Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dressur
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«Eine Mischung aus Kunst, Sport und Eleganz»

19 Juni 2017 09:52

Die Schweizer Meisterschaften in der Dressur werden dieses Jahr in Basel ausgetragen. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2017 werden die besten Schweizer Dressurreiterinnen und -reiter auf dem «Schänzli» erwartet. Titelverteidigerin Marcela Krinke Susmelj erklärt im Gespräch, wie sie ihre Grand-Prix-Pferde trainiert und welche Zielsetzungen sie in den kommenden Monaten hat.

Marcela Krinke Susmelj und smeyers Molberg an den Olympischen Spielen in Rio 2016.
 Marcela Krinke Susmelj und smeyers Molberg an den Olympischen Spielen in Rio 2016.


Bulletin»: Marcela Krinke, Sie sind Titelverteidigerin und Seriensiegerin an den Titelkämpfen in der Schweiz. Bereits acht Mal haben Sie den Meistertitel gewonnen, davon dreimal mit smeyers Molberg. Werden Sie Ihren Titel auch dieses Jahr
mit Molberg verteidigen?

Marcela Krinke Susmelj: Das ist noch ungewiss. Ich bin in der glücklichen Lage, dass mir vier Pferde auf Grand-Prix-Niveau zur Verfügung stehen. Je nach Formstand der vier entscheide ich, wer an den Schweizer Meisterschaften zum Einsatz kommen wird.

Molberg ist natürlich nach wie vor Ihr Spitzenpferd. Er war im April am Weltcupfinale in Omaha. Wie haben Sie diese aufregende Zeit in den Staaten erlebt?

Das war ein wirklich grosses Unterfangen. Erstmals stand Molberg - und damit auch ich - für vier Tage unter Quarantäne. Die Bestimmungen waren sehr streng, wir durften während dieser Tage nicht einmal reiten. Das war nicht ganz einfach für uns. Auch das Futter für unsere Pferde durften wir nicht importieren. Nach der Quarantäne blieben uns drei Tage fürs Training, ehe es bereits ernst galt. Am Weltcupfinale kam erstmals ein neuer Kür-Modus zum Tragen. Die Richter erhielten vorgängig unsere Kürlektionen, und wir hatten vor der Kür ein Gespräch mit den Richtern. Dabei empfahl mir einer der Richter, einen weiteren Wechsel einzuplanen, da dies einen ziemlichen Unterschied in der Benotung machen würde. Leider liess ich mich beeinflussen und liess ausser Acht, dass es dann mit der Musik nicht mehr aufgehen würde. Ich musste danach in der Galopp-Pirouette improvisieren, um gleichzeitig mit der Musik fertig zu werden. Weniger wäre halt manchmal mehr. Aber alles in allem bin ich glücklich mit unserer langen Reise in die Staaten und vor allem froh, dass wir alle wieder gesund zu Hause angekommen sind.

Wie sah Molbergs Programm nach der erfolgreichen Teilnahme am Weltcupfinale in Omaha aus?

Wir legten eine kleine Pause ein, Molberg beendete sie aber selbst, weil er sich nach zwei Tagen wieder wie ein Knallfrosch verhielt. Er genoss aber eine längere Turnierpause und ging erst Ende Mai am CDI in Lipica wieder erfolgreich an den Start. Wir gewannen die zwei Prüfungen der Weltcupwertung.

Sie sagten einmal, dass ihn seine absolut positive Einstellung zur Arbeit auszeichne. Was tun Sie dafür, Molberg bei Laune zu halten?

Er hält sich selbst bei Laune. Als vor einigen Wochen während längerer Zeit schlechtes Wetter herrschte und wir mehr als üblich in der Halle waren, tat er täglich so, als entdecke er in jeder Ecke grüne Männchen. Er ist ein Angsthase mit Starallüren, einer, der gerne im Mittelpunkt steht. Und das zu Recht. In diesen sechs Jahren, seit er bei mir ist, hat er einen super Werdegang hingelegt.

Wie sieht ein Tag im Leben von Molberg aus?

