Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Endlich Championatsluft! Der Dressurnachwuchs misst sich an der EM in Budapest

13 August 2020 08:45

Eigentlich müssten wir im August 2020 in japanischen Olympiaerinnerungen schwelgen und den internationalen Meisterschaften des Spätsommers und Frühherbsts entgegenfiebern. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Die einzigen Championate, die diesen Sommer stattfinden – sofern sie nicht doch noch von einer zweiten Pandemiewelle überrollt werden – sind die Europameisterschaften der Nachwuchsdressurreiter im ungarischen Budapest. Und die Schweiz ist mit einer hoch motivierten Delegation mit von der Partie!

SVPS-FSSE/C. Heimgartner Lars Bürgler tritt in Budapest mit Remember Passion in der Kategorie Junge Reiter an. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Fiebermessen statt Turnierfieber

Für Spitzensportler sind die jährlichen Meisterschaften Saisonhöhepunkte, auf die sie ihr Training und die Turnierplanung ausrichten. Was aber, wenn ein Virus alles auf den Kopf stellt, Turniere der Reihe nach abgesagt werden und auch die kontinentalen Championate ins Wasser fallen? Dann herrscht zunächst einmal grosse Unsicherheit, eine Art luftleerer Raum. Keine Wettkämpfe, keine Ziele. Das war beim Dressurnachwuchs diesen Frühling nicht anders. Ursprünglich sah der FEI-Kalender vor, dass die Europameisterschaft der Ponyreiter in Strzegom (POL) und die Europameisterschaft der Junioren und Jungen Reiter in Hartpury (GBR) ausgetragen werden sollten. Diese Veranstaltungen mussten jedoch aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden. Glücklicherweise stellte Budapest (HUN) jedoch in kurzer Zeit eine Ersatzveranstaltung verteilt auf drei Daten auf die Beine – endlich ein Ziel, auf das man hinarbeiten konnte!

Sichtungsreiten statt Qualifikationsturniere

Nachdem dieses Jahr aufgrund der weltweiten COVID-19-Pandemie kaum internationale und nationale Turniere veranstaltet wurden, setzte die Selektionskommission der Disziplin Dressur des SVPS auf ein Sichtungsreiten, um einen Eindruck der aktuellen Verfassung der einzelnen Nachwuchspaare zu erhalten. Dieses Format wurde insbesondere gewählt, um für alle Kandidatinnen und Kandidaten die gleichen Voraussetzungen und Bedingungen für eine EM-Selektion zu schaffen. So präsentierten sich die Reiterinnen und Reiter im NPZ Bern zum Aufgabenreiten vor einem internationalen Richtergremium bestehend aus Katrina Wüst (GER, FEI- 5*-Richterin), Dr. Dieter Schüle (GER, FEI-5*-Richter i. R.) und Hans Voser (SUI, FEI-4*-Richter), das eine Einschätzung der Leistung und des Potenzials der einzelnen Paare abgab.

Die Verantwortliche der Nachwuchskader Heidi Bemelmans und der renommierte Dressurrichter (i.R.) Dr. Dieter Schüle. Die Verantwortliche der Nachwuchskader Heidi Bemelmans und der renommierte Dressurrichter (i.R.) Dr. Dieter Schüle. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Heidi Bemelmans
Kaderverantwortliche Nachwuchs «Da man bedingt durch die Coronapandemie in diesem Jahr noch nicht sagen kann, welche Länder Reiter und Teams an die EM schicken können und werden, ist eine Zielsetzung schwierig. Wie viele Nationen mit Teams oder eventuell nur mit Einzelreitern teilnehmen werden, ist ebenfalls schwierig zu sagen, und sicherlich werden noch kurzfristige Entscheidungen zu Teilnahmen oder Absagen getroffen. Voraussichtlich werden Schweden und Grossbritannien die EM in Budapest entweder gar nicht beschicken oder gegebenenfalls nur mit Einzelreitern vertreten sein. Deutschland, Dänemark und die Niederlande werden aber sicher stark auftreten – es wird für uns alle spannend. Alle Nachwuchsreiterinnen und –Reiter reisen hoch motiviert an diese EM, mit dem Ziel, dort ihre Ponys und Pferde innerhalb der grossen internationalen Konkurrenz bestens zu präsentieren. Als Ziel setzen wir uns die Teilnahme in den jeweiligen Finalprüfungen. »

