire Behandlung des Pferdes garantieren und kontrolliert damit auch den Umgang des Pferdes im Sport noch strenger. Auch werden nicht nur die Reiter in die Verantwortung genommen, sondern auch die anderen beteiligten Personen wie Grooms und neu auch Tierärzte.

In Deutschland wurden in der Zwischenzeit auch Behandlungen wie die Stammzelltherapie, Hormonantagonisten und -modulatoren oder die Behandlung mit PRP verboten, was jedoch unverständlich ist. So können die nationalen Reglemente auch weiterhin eine Eigendynamik entwickeln, was bei Starts in anderen Ländern beachtet werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Bitte beachten Sie die Informationen auf der Seite:
Häufig gestellte Fragen zu Doping und Medikation beim Pferd

Obligatorisches Medication Log Book für internationale FEI-Veranstaltungen

Ein Medication Log Book muss ab dem 5. April 2010 für alle Pferde, die an einer internationalen FEI-Veranstaltung (CI für Concours International) teilnehmen, erstellt werden. Das Medication Log Book muss in den Pferdepass eingefügt werden und jederzeit für Kontrollen verfügbar sein. In diesem Medication Log Book müssen alle Medikamente der FEI-Liste, die die verbotenen Substanzen auflistet (Prohibited Substances List), eingetragen werden, sobald diese den Pferden verabreicht werden.

Zum Medication Log Book

Medikationserklärung

Seit dem 1. Januar 2013 und analog den FEI-Richtlinien können Pferde auch an regionalen und nationalen Turnieren in der Schweiz mit einer Medikationserklärung starten. Hierbei müssen jedoch strenge Vorschriften respektiert werden und das Pferd muss am Tag des Wettkampfs gesund sein.

Die Medikationserklärung erlaubt gesunden Pferden, die kürzlich eine Behandlung erhalten haben, trotzdem an einem Turnier teilnehmen zu können – dies nach Ablauf der Frist, in der die Substanz im Körper des Pferdes festgestellt werden kann. Somit besteht eine rechtliche Sicherheit für den Pferdesport wie auch für den behandelnden Tierarzt, der so das Pferd optimal behandeln kann, ohne in Konflikt mit den Dopingbestimmungen zu kommen.

Zum Formular Medikationserklärung

Grundsätze und Begriffe aus den FEI/SVPS Dopingreglementen

Erlaubte Substanzen
Bestimmte Wirkstoffe dürfen den Pferden verabreichen werden: Impfungen, Antiparasitika, viele Antibiotika, Medikamente gegen Magengeschwüre, Altrenogest für Stuten mit Medikationserklärung, Infusionen, Insektizide und andere.

Bestimmte Substanzen können während FEI-Wettkämpfen mit einer Medikationserklärung erlaubt werden: Medikationserklärung und Bewilligung muss bei der Veterinärkommission des jeweiligen FEI-Turniers direkt vor Ort eingeholt werden. Dies ist im SVPS nicht möglich.

Nulltoleranz
Dieser Ausdruck wird von der FEI nicht gebraucht, weil er wissenschaftlich nicht korrekt und nicht nachvollziehbar ist. Hingegen ist dieser Ausdruck in der Öffentlichkeit und in den Medien immer noch weit verbreitet. Darunter wird in der Umgangssprache verstanden, dass kein Überrest einer Substanz nachgewiesen werden darf.

Irrelevant Drug (Plasma/Urin) Concentration
Heute werden nicht mehr Nullwerte verlangt, sondern die Irrelevant Drug Concentration (IDC) im Blut oder Urin, worunter man eine Wirkstoffkonzentration versteht, die keine Auswirkung mehr auf den Körper hat.

Schwellenwerte
Bestimmte Substanzen kommen natürlicherweise im Körper oder in der Umwelt vor, so dass bestimmte Schwellenwerte = Thresholds definiert werden müssen. Dies betrifft unter anderem die Salicylate wie auch das Kortisol. Diese Schwellenwerte sind definiert.

Detection time
Darunter versteht man die Zeit, während der der Wirkstoff im Körper bleibt und vom Labor auch nachgewiesen werden kann, die sogenannte Nachweiszeit. Diesen Wert erhält man, indem bestimmt wird, wann die Plasma- oder Urinkonzentration unter die International Screening Limits (ISL) fällt.

Withdrawal time
Darunter versteht man die Absetzzeit. Diese berechnet sich aus der Detection time und einer zeitlichen Sicherheit, damit die individuellen Variationen und auch die Herstellung (Galenik) des Wirkstoffes Berücksichtigung finden. Die Absetzfrist ist länger als die Nachweiszeit, weil man die individuellen Schwankungen (Geschlecht, Alter, Rasse, Trainingszustand) wie auch das Produkt selber (Galenik, Dosierung, Therapiedauer) berücksichtigen muss. Somit variiert auch der Multiplikationsfaktor je nach Produkt, mit dem die Absetzfrist aus der Nachweiszeit berechnet werden kann.

International Screening Limits ISL
Die ISL stellen eine Konzentration eines Wirkstoffes dar, der die Grenze zwischen einer positiven und negativen Probe darstellt. Diese Werte sind von allen Referenzlabors akzeptiert und werden heute als Grenzwert für einen Medikationsnachweis akzeptiert.

Unterscheidung zwischen Doping und Medikation
In der FEI und beim SVPS wird streng zwischen Doping (banned substances) und Medikation (controlled medication substances) unterschieden und es gibt auch entsprechend eine Doping- und eine Medikationsliste. Diese Listen sind nicht abschliessend, sondern werden ständig ergänzt oder auch geändert.

Medikationsliste = Controlled Medication Substances
Darin sind die Wirkstoffe enthalten, die für die Behandlung von Krankheiten verwendet werden und die Leistung der Pferde nur gering beeinflussen. Über diese Wirkstoffe werden auch pharmakologische Daten erstellt, so dass man Empfehlungen über die Nachweiszeiten = Detection time von bestimmten Medikamenten geben kann. Daraus kann dann die Absetzfrist = Withdrawal time bestimmt werden. Diese Zahl der Wirkstoffe, die so genauer definiert sind, wird kontinuierlich zunehmen. Man spricht auch von der Medikationsbox, worunter die Medikamente aufgelistet sind, über die mehr Wissen vorhanden ist.

Zusammenstellung von Nachweiszeiten

Diese Liste stellt eine Zusammenstellung von Nachweiszeiten für häufig gebrauchte Medikamente für die SVPS Tierärzte dar. Diese Liste kann als Hilfsmittel verwendet werden, wenn ein Entscheid über eine Starterlaubnis mit Medikationserklärung erteilt werden muss. Auf keinen Fall darf sie als verbindliche Liste für Nachweiszeiten angesehen werden, weil die Pharmakokinetik für die verschiedenen Pferde auch unterschiedlich ist und auch beim selben Pferde je nach Allgemeinzustand und Trainingsintensität variieren kann.

Nachweiszeiten

 

Doping oder Medikation im Pferdesport: Der schmale Weg des Missbrauchs

FEI Clean Sport: Datenbank der verbotenen Substanzen

Das Bild zeigt das Logo der FEI App Clean Sport

Antidoping Schweiz: Schweizer Medikamente auf verbotene Substanzen prüfen

Das Bild zeigt das Logo der App von Antidoping Schweiz