Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Concours Complet
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Ein Lorbeerkranz für die Schweizer Concours-Complet-Elite

11 November 2019 08:00

Der Schweizer CC-Sport blickt auf eine äusserst erfolgreiche Saison zurück. Der krönende Abschluss bildete die Teamqualifikation für die Olympischen Spiele von Tokyo 2020 - das gab es seit 1996 in Atlanta (USA) nicht mehr! Im Interview mit dem «Bulletin» zieht Equipenchef und Disziplintierarzt Dominik Burger Bilanz und spricht über die Herausforderungen des kommenden Olympiajahres.

Dominik Burger freut sich mit seinem Team über den Sieg im Nationenpreis von Pratoni del Vivaro (ITA). (Foto: FEI) Dominik Burger freut sich mit seinem Team über den Sieg im Nationenpreis von Pratoni del Vivaro (ITA). (Foto: FEI)

«Bulletin»: Mit der Teamqualifikation für Tokyo 2020 wird die Saison 2019 Schweizer CC-Geschichte schreiben. Was für ein Erfolg! Wie sieht die Bilanz aus Sicht des Equipenchefs aus?

Dominik Burger: Die Saison 2019 war in vielerlei Hinsicht fantastisch. Gleich schön wie das eigentliche Ziel, die Olympiaqualifikation, war der Weg dahin! Der Startschuss der Saison fiel im Grunde, als wir Andrew Nicholson als Geländecoach gewinnen konnten - ganz klar mit Tokyo 2020 im Visier. Ganz zu Beginn der Saison nahmen wir dann die Kaderreiterinnen und -reiter zusammen und appellierten an ihr Team-Commitment und Engagement, die dieses Ziel mit Andrew über den Gewinn von möglichst vielen Punkten und die Teilnahme an allen Wettkämpfen des Nations Cup, also sieben Turniere in ganz Europa und ohne grosse finanzielle Unterstützung, erfordern würde. Schon da war zu spüren, dass da ein enormer Wille vorhanden war. Im ersten Training mit Andrew Nicholson wurden die Reiterinnen und Reiter dann gleich vor äusserst anspruchsvolle Aufgaben gestellt, um sie aus den Reserven zu locken und eigentlich zu «testen». Und alle kämpften mit, um dem renommierten Coach zu zeigen, was in ihnen steckt. Das war sehr beeindruckend! Auch Andrew ging es so und er sagte schon damals: «Die Reiter können das - was ihnen fehlt, ist Erfahrung.»

Dann begann die Nations-Cup-Serie, und es war an jedem Turnier - auch von den ausländischen Beobachtern - zunehmend zu spüren, dass man als Team am selben Strick zog und für einander da war. Es gab schon ein paar Kritiker vor und nach dem ersten Event in Houghton Hall (GBR) - mit dem Sieg im Nationenpreis von Pratoni del Vivaro (ITA) setzte das Team dann aber im In- und Ausland ein deutliches Zeichen, dass man mit der Schweiz rechnen muss.

Alle zehn Reiterinnen und Reiter des Elitekaders, die in der Saison 2019 für das Team im Einsatz waren, haben ihren Teil zum Erfolg beigetragen und auf dem Weg dahin viele Entbehrungen auf sich genommen. Ich bin auf jeden einzelnen von ihnen stolz und jedem dankbar! Nach einem Refus oder Sturz im Gelände haben die Reiterinnen und Reiter anstatt zu hadern sich jeweils bei mir zuerst für das Team entschuldigt - das hat mich jedes Mal sehr berührt. Neben dem harten Training und dem fokussierten Wettkampf fielen die Schweizer Delegationen mit ihren roten T-Shirts, aber auch als richtige «Partylöwen» und Stimmungsmacher stark und positiv auf! Auch solche Momente durften wir geniessen, und sie schweissten das Team zusätzlich zusammen.

 

Dann war die Qualifikation im Grunde also eine Teamleistung?

Auf jeden Fall! Und zu diesem Team gehören nicht nur die Reiterinnen und Reiter, sondern auch die jeweiligen Pferdebesitzer und Familienmitglieder, die immer mitgezogen haben, und die - teilweise anonymen - Geldgeber, die das alles erst möglich gemacht haben. Auch ihnen gebührt an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön! Dann war da das Trainerteam mit Ernst Wettstein für das Springen und die Dressur sowie Andrew Nicholson und Peter Hasenböhler für das Gelände. Auch die Gelder von Swiss Olympic und dem Swiss Eventing Club waren für den Erfolg sehr mit entscheidend.

Das CC-Kader erhielt auch vonseiten des SVPS jederzeit grosse Unterstützung, sei es vom Leitungsteam oder von Vorstandsmitgliedern und der Geschäftsstelle. Die Reiterinnen und Reiter haben es beispielsweise sehr geschätzt, dass Franz Häfliger als Verantwortlicher Wettkampfsport ein CC-Kadertraining besuchte oder die SVPS-Geschäftsführerin Sandra Wiedmer und die SVPS-Sportmanagerin Evelyne Niklaus nach Luhmühlen (D) reisten, um die CC-Equipe zu unterstützen. Das war sehr motivierend!