Ein vielversprechendes Paar bei den Ponys: Valentina Bona und Douglas de Luxe. Ein vielversprechendes Paar bei den Ponys: Valentina Bona und Douglas de Luxe. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Katrina Wüst
FEI- 5*-Richterin
«Ich begleite die Schweizer Nachwuchsreiterinnen und –reiter schon seit einiger Zeit und komme immer wieder gerne in die Schweiz. Es herrscht eine gute Stimmung unter den Reiterinnen und Reitern und gegenüber den Pferden – das ist in einem kompetitiven Umfeld nicht selbstverständlich! Für mich ist wichtig, dass gerade bei den Jugendlichen der Sport auch als etwas Charakterprägendes wahrgenommen und gelebt wird. Es zählt nicht nur der Erfolg, man muss auch Niederlagen mental verkraften können und an der eigenen Disziplin und Toleranz arbeiten. Im Hinblick auf die EM gibt es bei den Jungen Reitern des Schweizer Kaders noch einige Defizite. Dafür schätze ich die Paare des Junioren- und des Ponykaders sehr positiv ein: Es wird vielleicht nicht ganz für eine Medaille reichen, aber eine Finalteilnahme ist auf jeden Fall realistisch.»

Spannende Einsichten auch für die Heimtrainer

Das Sichtungsreiten war eingebettet in einen Förderlehrgang, der über die NASAKNutzungsbeiträge des Bundes (siehe «Bulletin» 07/2020) und von der UBS als Förderin des Dressurnachwuchses finanziert wurde. So konnten auch die Heimtrainer der Dressurreiterinnen und -reiter des nationalen Nachwuchskaders von der Anwesenheit von Katrina Wüst profitieren, um Inputs für die weitere Arbeit mit den Jugendlichen mitzunehmen. Im Anschluss an das benotete Aufgabenreiten pickte die renommierte internationale Richterin jeweils einzelne Elemente des gezeigten Programms heraus und erarbeitete mit den Reiterinnen und Reitern individuell konkrete Ansätze, wie die Lektionen verbessert werden können. Das fundierte Hintergrundwissen der in Süddeutschland beheimateten Katrina Wüst gepaart mit ihrem pädagogischen Hintergrund sowie ihrer Erfahrung als Dressurreiterin und ehemaliger Trainerin ihrer Tochter Caroline, die einst süddeutsche Pony-Dressurmeisterin war, zeigt sich in den kurzen Coaching-Einheiten auf eindrückliche Art und Weise. Alle Pferd-Reiter- Paare konnten sich in den zehn Minuten Einzeltraining deutlich verbessern. Die problematischen Lektionen wurden nicht einfach wiederholt, sondern mit Vorübungen gezielt und logisch aufgebaut. Auch die Heimtrainer waren sichtlich beeindruckt, wie die FEI-Richterin ihr Vorgehen – auf Deutsch und Französisch – erläutern und ihnen Anregungen für das Training zu Hause mitgeben konnte.

Auch viele Heimtrainer der Schweizer Nachwuchsdressurreiterinnen und -reiter waren in Bern vor Ort: Klaus Balkenhol (links) und Christian Pläge. Auch viele Heimtrainer der Schweizer Nachwuchsdressurreiterinnen und -reiter waren in Bern vor Ort: Klaus Balkenhol (links) und Christian Pläge. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Dr. Dieter Schüle
FEI-5*-Richter i. R.
«Die Schweizer Junioren-Paare, die ich am Sichtungsreiten bewerten konnte, verfügen über einen guten Standard. Auch die Ponyreiterinnen zeigten ansprechende Leistungen. In der Kategorie der Jungen Reiter fehlt dem einen oder anderen Pferd noch die Routine. Man darf auf die Zukunft gespannt sein!»

