Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Der Walliser Leinenkünstler und die Freiberger

16 Juli 2018 08:00

Die Mitfahrer, Jérômes Freundin Sophie und Thierry Voutaz, werden auch an den WEG in Tryon die Freiberger betreuen. Die Mitfahrer, Jérômes Freundin Sophie und Thierry Voutaz, werden auch an den WEG in Tryon die Freiberger betreuen.

Er ist zwar nicht Harry Potter und hat auch herzlich wenig Ähnlichkeiten mit ihm, ist er doch gross und trägt weder Brille noch hat er dunkles Haar, trotzdem: Jérôme Voutaz wird immer wieder von Kennern der Szene als «Zauberkünstler an den Leinen» betitelt. Warum er ein reines Freibergergespann fährt, wie sich der aufgestellte Walliser auf die Weltreiterspiele in Tryon (USA) vorbereitet und was das Geheimnis seines Erfolgs ist, hat er im Interview mit dem «Bulletin» verraten.

«Bulletin»: Jérôme Voutaz, Sie sind zum allerersten Mal für Weltreiterspiele selektioniert worden. Was bedeutet diese Selektion für Sie?

Jérôme Voutaz: (lacht herzhaft) Ich freue mich sehr über diese Selektion! Mit ihr erhält das ganze Team die Chance, auf die andere Seite des Teichs zu reisen und zu zeigen, was die Freiberger so draufhaben und auch auf amerikanischem Boden können. Es ist eine riesige Chance, an so einer grossen Veranstaltung teilnehmen zu dürfen - und wenn man alleine schon die ganze Logistik studiert, dann ist es auch ein riesiges Abenteuer.

Warum haben Sie sich entschieden, mit einem reinen Freibergergespann zu arbeiten und in der höchsten Kategorie international mitzumischen?

Ich mag Schweizer Werte, und die Schweizer Wurzeln sind mir wichtig. Der Freiberger verkörpert das ganz klar. Diese Rasse ist echt schweizerisch. Ausserdem sind wir mit dem Freibergergespann etwas ganz Spezielles, sozusagen exotisch und ein bisschen ungewöhnlich. Wir tanzen aus der Reihe. Das mag ich, es gefällt mir. Wir sind ein reines Amateurteam, und die Freiberger sind einfach im Umgang. Sie haben alle einen super Charakter, sie sind «gut im Kopf», Pferde mit Einstellung - das ist ihre grosse Stärke.

Wie haben Sie sich auf diese Saison vorbereitet?

Wir haben erst zwei Pferde im Gespann gewechselt, dann doch nur eines, um die Dressur zu verbessern. Weiter haben wir intensiv mit dem Belgier und ehemaligen Weltmeister im Vierspännerfahren, Felix Brasseur, zusammengearbeitet. Auch wurden die Pferde im Winter zum ersten Mal über drei Monate geritten. Vorwiegend, um die Durchlässigkeit zu fördern. Auch hier hat uns Felix Brasseur unter die Arme gegriffen und beraten. Zusätzlich trainiere ich auch noch mit Eric Renaud, der mir bei der Dressur und der Präzision in der Dressur hilft.

Welche Pferde werden Sie nach Tryon mitnehmen?

Sehr wahrscheinlich werden folgende fünf mitkommen: Belle du Peupe CH, Flore CH, Holliday, Leon und Lune de la vieille Fontaine.

Wie sind diese fünf im Charakter? Wie unterscheiden sie sich?

