Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Sportforum 2021: Brennpunkt Dressurrichten

20 Dezember 2021 09:00

Anfang März fand das Sportforum 2021 statt. Namhafte Persönlichkeiten der Pferdeszene tauschten ihre Standpunkte und Erfahrungen rund um die «Zukunft der Pferdesportveranstaltungen» aus. Auch das online zugeschaltete Publikum hatte die Möglichkeit, aktiv an der Diskussion teilzunehmen. Im zweiten Teil der Serie nimmt nun das Leitungsteam Dressur zu aufgeworfenen Fragen Stellung.

Es liegt in der Eigenverantwortung der Richterin bzw. des Richters, 
entweder das Richten eigener Schülerinnen und Schüler wenn irgendwie möglich zu umgehen, oder sie ganz objektiv zu richten. | © imago Es liegt in der Eigenverantwortung der Richterin bzw. des Richters, 
entweder das Richten eigener Schülerinnen und Schüler wenn irgendwie möglich zu umgehen, oder sie ganz objektiv zu richten. | © imago

An drei verschiedenen Podiumsgesprächen wurden Aspekte wie die äusseren Einflüsse auf den Pferdesport, die unterschiedlichen Turnierformate und die Problematik des Richtens beleuchtet. Während der Gespräche gingen insbesondere viele schriftliche Kommentare, Fragen und Bemerkungen ein. Diese Inputs wurden nun analysiert und in den Leitungsteams der Disziplinen besprochen.

In einem zweiten Antwortteil im «Bulletin» hat nun das Leitungsteam Dressur zu offenen Publikumsfragen und Kommentaren Antworten und Reaktionen abgegeben.

 

Thema: Schweizer Dressurreiterinnen und -reiter im Ausland

Publikum: In der Dressur ist es für die Elitereiterinnen und -reiter schwierig, einen Startplatz an internationalen Turnieren im Ausland zu ergattern, weil die Konkurrenz gross ist.

Antwort des Leitungsteams Dressur:

Insgesamt gab und gibt es ausreichend Möglichkeiten für unsere Elitereiterinnen und -reiter, im Ausland zu starten. Es ist richtig, dass für die Teilnahme an den hochdotierten 4*- und 5*-Turnieren eine Limitierung der Anzahl Reiterinnen und Reiter besteht. Die Auswahl und Einladung der Reiterinnen und Reiter erfolgt im Normalfall aufgrund der aktuellen Rangierung in der Weltrangliste. Dies hat natürlich Einfluss auf die Anzahl Reiterinnen und Reiter, die wir für die Schweiz nennen können.

Trotz der schwierigen Situation mit der COVID-19-Pandemie gelang es dennoch, Schweizer Elitereiterinnen und -reiter an mehrere gut besetzte Turniere zu entsenden. Für das Elitekader ist es sehr wichtig, auf diesem hohen Level Startmöglichkeiten zu erhalten. Dies erlaubt eine klare Standortbestimmung, und der Lerneffekt für unsere Reiterinnen und Reiter sowie die Erkenntnisse für die Trainerinnen und Trainer ist an diesen Veranstaltungen deutlich höher einzustufen. Somit ist es weiterhin unser klares Bestreben, gute und herausfordernde Startmöglichkeiten für das Elitekader zu erhalten, um eine kontinuierliche, positive Leistungsentwicklung zu erzielen und den Abstand zur Weltspitze zu verringern.

 

Thema: Bewertung der Qualität der Pferde

Publikum: Wir haben in der Schweiz fast keine Prüfungen, bei welchen die Qualität der Pferde bei der Bewertung im Vordergrund steht. Als Vergleich könnte man nach Deutschland schauen, wo Reitpferdeprüfungen bis Stufe S angeboten werden. Im Ausland scheint die Qualität der Pferde mehr berücksichtigt zu werden bei der Bewertung als in der Schweiz.

Antwort des Leitungsteams Dressur:

In der Schweiz gibt es leider zu wenige Pferde für solche Prüfungen auf höherem Niveau. Die Veranstalter streben zudem volle Prüfungsfelder an. Das ist nicht zuletzt eine Kostenfrage: Der Sieger in einer S-Dressurprüfung bekommt 400 Franken Preisgeld, unabhängig davon, ob drei oder dreissig Paare am Start sind. Jedoch fliesst die Qualität der Pferde immer auch zu einem Teil in die Bewertung der Lektionen und vor allem in die Schlussnoten «Reinheit der Gänge» und «Schwung» mit ein. In den Jungpferdeprüfungen gibt es sogar für jede der drei Grundgangarten eine separate Note.

