Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Andy Kistler: «Die Nationenpreise sollten das ‹Flaggschiff› unseres Sportes sein»

24 April 2017 16:22

Die grüne Saison lässt nicht mehr lange auf sich warten, und nach dem Olympiajahr 2016 folgt ein vielleicht vermeintlich etwas ruhigeres Jahr mit Europameisterschaften. Doch schon nächstes Jahr steht mit den Weltreiterspielen in Tryon (USA) ein nächstes Grossereignis vor der Tür. Nicht zu vergessen 2020 die nächsten Olympischen Spiele in Tokio. Das «Bulletin» hat mit dem Equipenchef der Elite Springen Andy Kistler einen Blick in die nahe und auch weitere Zukunft gewagt.

«Bulletin»: Bereits hat ein Nationenpreis stattgefunden, Mitte Februar in Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nächste Station ist Lummen (BEL) Ende April. Was kommt 2017 in der Nationen-preisserie auf die Schweizer Elitereiterinnen und -reiter zu?

Andy Kistler: Der Nationenpreis 2017 ist neu gestaltet. Jede Equipe bekommt sechs CSIOs zugeteilt, wovon die vier besten Resultate in die Wertung kommen. Ich erwarte mit dieser neuen Regelung einen ganz engen und spannenden Wettbewerb. Für uns zählen folgende sechs Events: La Baule (FRA), St. Gallen (SUI), Rotterdam (NED), Falsterbo (SWE), Hickstead (GBR) und Dublin (IRL).

Neben den Nationenpreisen stehen jedoch auch noch andere Veranstaltungen auf dem Programm.

Traditionell sind wir wieder eingeladen an die 5*-Grossturniere in Aachen (GER) und Calgary (CAN). Zudem haben wir auch die Einladungen an die Europa Division 1 Events nach Lummen (BEL) und noch ganz kurzfristig nach Rom (ITA) erhalten. Das heisst, die Schweiz ist mit einem Team an allen acht Anlässen vertreten. In Lummen und Rom können wir den anderen Teams Punkte abnehmen und auch die einen oder anderen neuen Paare testen.

Schön ist auch, dass wir nach Roeser in Luxemburg an einen 3*-Anlass der zweiten Division eingeladen wurden. Vielleicht folgt nochmals einen Einladung für ein 3*-Turnier.

Höhepunkt der Saison ist aber wahrscheinlich die Europameisterschaft in Göteborg im August, oder? Was ist das Ziel des Schweizer Teams dort?

Natürlich sind die Europameisterschaften in diesem Jahr der wichtigste Anlass, und wir setzen alles daran, mit einer Medaille, am liebsten in der Teamwertung, heimzukommen.

Erst gerade haben zwei Mitglieder des Elitekaders ihren Rücktritt gegeben - aus privaten bzw. beruflichen Gründen. Was sagen Sie zu diesen Abgängen? Ist Leistungssport mit Beruf wirklich nicht vereinbar?

Leistungssport vielleicht schon, aber nicht Spitzensport. Es kommt darauf an, welche Ziele der einzelne Reiter hat. Um es ganz an die Spitze zu schaffen, muss man Vollprofi sein, sehr viel Talent und Willen haben. Es braucht Einsatz und Fähigkeiten auf vielen Gebieten vom mentalen zum körperlichen Training, Zusammenarbeit mit den Besitzern, Pferdemanagement, Kommunikation, Betriebsführung, Organisation usw. Unser Sport hat so viele Dimensionen mit den beiden Lebewesen, aber auch mit der stattfindenden Ausbreitung auf dem ganzen Globus.

Ich verstehe und respektiere die Entscheide von Claudia Gisler und Fanny Queloz. Auch hier nochmals herzlichen Dank an beide und alles Beste in ihrer neuen faszinierenden Hauptaufgabe. Und ich bin sicher, sie bleiben unserem Sport in irgendeiner Art und Weise erhalten.

Rücken anstelle der beiden abgetretenen Reiterinnen neue Talente nach? Und was braucht es, um die Schweiz noch weiterzu- bringen?

Ich bin sehr positiv gestimmt betreffend neue Talente. Was wir die letzte Saison, oder auch am CSI Zürich, gesehen haben, ist vielversprechend. Aber bis zur Spitze braucht es sehr viel. Zurück zur Elite: Wir müssen alles daran setzen, dass weitere Paare näher an die Weltspitze kommen. Die Chance, etwas Bedeutendes zu gewinnen, steigt, wenn wir vier oder lieber noch fünf Reiter selektionieren können, die zur Weltspitze gehören und deren Pferde in Hochform sind.