Belle ist eine kleine Stute, sie hat einen starken Vorwärtsdrang, ist immer gut gelaunt und will immer arbeiten. Flore haben wir bereits, seit sie sechs Monate alt ist, heute ist sie zwölf Jahre alt. Wir kennen sie also sehr gut, und sie ist eine, die einfach zu verstehen ist. Auch sie geht gerne und gut vorwärts. Holliday ist unsere «Deutschschweizerin» - Scherz beiseite: Wir haben sie in der Deutschschweiz gekauft. Sie ist sehr sanft mit Menschen, aber im Training ist sie sehr energisch, sie will den Wagen alleine ziehen. Sie ist sehr entschlossen! Leon ist der junge Hahn im Korb, er ist der einzige Wallach, der mitkommt, und ist manchmal etwas faul. Doch wenn er mal motiviert ist, dann ist er ein Löwe. Er hat mich wirklich überrascht, und im Marathon ist er sehr stark. Als fünftes Pferd nehmen wir Lune mit. Sie habe ich Eric Renaud abgekauft, ist also eine der neuen, und sie haben wir definitiv besser auf unserer Seite. Man muss mit ihr arbeiten, auf keinen Fall gegen sie, denn sie ist sehr stur.

Was steht nun noch an vor den Weltreiterspielen in den USA?

Wir werden sicher weiter an unserer Dressur feilen. Und es stehen noch einige Turniere in der Vorbereitung an, zum Beispiel Aachen (GER), Nebanice (CZE) und dann ent weder Donaueschingen (GER) oder Izsák (HUN).

Wer ist in Ihrem Team? Wer begleitet Sie nach Tryon?

Da ist Thierry Voutaz, er fliegt mit den Pferden mit, dann kommt meine Freundin Sophie sowie meine Cousins David und Guillaume Voutaz mit. Auch die Mitbesitzer einiger Pferde, Georgette et Pierre Emonet sowie Marie-Danièle de Buman, werden uns begleiten und unterstützen.

Anfang des Jahres hatten Sie etwas Probleme mit Ihrem Rücken. Wie geht es Ihnen heute?

Das ist vorüber, und es geht mir zum Glück gesundheitlich gut.

Machen Sie auch selber Fitnesstraining? Und wie sieht es mit Mentaltraining aus?

Bezüglich Fitnesstraining, nein, ich mache nichts neben meiner Arbeit und den Trainings mit den Pferden. Mentaltraining mache ich auch nicht, jedenfalls nicht explizit. Doch die Arbeit mit den Pferden ist für mich auch immer ein Mentaltraining, denn wir sind ja ein Team und müssen gemeinsam Lösungen finden.

Was ist Ihr Ziel für die Weltreiterspiele in Tryon?

Also, einen Gesamtrang in den besten zehn wäre natürlich fantastisch sowie je eine Klassierung in den besten fünf im Marathon und im Kegelfahren. Mit den neuen Pferden und den Abstimmungen im Team kommen diese Weltreiterspiele aber eigentlich fast ein Jahr zu früh, doch wir nehmen diese tolle Herausforderung an und werden unser Bestes geben. Ich bin gespannt, wie nun die Vorbereitungsturniere laufen werden.

Was macht Ihnen am meisten Sorgen?

Eigentlich nichts. Wenn mich etwas ein bisschen beschäftigt, dann der Transport, doch ich weiss auch, dass da Vollprofis am Werk sind und unsere Freiberger bestens reisen werden.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich schon mal auf die Reise und auf die Grösse dieser Veranstaltung. Ich bin gespannt, was die Amerikaner auf die Beine stellen werden. Ein bisschen ein amerikanischer Traum…

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

(lacht) Der Sonnenschein im Wallis…

Bilder und Text: Nicole Basieux

Jérôme Voutaz mit seinem reinen Freibergergespann anlässlich der EM Göteborg 2017. Jérôme Voutaz mit seinem reinen Freibergergespann anlässlich der EM Göteborg 2017.

Materialkontrolle während des Marathons an der EM Göteborg 2017. Materialkontrolle während des Marathons an der EM Göteborg 2017.

Die Fans begleiteten die Vierspännerfahrer Jérôme Voutaz und Martin Wagner und ihre Teams an die EM nach Göteborg im vergangenen Sommer. Die Fans begleiteten die Vierspännerfahrer Jérôme Voutaz und Martin Wagner und ihre Teams an die EM nach Göteborg im vergangenen Sommer.

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