Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Ausbildung

Dressur-Youngsters im Rampenlicht

02 Februar 2021 09:00

Ab der Saison 2021 bietet der SVPS neue Dressurprogramme für Jungpferde an. In den neuen Prüfungen wird viel Wert auf fliessende Linien gelegt, um die Remonten dem Alter entsprechend optimal präsentieren zu können.

Bretton Leaf KWG CH hat unter seiner Reiterin Corinne Sélébam Alt in Jungpferdeprüfungen sein Talent bewiesen und sich 2019 über S-Prüfungen für die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde 2019 qualifiziert. (© Katja Stuppia) Bretton Leaf KWG CH hat unter seiner Reiterin Corinne Sélébam Alt in Jungpferdeprüfungen sein Talent bewiesen und sich 2019 über S-Prüfungen für die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde 2019 qualifiziert. (© Katja Stuppia)

Die Zucht legt unseren modernen Sportpferden unheimlich viel Talent und Rittigkeit in die Wiege. Doch dieser enorme Leistungswille, gepaart mit einem nahezu idealen Reitpferde-Exterieur, verleitet ehrgeizige Pferdebesitzer und Reiter dazu, den Jungspunden schon sehr früh viel abzuverlangen. Dabei vergisst man nur allzu schnell: Der äussere Schein trügt, denn trotz Zuchtfortschritt darf man in der Reitpferdeausbildung keine Abkürzungen nehmen! Die filigranen Jungpferde sind muskulär, anatomisch und mental noch nicht so weit gefestigt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Sorgfalt statt Übermut

Jungpferdeprüfungen bilden den idealen Einstieg in den Turniersport und sollen als Prüfsteine der Reitpferdeausbildung dienen. Die Anforderungen der einzelnen Programme geben bei der Jungpferdeausbildung gewissermassen den Takt vor und leisten damit nicht zuletzt einen Beitrag zum Tierwohl.

Dieser Verantwortung ist man sich auch in der Arbeitsgruppe des SVPS bewusst, die sich mit der Überarbeitung der in die Jahre gekommenen Dressurprogramme befasst. Die Anforderungen sollten altersgerecht angesetzt und die Linienführung eine bestmögliche Darstellung des Talents der Pferde ermöglichen.

Dressurreiter und Jungpferdeausbilder Gilles Ngovan ist Mitglied dieser Arbeitsgruppe und betont, dass es in der Schweiz zwar hervorragende Jungpferde gibt, man mit den im Vergleich mit Hochzuchtländern wie Deutschland, Holland oder Dänemark relativ kleinen Pferdebeständen jedoch besonders sorgfältig umgehen müsse: «Unsere Jungpferdeprüfungen sind keine Vermarktungsplattformen, bei denen die Show im Vordergrund steht, wie man es in anderen Ländern manchmal beobachten kann. Wir wollen mit unseren Jungpferdeprüfungen die Reiterinnen und Reiter zu einer soliden und ehrlichen Grundausbildung animieren.» Auch die Chefin Technik der Disziplin Dressur, Margret Dreier, die selbst gerne Jungpferdeprüfungen richtet, sieht den Fokus der Jungpferdeprüfungen in der langen Frist: «Die grossen Linien in den neuen Programmen kommen den bewegungsgewaltigen modernen Pferden entgegen. Bei der Bewertung der Programme legen wir zudem grossen Wert auf die Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Wir wollen gute Pferde lange im Sport halten und nicht junge Talente überfordern. Ich freue mich immer ganz besonders, wenn ich im höheren Sport Pferde richten darf, die ich Jahre zuvor schon als vierjährige bewertet habe.»

Gilles Ngovan, Jungpferdeausbilder und Dressurreiter. (Katja Stuppia) Gilles Ngovan, Jungpferdeausbilder und Dressurreiter. (Katja Stuppia)

Auch für Amateure geeignet

Während die Dressuraufgabe der 4- und 5-jährigen Pferde (JP 01/40 bzw. JP 02/60) stark an das entsprechende FEI-Programm angelehnt ist und somit internationalen Anforderungen entspricht, bewegt sich die Dressuraufgabe für 5-jährige Pferde (JP 03/40 bzw. JP 04/60) nicht auf Weltklasseniveau. Damit will man den Besonderheiten der Schweizer Reitsportszene Rechnung tragen, wie Gilles Ngovan erläutert: «Wir sind kein Pferdeland wie beispielsweise Deutschland. Hierzulande gibt es zwar sehr gute, aber nur wenige professionelle Jungpferdeausbilder. Deshalb werden viele Jungpferde von Amateuren oder den Züchtern selbst in Jungpferdeprüfungen vorgestellt. Diese wollen wir auch mit den neuen Jungpferdeprüfungen ansprechen und haben die Anforderungen dementsprechend nicht allzu hoch angesetzt.»

Auch Eva Lachat, Vizepräsidentin des Zuchtverbands CH-Sportpferde (ZVCH) und erfahrene Jungpferdeausbilderin, freut sich, die neuen Jungpferdeprogramme in der anstehenden Saison zu reiten: «Aus Sicht des ZVCH sind die neuen Jungpferdeprogramme gut vertretbar. Wäre der Schwierigkeitsgrad höher, wären viele Reiterinnen und Reiter überfordert damit, ihre jungen Pferde schon auf so einem hohen Niveau zu fördern.»

