Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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«Herzblut und richtige Pferdeliebe vermitteln»

19 Juni 2017 09:56

Vom 7. bis zum 9. Juli 2017 werden in Wädenswil die Schweizer Meisterschaften Children, Junioren und Junge Reiter ausgetragen. Die Equipenchefs Conny Notz (Children) und
Christian Sottas erzählen im Interview über ihre erfolgreiche Arbeit mit den Nachwuchsreitern und die gesetzten Ziele.

«Bulletin»: Christian Sottas, Sie sind erfahrener Equipenchef, früher bereits einmal bei den Junioren/Jungen Reitern, dann bei den Ponyreitern, seit dieser Saison auch wieder bei den Junioren/Jungen Reitern. Wie sieht Ihre Bilanz nach dem ersten halben Jahr aus?

Christian Sottas: Die erste Bilanz dieser Saison ist gut. Wir haben die CSIO in Fontainebleau, Opglabbeek und Lamprechtshausen absolviert. Die besten Junioren reiten seit dieser Saison bei den Jungen Reitern, weshalb unser Juniorenteam sehr jung ist. Aber alle machen von Turnier zu Turnier grosse Fortschritte. Ein CSIO ist immer ein spezieller Druck. Nach der SM werden wir entscheiden, wer bei der EM an den Start gehen wird. Wir haben vor allem bei den Jungen Reitern die Qual der Wahl, könnten fast zwei Teams schicken.

«Bulletin»: Conny Notz, Sie kennen den Schweizer Nachwuchs seit vielen Jahren. Was hat sich in dieser Zeit am meisten verändert?

Conny Notz: Betreffend die Children ist die grösste Veränderung wohl, dass die Reiter heute viel früher in höheren Prüfungen reiten. Das zieht sehr viel mit sich.

Christian Sottas, die Junioren/Jungen Rei-
ter können neu im Winter vom Training mit Thomas Fuchs profitieren. Wie werden die Trainings koordiniert?

Im Winter finden zwei Trainingszusammenzüge mit ihm statt. Die Nachwuchsreiter lernen wahnsinnig viel von ihm. Gleichzeitig sind die Privattrainer eingeladen, mitzukommen. Daraus soll sich ein roter Faden ergeben. Thomas hat bereits viel gemacht, und die Nachwuchsreiter und Trainer sind begeistert. Er ist streng, engagiert und perfektionistisch, dazu sehr motivierend und nett. Wenn Thomas Fuchs an der EM frei ist, wird er als Berater dabei sein.

Conny Notz, wie sieht das bei den Children aus? Wie oft treffen sich die jungen Kaderreiter zum gemeinsamen Training?

Bei den Children-Reitern kommen die Fortschritte und Klassierungen manchmal in einem kurzen Zeitraum. Deshalb sind nicht immer alle Children-Reiter bereits Anfang Jahr im Nachwuchskader. Wir haben ein sehr gutes System beim SVPS und integrieren Talente, die für die Trainings und CSIO-Einsätze bereit sind, laufend. Vor Saisonbeginn ziehen wir die Children-Kaderreiter oder gesichteten Talente zu gemeinsamen Trainings zusammen. Drei Trainings haben bei uns in Kerzers stattgefunden und ein weiteres Trainingsweekend in Müntschemier. Dann bestreiten wir dieses Jahr zwei CSIO. Der CSIO Opglabbeek hat bereits stattgefunden, da haben wir den vierten Platz von zehn Nationen im Nationenpreis belegt! Das war eine starke Leistung. Des Weiteren reiten die interessierten Reiter die EM-Selektionsturniere in Müntschemier, Aarberg und Cheseaux. Dann kommt die SM in Wädenswil, und umgehend nach der SM findet die Selektion der EM-Reiter statt. Die EM findet vom 8. bis zum 13. August in Samorin in der Slowakei statt. Das letzte Saision-Highlight wird im Oktober der CSIO Children in Chevenez sein. Die Children-Reiter werden während der Saison von Jürg Notz als verantwortlicher Trainer betreut.

Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf die Förderung der jugendlichen Reiter?

Notz: Ich finde nach wie vor die Basisarbeit sehr wichtig. Die Kinder reiten heute viel früher in höheren Prüfungen. Da brauchen sie fachmännische, professionelle Betreuung, aber auch die entsprechenden vierbeinigen Partner.

Ich wünschte mir auch, dass das Herzblut und die richtige Pferdeliebe vermittelt werden und dann von den Reitern gelebt wird.

Sottas: Bei den Nachwuchsreitern geht es darum, die richtige Balance zu finden, zwischen möglichst vielen Erfahrungen auf Turnieren zu sammeln und den Pferden aber die nötigen und wichtigen Pausen zu geben. Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Trainern. Die Stimmung ist sehr gut. Wir haben das System etwas geändert. Früher war es der Nationalcoach, der die Reiter auf Turnier trainierte und betreute. Ich möchte aber, dass die Privattrainer dabei sind. Sie kennen ihre Reiter und Pferde am besten. Ich bin sicher, dass wir noch stärker werden mit den Erfahrungen dieser Trainer. Die Idee ist gut angekommen. Auch die Franzosen, Deutschen oder Engländer machen das so, das ist eigentlich nichts Neues. Der nächste Schritt wird nun sein, dass wir zusammen mit Thomas Fuchs Seminare organisieren, um die Heimtrainer noch besser zu integrieren. Ich glaube, da werden viele mitmachen.

Viele der Nachwuchsreiter arbeiten bereits mit einem Mentaltrainer. Das ist wichtig, dies könnte man noch weiter professionalisieren.

