Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Ausbildung und Wissen kann Unfällen im Pferdesport vorbeugen

21 Dezember 2020 09:00

Wahrscheinlich haben die meisten Pferdesportlerinnen schon einmal die eine oder andere brenzlige Situation erlebt, beispielsweise einen Sturz vom Pferd oder einen Tritt mit dem Huf. Nicht immer bleiben solche Vorkommnisse ohne Verletzungen. Doch wo kommen die Unfallzahlen im Pferdesport überhaupt her, und was bedeuten sie?

Schutzausrüstung wie Helm und Rückenprotektor mindern das Verletzungsrisiko bei Unfällen im Pferdesport. | © Katja Stuppia Schutzausrüstung wie Helm und Rückenprotektor mindern das Verletzungsrisiko bei Unfällen im Pferdesport. | © Katja Stuppia

Ein steiler Einstieg mit dem Eintauchen in harte Fakten: Laut den neusten Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU haben sich im Jahr 2017 7590 Personen beim Reit- bzw. Pferdesport verletzt. 2015 waren es mit 7970 etwas mehr und 2010 sogar fast 1000 mehr mit 8410 Verletzungen. Im Durchschnitt sind das in den Jahren 2013 bis 2017 7750 Personen. Aber wo genau kommen jetzt diese Zahlen eigentlich her?

 

Aufarbeitung der Daten braucht Zeit

«Die jährliche BFU-Hochrechnung ist eine Schätzung aufgrund diverser Datenquellen. Dass das nur mit einiger Verzögerung möglich ist, hat einen Hauptgrund: Die Unfallstatistik der Versicherer (UVG-Statistik) ist eine unserer wichtigsten Datenquellen», erklärt Marc Kipfer, Mediensprecher bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Und diese Zahlen aufzuarbeiten, brauche viel Zeit und werde jeweils extern gemacht - die Codierung aller Faktoren inklusive der Behandlungsdauer und Heilungskosten ist dabei aufwendig. «Daher konnten wir dieses Jahr erst die Zahlen des Jahres 2017 herausgeben», ergänzt Kipfer. Doch die UVG-Zahlen 2018 seien kürzlich eingetroffen. «Für sich allein genommen sind sie allerdings nur bedingt aussagekräftig, da verunfallte Kinder und Jugendliche dort nicht erfasst sind. Unsere Hochrechnung 2018 folgt dann im Sommer als Teil der Statistikübersicht über alle Sportarten.»

Marc Kipfer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) des Bundes erläutert die Unfallstatistik im Pferdesport. | © bfu Marc Kipfer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) des Bundes erläutert die Unfallstatistik im Pferdesport. | © bfu

Tendenz zu weniger Verletzten

In den absoluten Zahlen der Verletzungen beim Pferdesport zeigt sich ein Rückgang um rund 900 Fälle innerhalb von sieben Jahren (2010: 8410 und 2017: 7590). Warum dies so ist, kann man allerdings nicht aus den vorliegenden Zahlen herauslesen. Dazu bräuchte es eine aktuelle Studie. Interessant ist allerdings zu sehen, in welchem Alter die Betroffenen jeweils waren, als sie sich verletzten und ob eher Frauen oder Männer betroffen sind. Hier könne man eine ganz klare Aussage machen, so Marc Kipfer: «In rund 3000 Fällen von den aufgerundet 8000 sind Mädchen unter 17 Jahren betroffen.» Da kommt unweigerlich die nächste Frage auf: Sind das denn viele im Vergleich zu der Anzahl Personen, die Pferdesport im weitesten Sinn betreiben?