Reiten ist an sich ja eine Einzelsportart, aber die Kadermitglieder müssen eine «Interessengemeinschaft» bilden. Bei den CC-Teamreiterinnen und -reitern ging der Zusammenhalt in diesem Jahr jedoch weit darüber hinaus, und wir wuchsen alle zu einem richtigen Team zusammen, das gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeitete.

Der Neuseeländer Andrew Nicholson unterstützt das Schweizer CC-Kader mit viel Herzblut. (Foto: P. Nixon) Der Neuseeländer Andrew Nicholson unterstützt das Schweizer CC-Kader mit viel Herzblut. (Foto: P. Nixon)

Und wie geht die Vorbereitung auf Tokyo 2020 nun weiter?

Derzeit sind wir daran, die abgelaufene Saison kritisch zu analysieren und die Strategie und das Programm für nächstes Jahr zu entwickeln. Glücklicherweise können wir auch im kommenden Jahr auf unser Trainerteam zählen. Insofern werden wir das Konzept «Riotokio» weiterverfolgen und motiviert noch härter an uns arbeiten. Und ich zitiere in diesem Rahmen gerne Andrew Nicholson bei einem Telefonanruf um 1.30 Uhr morgens auf dem Rückweg von Boekelo nach unserer Olympiaqualifikation: «I am proud and happy to be part of that».

Über den Winter steht insbesondere das Techniktraining in der Dressur und im Springen im Vordergrund. Mithilfe von Ernst Wettstein und weiteren externen Fachleuten werden wir gerade in der Dressur mit Wettkampfsimulationen daran arbeiten, die grundsätzlich gut ausgebildeten Pferde besser zu präsentieren.

Daneben kommt der konditionellen Vorbereitung der Pferde eine grosse Bedeutung zu. Die Klimabedingungen in Tokio werden die Pferde stark herausfordern, da brauchen wir sehr gut vorbereitete und topfitte vierbeinige Athleten.

 

Und wie steht es um die Fitness der Reiterinnen und Reiter?

Das CC-Kader besteht aus vergleichsweise jungen Reiterinnen und Reitern, die von der Kraft und Ausdauer her grundsätzlich alle sehr fit sind. Was wir hingegen optimieren möchten, ist die gesundheitliche Betreuung der Reiterinnen und Reiter, damit sie einfacher an medizinisches Fachpersonal gelangen können, wenn sie mit körperlichen Problemen wie Muskelverspannungen oder Rückenproblemen konfrontiert sind. Hier gleisen wir gerade etwas auf.

Im entscheidenden Nationenpreis in Boekelo (NLD) ebnet Caroline Gerber mit Trésor de Chignan CH als Startreiterin der Schweizer Equipe mit einem Nullfehlerritt im abschliessenden Springen den Weg zur Olympiaqualifikation. (Foto: FEI) Im entscheidenden Nationenpreis in Boekelo (NLD) ebnet Caroline Gerber mit Trésor de Chignan CH als Startreiterin der Schweizer Equipe mit einem Nullfehlerritt im abschliessenden Springen den Weg zur Olympiaqualifikation. (Foto: FEI)

Wie viele Pferd-Reiter-Paare werden schliesslich nach Tokio reisen?

Die Selektion beginnt gemäss dem Selektionskonzept von Swiss Olympic am 1. Januar 2020. Die Reiterinnen und Reiter sowie ihre Pferde werden an verschiedenen Selektionsturnieren, die im Vorfeld bestimmt werden, genau unter die Lupe genommen. Es zählen aber nicht nur die Turnierresultate, sondern es fliessen auch andere Aspekte mit ein. So wird das Klima in Tokio wie schon erwähnt eine grosse Herausforderung für die Pferde sein. Blutgeprägte Pferde mit einer Top-Einstellung können damit erfahrungsgemäss besser umgehen - und solche Veranlagungen müssen wir beispielsweise mit berücksichtigen.

Schliesslich werden wir voraussichtlich mit fünf Pferden nach Aachen (D) in die Quarantäne reisen, wovon vier dann tatsächlich eine Woche später nach Tokio fliegen. Das Turnier selbst wird dann im neuen Olympiaformat ausgetragen, das heisst, es gehen drei Pferd-Reiter-Paare an den Start und es gibt kein Streichresultat. Dies erfordert team-strategisches Reiten und es hat sich in den beiden CC-Testläufen in Pratoni del Vivaro und in Boekelo klar gezeigt, dass dieses neue Format eine Stärke des Schweizer Teams ist. Wenn beispielsweise ein Reiter erkrankt oder ein Pferd nicht durch den Vet-Check kommt, darf das Ersatzpaar einspringen - dafür werden dem Team aber 20 Strafpunkte notiert. Auch wenn ein Paar beispielsweise in der Geländeprüfung ausscheidet, kann es nach bestandenem Vet-Check noch im abschliessenden Springen starten - das bringt aber 200 Strafpunkte ein. Insofern wollen wir natürlich mit dem initial bestimmten Dreierteam den ganzen Wettkampf beenden, und wir streben ein olympisches Diplom, d. h. einen Platz unter den ersten acht Teams, an.

Das Gespräch führte
Cornelia Heimgartner

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