Ganz wichtig: Molberg muss am Morgen als Erster begrüsst und geritten werden. Sonst benimmt er sich wie ein beleidigtes, verwöhntes Kind. Er kommt täglich zweimal raus. Sicher einmal davon wird er geritten. Ansonsten kriegt er ein auf ihn abgestimmtes Wellnessprogramm. Molberg braucht Struktur, das gibt ihm Sicherheit. Zu viel Neues oder andere Abläufe mag er nicht besonders. Sowohl Molberg als auch ich sind sehr aktiv und manchmal nicht sehr überlegt in unserem Tun. Wir rennen lieber zuerst los. Deshalb bringe ich sehr viel Verständnis für sein Wesen auf.

Nebst Molberg stehen Ihnen wie bereits angesprochen drei weitere Spitzenpferde, die Sie bis Grand Prix ausgebildet haben, zur Verfügung. Welche sind das aktuell?

Da wäre zuerst einmal Sopran. Er ist zwölf Jahre alt, sehr talentiert, war in der Vergangenheit aber nicht immer ganz zuverlässig, ein typischer Sandro-Hit-Nachkomme, der gerne auch eigene Ideen hat. Wenn aber alles passt, ist er top, und er wird immer besser. Sonny Star ist von der Qualität her wohl das beste Pferd in meinem Beritt. Er ist jetzt zehn Jahre alt und ihm fehlt noch etwas die Routine. Er holte dieses Jahr in Hagen seine erste internationale Grand- Prix-Klassierung. Nymphenburgs Carissimo ist neun Jahre alt und ein sehr kooperatives Pferd. Er ist ein Westfale mit Holsteiner Blut, hat viel Takt, seine Stärken sind die Piaffen und Passagen. Er ist sehr gross und muss seinen Körper noch etwas in den Griff bekommen.

Was ist Ihnen bei der Ausbildung von Pferden besonders wichtig?

Mir ist eine gute Bindung zu jedem Pferd sehr wichtig. Ich mache vieles spielerisch, erzwinge nichts. Ich lasse allen die Zeit, die sie brauchen, um etwas Neues kennenzu- lernen. Mir ist sehr wichtig, dass die Pferde schonend und gesund ausgebildet werden. Zusammengefasst heisst dies: Vertrauen und Kondition bilden die Basis. Ich gehe nie über die Grenzen eines Pferdes hinaus.

Wie bringen Sie Beruf, Familie und sportliche Karriere unter einen Hut?

Ja, das ist ein grosser Spagat. Inzwischen sind unsere beiden Kinder fast erwachsen. Meine Arbeit als Tierärztin habe ich vor etwa vier Jahren dem Sport zuliebe auf Eis gelegt. Wir haben ausserdem sehr gute Angestellte, die uns in allem unterstützen. Wenn ich nicht auf Turnier bin, unterrichte ich sehr gerne.

Blicken wir etwas weiter voraus: Welches sind Ihre sportlichen Ziele? Ziele, die Sie gerne erreichen möchten?

Dieses Jahr ist das Ziel, die jüngeren Pferde an den Turniersport heranzuführen. Mit Molberg möchte ich genügend Weltcuppunkte sammeln, um nächstes Jahr am Weltcupfinal in Paris teilnehmen zu können. Ausserdem ist dieses Jahr erneut ein Start am Topevent in Aachen geplant.

Bestimmt gibt es auch ein Leben nebst dem Pferdesport. Wo liegen Ihre Interessen - wenn Sie denn Zeit für anderes haben?

Für andere Interessen bleibt tatsächlich wenig Zeit, und für längere Ferien hat es schon lange nicht mehr gereicht. Aber ich mache Fitness und Zumba, Letzteres übrigens gemeinsam mit Irene Meyer, meiner Sponsorin. Um erfolgreich reiten zu können, muss ich etwas für meine Fitness tun.

Eine letzte Frage: Was bedeuten Ihnen die Pferde?

Alles. Für sie habe ich mein ganzes Leben umgekrempelt. Ich fühlte mich bereits als Kind zu diesen einzigartigen Tieren hingezogen. Der Reitsport sollte aber immer gesund und vernünftig betrieben werden und nie auf Kosten eines Tieres. Für mich ist das Reiten eine Mischung aus Kunst, Sport und Eleganz.

Katja Stuppia

FEI/Dirk Caremans

Grosse Freude über die erbrachte Leistung. Grosse Freude über die erbrachte Leistung.