 

Vorsicht beim Analysieren und Interpretieren

Nimmt man die Anzahl Personen, die regelmässig mit Pferden zu tun hat - das sind je nach Quelle circa 140 000 bis 250 000 in der Schweiz, jedoch mit unterschiedlicher Intensität - und rechnet dann den Anteil der Verletzten aus, so sind 7600 lediglich 3,04 bis 5,4%. Doch kann man das überhaupt so rechnen? «Die Anzahl Unfälle auf die Anzahl Pferdesportler gerechnet, ist für uns als Zahl wenig aussagekräftig. Sinnvoller ist es, auch die Verletzungsschwere, das Alter, die Expositionszeiten - damit ist die Gesamtzahl der Ausübungsstunden aller Reitenden pro Jahr gemeint - usw. zu berücksichtigen», erklärt der Fachmann von der BFU.

Verletzte beim Reit-/Pferdesport nach Alter, 2005-2017 | © bfu Verletzte beim Reit-/Pferdesport nach Alter, 2005-2017 | © bfu

Anzahl Verletzte pro ausgeübte Stunde

Eine andere Studie, nämlich «Sport Schweiz 2020» vom Bundesamt für Sport BASPO, bringt da weiteres Licht in den Zahlensalat: «Die neuen Inzidenzraten, also Verletzte pro ausgeübte Stunden, werden wir anhand dieser Studie demnächst angeben können, voraussichtlich im ersten Quartal 2021. Es wird ein Factsheet Reiten/Pferdesport geben», ergänzt Kipfer weiter.

Die Studie «Sport Schweiz» erscheint nur alle sechs Jahre, darum müsse man noch für kurze Zeit auf die Ausgabe 2014 zurückgreifen: «Die Zahlen zeigten damals: Pferdesport ist nicht in den Top Ten und folgt erst auf Platz 14. Allerdings ist bei diesen Inzidenzraten die Schwere der Unfälle nicht berücksichtigt.» Denn Reiten führe teilweise zu schwereren Verletzungen, vergleichbar mit Fussball oder Schneesport.

 

Bei Frauen: nach Skifahren auf Platz 2

Die BFU hatte im Jahr 2014 eine Sicherheitsanalyse im Pferdesport durchgeführt, an der unter anderen auch der Schweizerische Verband für Pferdesport beteiligt war. Diese Analyse befasste sich mit den Unfällen, den Risikofaktoren sowie den Interventionen und hat interessante Informationen herauskristallisiert, die aus Sicht der BFU grundsätzlich auch heute noch ihre Gültigkeit haben. Die Anzahl Verletzungen in Bezug auf die Häufigkeit der Sportausübung zeigte, dass insbesondere Frauen sich beim Pferdesport verletzen. Bei Frauen im erwerbstätigen Alter ist der Pferdesport in absoluten Zahlen nach dem Skifahren gar die Sportart mit den zweitmeisten Verletzungen. Erwachsene Reiterinnen und Reiter (17-64 Jahre) erleiden rund 3,5 Verletzungen pro 10 000 Stunden Ausübung.

Verletzte beim Pferdesport nach Geschlecht, 2005-2017 | © bfu Verletzte beim Pferdesport nach Geschlecht, 2005-2017 | © bfu

Prävention: Wissen und Ausbildung

Da das Pferd ein Fluchttier ist und über eine erhebliche Grösse, ein beachtliches Gewicht und viel Kraft verfügt, besteht immer eine gewisse Gefahr. Gerade ungeübte Reiter oder noch nicht optimal ausgebildete Pferde sind einem grösseren Unfallrisiko ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass Pferdesportlerinnen und -sportler wie auch die Pferde sorgfältig ausgebildet werden. Ganz allgemein sollten die Ausrüstung und das Schutzmaterial wie Helm, Schutzweste und Sicherheitssteigbügel in gutem Zustand sein und präventiv immer eingesetzt werden. Die BFU-Analyse empfiehlt allen Pferdesportbegeisterten, sich gut ausbilden zu lassen und dies am besten bei dafür geschulten Fachpersonen. Die Grundausbildung des SVPS hat in erster Linie die Sicherheit und den Schutz der Pferdesportlerinnen und -sportler, der Pferde und der Umwelt zum Ziel - damit Pferdefreunde unseren Sport möglichst unfallfrei geniessen können.

Nicole Basieux

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