In welchen Bereichen sehen Sie sich als Equipenchefs hauptsächlich?

Notz: Die Children-Reiter haben fast oder gar keine Erfahrung an internationalen Turnieren. Da sehe ich mich als Koordinatorin und Betreuerin. Der erste Vet-Check in korrektem Tenue, Parcoursbesichtigung im Team und Weiteres erleben sie zum ersten Mal. Es ist wichtig, dass sie die Spielregeln kennen und die Schweiz angemessen repräsentieren.

Es ist mir auch wichtig, dass meine Reiter wissen, dass es darum geht, erste Erfahrungen zu sammeln. Sie sollen möglichst wenig Druck verspüren und Spass und Freude mit ihrem vierbeinigen Gefährten erleben. Der Aufbau der Children-Springreiter ist sehr wichtig, objektiv gesehen gehören wir mit den Children noch nicht zu den Nationen mit grossen Medaillenchancen. So ist die Arbeit mit den Children als ein Aufbau für ihre weitere reiterliche Karriere zu sehen.

Sottas: Ich sehe mich als Organisator, Berater, Koordinator und als Kontakt zwischen allen. Wenn jemand Hilfe braucht, bin ich da. Wir sprechen uns gegenseitig ab. Wir kämpfen in allen Stufen nicht gegeneinander, sondern es ist ein gutes Miteinander. Das gibt Ruhe und Sicherheit für die Nachwuchsreiter.

Gerade bei den ganz jungen Reitern spielen natürlich auch die Eltern eine grosse Rolle. Wie sehr werden sie miteinbezogen?

Notz: Die Eltern nehmen eine sehr wichtige Rolle ein. Sie sind meist Sponsor, Begleiter, Organisator, Tröster, Motivator und vieles mehr. Gerade in diesem Alter brauchen die Kinder die elterliche Unterstützung. Es ist aber auch wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen sammeln können und den Kopf frei haben, um sich auf das Relevante zu konzentrieren. Das ist für beide Parteien nicht immer ganz einfach. Ich versuche, die Kinder bestmöglich zu unterstützen und natürlich auch die Eltern einzubeziehen.

Sottas: Ich spreche mehr mit den Trainern als mit den Eltern. Die Junioren und vor allem Jungen Reiter sind junge Erwachsene. Ich begleite sie gerne auf ihrem Weg.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Springsports ganz allgemein?

Notz: Der Springsport ist eine so schöne und wichtige Lebensschule für unsere Kinder. Ich wünsche mir, dass noch viele Kinder von diesen schönen Erfahrungen profitieren können. Wenn wir auf internationaler Ebene mithalten wollen, brauchen wir selbstkritische Reiter mit Durchhaltevermögen, aber auch sehr gute Pferde. Dies wiederum bedingt Sponsoren oder Eltern, die bereit sind, in die Faszination Pferd, respektive den Springsport, zu investieren.

Sottas: Die Nachwuchsreiter benötigen Turniererfahrungen auf Drei- oder Viersternniveau. Es ist deshalb wichtig, dass die Nachwuchsreiter solche Turniere nicht nur auf Einladung reiten können. Wenn man viel Startgeld bezahlen muss, um teilnehmen zu können, ist das eine schlechte Richtung.

Blicken wir voraus auf die Schweizer Meisterschaften in Wädenswil. Diese finden bereits in der ersten Juliwoche statt.
Wie werden die Nachwuchsreiter auf die SM vorbereitet?

Notz: Die Children-Kaderreiter haben bereits sehr schöne Fortschritte gemacht und gut gearbeitet. Die Teilnahmen an den CSIO, den Sichtungsturnieren und ihre individuellen Trainings und Turniere haben sie gestärkt und ihre Beziehung zu ihrem Pferd gefestigt, da brauchen sie nichts Spezielles mehr.

Die anderen Children-Reiter haben sich mit ihren Trainern individuell auf die SM vorbereitet. Ich hoffe sehr, dass ich viele neue Gesichter sehen werde!

Sottas: Für die SM sollen alle dieselbe Chance haben. Es gibt deshalb keine speziellen Trainings für die Kaderreiter. Aber natürlich haben die Kaderreiter ihre Turnierpläne, die wir laufend besprechen und wo nötig anpassen. Da spielt beispielsweise auch die Schule eine wichtige Rolle. Ich bin mit allen in ständigem Kontakt.

Wo liegen Ihre weiteren Ziele in Bezug auf die aktuelle Saison?

Notz: Das Saisonziel ist ganz klar die EM in Samorin.

Sottas: Nach der SM werden wir entscheiden, wer an der EM starten wird. Im Juli organisieren wir zusammen mit Thomas Fuchs ein Camp für die Selektionierten. Wir werden drei Tage zusammen trainieren und den Teamspirit fördern. Es geht in diesem Camp nicht darum, möglichst hoch zu springen, vielmehr um Vertrauen und motivierte Pferde.

Was möchten Sie als Equipenchefs bewirken oder ändern?

Notz: Ich möchte noch mehr glückliche Reiter und glückliche Pferde an den Turnieren sehen. Es ist mir auch sehr wichtig, dass die Kinder ihre Pferde und ihr Umfeld respektieren.

Sottas: Im Moment geht alles in eine gute Richtung. Wir arbeiten sehr gut zusammen mit allen. Das Team funktioniert sehr gut. Ende Saison werden wir alles analysieren.

Katja Stuppia

SVPS/Marco Finsterwald

Christian Sottas.
 Christian Sottas.


Conny Notz. Conny Notz.

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