Eva Lachat, Jungpferdeausbilderin und Pferdezüchterin. (Katja Stuppia) Eva Lachat, Jungpferdeausbilderin und Pferdezüchterin. (Katja Stuppia)

Passerellen für junge Superstars

Dennoch ist man sich einig, dass es sie gibt, die vierbeinigen Supertalente aus Schweizer Zucht. Man denke nur an zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: den Wallach Flirt de Lully CH aus der Zucht von Hans-Jakob Fünfschilling in Lully (FR) und die Stute Well Done de la Roche CMF CH aus der Zucht von Françoise Trembley in Ogens (VD). Beide wurden zunächst in der Schweiz an nationalen Jungpferdeprüfungen gefördert und haben schliesslich mit ausländischen Weltklassereitern den Sprung in die höchsten Sphären des internationalen Dressursports geschafft.

Auch solche Supertalente können im Schweizer System in jungen Jahren angemessen gefördert werden, ist Eva Lachat überzeugt: «Wenn ein besonders talentiertes Jungpferd internationales Format besitzt, kann es 5-jährig über L-Prüfungen, 6-jährig über M-Prüfungen und 7-jährig über S-Prüfungen für die WM der jungen Dressurpferde qualifiziert werden.»

Solche jungen Stars sind aktuell beispielsweise der Hengst Bretton Leaf KWG CH aus der Zucht von Walter Kunz in Grosswangen (LU), der sich 2019 siebenjährig mit der Schweizer Reiterin Corinne Sélébam Alt aus Dintikon (AG) über eine Platzierung in einer nationalen S-Prüfung für die WM der jungen Dressurpferde qualifizieren konnte, oder der Hengst Fürst Alexander TM CH, der von Christian Meyer aus Jona (SG) gezüchtet wurde und sich mit dem Schweizer Reiter Fabio Tino aus Wollerau (SZ) im vergangenen Jahr fünfjährig über nationale L-Prüfungen für die WM der jungen Dressurpferde qualifizierte - die dann coronabedingt nicht stattfinden konnte.

Margret Dreier, Chefin Technik der Disziplin Dressur (SVPS-FSSE/Cornelia Heimgartner) Margret Dreier, Chefin Technik der Disziplin Dressur (SVPS-FSSE/Cornelia Heimgartner)

Mehr Flexibilität für Veranstalter

Ein grosses Anliegen der im Rahmen dieses Projekts befragten Personen aus dem Umfeld der Jungpferdeausbildung war, dass in der Schweiz mehr Startmöglichkeiten für Youngster geboten würden - schliesslich macht Übung den Meister, und mit jedem Turnier erhöht sich die Routine der vierbeinigen Jungspunde. Und erst, wenn diese eine gewisse Prüfungssicherheit erlangt haben, können sie auch ihr volles Potenzial und Talent ausspielen.

Vor diesem Hintergrund wurden bei der Überarbeitung der Jungpferdeprogramme flexible Austragungsmodelle vorgesehen: Neu können alle Jungpferdeprüfungen, die im Übrigen für junge Pferde aller Rassen offen sind, auch auf 20×40-Meter-Plätzen ausgeschrieben werden. Mit dieser Änderung hat nun jeder Veranstalter die Möglichkeit, Jungpferdeprüfungen anzubieten.

Ausserdem ist ab sofort für alle Programme klar gekennzeichnet, ob sie vom Richtergremium gemeinsam oder jeweils einzeln bewertet werden sollen. Damit können die Missverständnisse, die es in den letzten Jahren immer wieder gab, aus dem Weg geräumt werden.

Vergessen wir nicht: Die Jungpferde von heute sind die Lehrmeister von morgen. Ihnen gilt es, von allen Seiten - vom Ausbilder über den Richter bis hin zum Turnierveranstalter - die nötige Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Oder um es mit den Worten von Gilles Ngovan zu sagen: «Es spielt keine Rolle, ob die Pferde Talent für die höchsten Klassen der Dressur mitbringen oder nicht. Eine sorgfältige Jungpferdeausbildung ist grundsätzlich eine Frage des Tierwohls und der Sicherheit für jede Reiterin und jeden Reiter, egal, welcher Sparte, ein Pferdeleben lang.»

Cornelia Heimgartner

Fürst Alexander TM CH hat sich 2020 mit seinem Reiter Fabio Tino über L-Prüfungen für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde qualifiziert.
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<br />Fürst Alexander TM CH s’est qualifié pour les Championnats du monde de Dressage des jeunes chevaux en 2020 avec son cavalier Fabio Tino dans le cadre d’épreuves du niveau L. Fürst Alexander TM CH hat sich 2020 mit seinem Reiter Fabio Tino über L-Prüfungen für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde qualifiziert. (Katja Stuppia)

Die neuen Programme für junge Pferde sind online verfügbar unter: fnch.ch > Disziplinen > Dressur > Sport > Dressurprogramme > Programme Junge Pferde

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