Ich bin auch sehr froh, dass wir versuchen, die Schweizer Meisterschaft und den Top- Ten-Final mit allen nationalen Qualifikationen noch attraktiver zu machen. Hier können sich nachrückende Reiter weiter- entwickeln und der breiten Öffentlichkeit zeigen.

Ebenfalls vor Kurzem ist bekannt geworden, dass gegen einen der Elitekaderreiter ein Verfahren wegen Tierquälerei eröffnet worden ist. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Es geht hier um ein laufendes Verfahren. Solange kein Urteil gesprochen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Wohlbefinden des Sportpartners Pferd beim SVPS an erster Stelle steht.

Personell können Sie und die Schweizer Kader vermehrt auf die Unterstützung durch den technischen Trainer Thomas Fuchs für die Elite und den Equipenchef für den Nachwuchs Christian Sottas zählen. Was bedeutet das für den Schweizer Springsport im internationalen Vergleich?

Ich bin sehr glücklich, dass unsere Equipe und ich mit Thomas Fuchs zusammenarbeiten können. Er macht seinen Job sowieso fantastisch, und auch ich versuche auf meinem Gebiet das Bestmögliche zu machen. So sollten wir in der Lage sein, unser Team optimal zu unterstützen. Hier darf ich auch einmal erwähnen, dass viele helfen und dass unsere Equipe optimal unterstützt ist: SVPS, Regionalverbände, Leitungsteam Springen, Geschäftsstelle, Veterinäre, Heimtrainer, Mentaltrainer, Fitnesstrainer, Besitzer, Grooms, Familien, Swiss Team Trophy usw. ziehen alle am gleichen Strang. Zudem haben wir perfekte Organisatoren von Turnieren auf allen Stufen und auch einen Kern von Medienleuten, die uns hervorragend unterstützen.

Im Nachwuchs findet eine Wachablösung statt. Christian Sottas übernimmt diese nicht leichte Aufgabe von Albert Lischer und Willy Melliger, denen ich hier ein grosses «Kränzli» winden möchte. Christian kenne und schätze ich schon lange, und er wird das, unterstützt vom Sportchef Stéphane Montavon und der Children-Verantwortlichen Conny Notz, sehr gut machen. Zudem dürfen wir auch in diesem Bereich teilweise auf das Wissen und die Erfahrung von Thomas Fuchs zurückgreifen.

Was sind die langfristigen Ziele in der Zeit zwischen den zwei Olympischen Sommerspielen?

Wir sind in Rio knapp an den Medaillen vorbeigeritten. Das möchten wir in Tokio 2020 besser machen. Auf dem Weg dahin ist die Idee, die eine oder andere Medaille an EM oder WM zur stolzen Schweizer Bilanz hinzuzufügen. Nicht vergessen möchte ich, dass es wichtig ist, die Ligazugehörigkeit in Europas Division 1 zu behalten und auch einmal am Nationscup-Final zuzuschlagen.

Die Schweizer Springreiter haben sich ja sehr stark am Weltcupfinale in Omaha (USA) gezeigt. Was ziehen Sie aus diesem Erfolg für ein Fazit?

Im Moment bin ich einfach sehr stolz auf unsere Omaha-Equipe. Wegen meines Unfalles konnte ich ja nicht mitreisen, habe zu Hause mitgefiebert und durfte auch immer wieder in Kontakt sein. Wir waren mit den drei Spitzenplätzen die stärkste Nation, hatten drei fantastische Pferde mit dabei. Und wir haben ganz tolle, loyale Partner und Freunde als Pferdebesitzer. Das Fazit ist, dass wir wieder einen Schritt näher an den besten Nationen sind und dass wir auf diesem Wege weitermachen und uns stetig verbessern wollen.

Und neben den sportlichen Zielen?

Mich beschäftigen die letzten Entwicklungen in unserem Sport sehr. Wohin will uns die FEI führen? Ich bin aus vollstem Herzen Sportler, möchte, dass man in unserem Sport in erster Linie mit Leistung weiter- kommen kann. Zudem bin ich ein echter Fan der Nationenpreise. Hier kann ein Land noch mehr hinter einem Team stehen als hinter einem Einzelsportler. Die Nationenpreise sollten das «Flaggschiff» unseres Sportes sein und noch mehr Bedeutung erlangen. Wir werden sehen, was im April am FEI Sports Forum in Lausanne diskutiert wird.

Nicole Basieux

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