Am Sichtungsreiten besprachen die Richter jeden Ritt und gaben Inputs für das weitere Training zu Hause: Katrina Wüst und Hans Voser. Am Sichtungsreiten besprachen die Richter jeden Ritt und gaben Inputs für das weitere Training zu Hause: Katrina Wüst und Hans Voser. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Hans Voser
FEI-4*-Richter
«Den Reiterinnen und Reitern fehlt in dieser Saison die Concoursroutine. Da ist ein solches Sichtungsreiten sicher eine sehr gute Lösung. Es war schön, zu sehen, wie Reiter, Richter und Heimtrainer zusammenarbeiten konnten. Das ist zukunftsweisend! Heute ist die internationale Leistungsdichte schon in den Nachwuchskategorien sehr hoch. Da reicht es nicht mehr aus, nur korrekt zu reiten, um an der Weltspitze mithalten zu können. Es braucht schon hier überdurchschnittliche Pferde, um sich absetzen zu können. Die Schweizer Junioren haben ganz tolle Pferde, und auch bei den Ponys sind sie gut aufgestellt. Bei den Jungen Reitern gibt es noch ein paar Mankos für ein starkes Team – sie schätze ich im guten internationalen Mittelfeld ein. Es würde mich freuen, wenn es regelmässig zu solchen Treffen zwischen Richtern, Reitern und Trainern kommen würde. Davon können alle profitieren.»

Tallulah Lynn Nater und De Vito W am Sichtungsreiten in Bern. Sie werden an der EM bei den Junioren antreten. Tallulah Lynn Nater und De Vito W am Sichtungsreiten in Bern. Sie werden an der EM bei den Junioren antreten. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Auf nach Ungarn!

Sofern die weltweite Pandemielage dies erlaubt, werden die Europameisterschaften des Dressurnachwuchses an drei verschiedenen Daten in Budapest (HUN) stattfinden:

  • Junioren und Children: 9.–14. August 2020
  • U25, Jungen Reiter: 17.–21. August 2020
  • Pony: 26.–30. August 2020

 

Die folgenden Paare werden in Budapest die Schweizer Farben vertreten:

Junge Reiter

  • Lars Bürgler, Kölliken (AG), mit Remember Passion, Besitzerin: Marianne Bürgler
  • Carl-Lennart Korsch, Wolfhausen (ZH), mit Fantasy, Besitzerin: Tallulah Lynn Nater

Junioren

  • Tallulah Lynn Nater, Meilen (ZH), mit De Vito W, Besitzerin: Tallulah Lynn Nater
  • Renée Stadler, Grüningen (ZH), mit Danzador, Besitzer: Carol und Josef Stadler
  • Noemi Zindel, Grüsch (GR), mit Delphino, Besitzer: Sandra und Arno Zindel-Weber

Pony

  • Valentina Bona, Wilen b. Wollerau (SZ), mit Douglas de Luxe FC, Besitzerin: Dagmar Bona
  • Robynne Graf, Dielsdorf (ZH), mit Dallas IV, Besitzer: Simone und Markus Graf
  • Layla Schmid, Château (FRA), mit Ashen Dew Drop, Besitzer: Daniel von Arx-Schmid

Ein Paar, das am Sichtungsreiten auf der ganzen Linie überzeugte: die Juniorin Renée Stadler mit Danzador. Ein Paar, das am Sichtungsreiten auf der ganzen Linie überzeugte: die Juniorin Renée Stadler mit Danzador. (Bild: SVPS/Cornelia Heimgartner)

Auf eine mögliche Selektion verzichtet haben die Junge Reiterin Laura Maria Grunder, Rüegsauschachen (BE), mit GB Rapace, Besitzer: Sandra Bauen Grunder und Hans Grunder, sowie die Juniorin Meilin Ngovan, Subingen (SO), mit Dream of Night Fluswiss CH, Besitzer: Urs Flury. Charlotta Rogerson aus Meggen (LU), die mit der Stute Famora (Besitzer: James Rogerson) in der Kategorie U25 selektioniert worden war, verzichtet auf eine EM-Teilnahme.

Die mit ihrem Pferd Kelly Sue selektionierte Junge Reiterin Ramona Schmid aus Meinisberg (BE) musste die Reise nach Budapest aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die Paare werden vor Ort von der Kaderverantwortlichen und Equipenchefin Heidi Bemelmans begleitet und betreut. Für die veterinärmedizinische Betreuung der Pferde ist für die Kategorien Junge Reiter und Junioren Dr. med. vet. Christoph Kühnle zuständig, für die Kategorie Pony Dr. med. vet. Stephanie Weber-Schön.

Cornelia Heimgartner

 

Website der Nachwuchs-EM der Dressurreiter:
www.unikornislovarda.hu/en/news-events/events

Weitere geplante internationale Championate 2020
– 
Fahren: WM Vierspänner, Valkenswaard (NED), 7.–11. Oktober 2020
– Fahren: WM Einspänner, Pau (FRA), 21.–26. Oktober 2020

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