Die Qualität der Pferde fliesst in die Schlussnoten «Reinheit der Gänge» und «Schwung» mit ein. In den Jungpferdeprüfungen gibt es sogar für jede der drei Grundgangarten eine separate Note. Im Bild: Eva Nydegger mit dem 5-jährigen Moshaco. | © Katja Stuppia Die Qualität der Pferde fliesst in die Schlussnoten «Reinheit der Gänge» und «Schwung» mit ein. In den Jungpferdeprüfungen gibt es sogar für jede der drei Grundgangarten eine separate Note. Im Bild: Eva Nydegger mit dem 5-jährigen Moshaco. | © Katja Stuppia

Thema: Richten und gerichtet werden

Publikum: Wie wird sichergestellt, dass Trainer nicht ihre Schüler richten? Wird dem SVPS offengelegt, welche Richter welche Schüler betreuen? Richter, die selbst Turniere reiten, bewerten hin und wieder auch ihre Mitkonkurrenten. Wie wird eine neutrale Bewertung gewährleistet?

Antwort des Leitungsteams Dressur:

Nach dem Dressurreglement des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS) ist es den Richterinnen und Richtern nicht verboten, die eigenen Schülerinnen und Schüler zu richten. Dazu sind unser Land und der Schweizer Pferdesportkosmos einfach zu klein. Es ist auch nicht die Aufgabe des SVPS, dies zu kontrollieren. Es gibt zudem keine genaue und abschliessende Definition, in welcher Intensität bzw. Regelmässigkeit die Trainings oder Reitstunden gegeben werden müssen, um einen Reiter als «Schüler» zu bezeichnen. Sind es solche, die einmal im Monat zu einem Reitlehrer gehen, oder solche, die einen einmaligen Wochenendkurs besuchen? Es liegt in der Eigenverantwortung der Richterin bzw. des Richters - und die meisten nehmen diese auch wahr -, entweder das Richten eigener Schülerinnen und Schüler wenn irgendwie möglich zu umgehen, oder sie ganz objektiv zu richten.

Ein Richter darf jedoch an einem Turnier nicht in derselben Kategorie reiten und richten. Da wir von den Richteranwärtern Klassierungen verlangen, gibt es im Moment sehr viele vor allem junge Richter, die auch noch an Dressurprüfungen starten. Das muss nicht unbedingt negativ oder schlecht sein. Das Bewusstsein, dass man andere beurteilt und dies neutral tun muss, ist möglicherweise grösser.

 

Publikum: Wäre es für Dressurturniere nicht auch interessant, vermehrt ausländische Richter zu gewinnen? Oder könnte man den Pool an Schweizer Richtern vergrössern, sodass nicht fast an jedem Turnier stets die gleichen Richter im Einsatz sind?

Antwort des Leitungsteams Dressur:

Es ist sicher interessant, ausländische Richter für Schweizer Turniere zu verpflichten. Es gilt jedoch zu beachten, dass deren Anreise, Übernachtungen in Hotels usw. entsprechend entschädigt werden müssen. Die Veranstalter sind oftmals nicht bereit, diese Mehrkosten zu tragen. Es ist den Veranstaltern überlassen, die Auswahl der Dressurrichterinnen und -richter zu treffen. Meist entscheidet man sich hier aus finanziellen Gründen für Richterinnen und Richter aus der näheren Umgebung. Eine Zuteilung von Offiziellen durch den SVPS wurde schon diskutiert. Damit einhergehend wurde aber auch gleich eine Entschädigung durch den SVPS gefordert, sollten zusätzliche Spesen anfallen. Es gibt jedoch immer wieder Veranstaltungen, die gerne ausländische Richterinnen und Richter engagieren.

Weiter ist es ein Bestreben, interessierte Dressurreiterinnen und -reiter für die Aufgabe als Dressurrichter zu begeistern und diese in die Ausbildung und die Richterlaufbahn aufzunehmen. Dem Leitungsteam Dressur, vor allem der Chefin Technik Dressur, liegt viel daran, gute Richterinnen und Richter weiter zu fördern und für höhere Kategorien vorzusehen, damit eine breitere Auswahl für die Veranstalter vorliegt.

 

Publikum: Werden die Richter kontrolliert? Die Richter sollten ein Vorbild sein für die Reiter. Dennoch hört man, dass gewisse Richter Fehlverhalten nicht melden oder kommentieren, aus Angst, nicht mehr gebucht zu werden für Veranstaltungen.

Antwort des Leitungsteams Dressur:

Die Offiziellen der Jury sind für die Einhaltung der Reglemente und Weisungen des SVPS sowie für die korrekte Durchführung der Veranstaltung verantwortlich. Sie unterstehen aber wie alle dem SVPS unterstellten Personen, Vereine und Verbände, die eine pferdesportliche Veranstaltung durchführen oder daran teilnehmen, ebenfalls dem Generalreglement und den technischen Reglementen des SVPS. Offizielle können demnach für ein Fehlverhalten ebenfalls verwarnt, gebüsst oder suspendiert werden. Dazu gehört auch ein «Nichteinschreiten» oder ein «Wegsehen» bei Widerhandlungen. Bei Handlungen und Unterlassungen, die im Widerspruch zum Pferdewohl stehen - und dies auch ausserhalb des Turnierplatzes -, sind wir zudem alle aufgefordert und mitverantwortlich, wenn nötig einzuschreiten.

Nicole Basieux

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