Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Das Pferdemuseum feiert das 120-Jahr-Jubiläum des SVPS

14 September 2020 09:00

Seit bald 40 Jahren beherbergt das Schloss von La Sarraz im Kanton Waadt ein kleines Juwel: das Pferdemuseum. In diesem Jahr, dem Jubiläumsjahr des SVPS, steht die Sonderausstellung des Museums ganz im Zeichen von 120 Jahren Pferdesport in der Schweiz. Das «Bulletin» sprach darüber mit der Kuratorin des Pferdemuseums, Isabelle Drux.

Detailaufnahme eines bund bemalten sizilianischen Karrens im Pferdemuseum. Detailaufnahme eines bund bemalten sizilianischen Karrens im Pferdemuseum.

Kurz nach 1972 wurde die Schweizer Kavallerie abgeschafft, und im gleichen Jahr schlossen sich Pferdefreunde und ehemalige Kavalleristen zusammen, um eine innovative Idee zu verwirklichen: die Schaffung eines Pferdemuseums in der Scheune des Schlosses von La Sarraz. Die erste Ausstellung wurde 1982 eröffnet, und zwar vom damaligen Vorstandsvorsitzenden des Museums, Louis Dégallier - selbst ein ehemaliger Kavallerieoberst, aber auch ein erfolgreicher Pferdesportler und Vorstandspräsident des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport. So wurden fast von alleine schon ganz am Anfang erste Bande zwischen dem Pferdemuseum und dem SVPS geknüpft. Heute leitet Isabelle Drux als Kuratorin die Geschicke des Museums, und unter ihrer Schirmherrschaft ist die Jahresausstellung 2020 der Geschichte des Pferdesports in der Schweiz gewidmet.

Pferdesportoutfits im Wandel der Zeit. Pferdesportoutfits im Wandel der Zeit.

«Bulletin»: Isabelle Drux, weshalb ist das Pferdemuseum in La Sarraz einzigartig und auf jeden Fall einen Abstecher wert?

Isabelle Drux: Unser Museum ist schweizweit das einzige, das alle Aspekte des Pferdes widerspiegelt. Auf 800 m² Ausstellungsfläche bieten wir verschiedene Themenbereiche: die Kutschenhalle mit einer Postkutsche, einem Ambulanz-Hippomobile einer psychiatrischen Klinik, einem bunt bemalten und mit Skulpturen dekorierten sizilianischen Karren und vielen weiteren Gefährten, dann den Schmiedebereich mit einem echten alten Hufschmiedeofen und einer Sammlung verschiedener Hufeisen, die Sattlereiwerkstatt, wo die Besucherinnen und Besucher alles erfahren über das Gerben von Leder und die Herstellung von Sätteln und Geschirren, den Veterinärbereich mit alten Instrumenten, die für die Kastration von Hengsten oder das Kupieren von Schweifrüben verwendet wurden, sowie ein richtiges Pferdeskelett. Ausserdem ist da noch der Themenbereich Landwirtschaft, wo die Rolle des Pferdes auf dem Bauernhof erklärt wird. Im Museumsteil zum Militär steht unter anderem eine lebensgrosse Pferdefigur in voller Montur, einschliesslich Gasmaske! Und wenn Ihnen das noch nicht reicht, können Sie sich unsere Sammlung von antiken Gebissen und Steigbügeln zu Gemüte führen - sie werden erstaunt sein, wie erfinderisch der Mensch hier in den letzten Jahrhunderten war. Und für diejenigen, die sich gerne vom Spektakel einer ganz anderen Art verzaubern lassen, gibt es den Themenbereich Zirkus mit einmaligen Ausstellungsobjekten, die der Zirkus Knie uns überlassen hat. Da ist für jeden etwas dabei!

Eintauchen in die Welt des Zirkus im Pferdemuseum. Eintauchen in die Welt des Zirkus im Pferdemuseum,

Wie kommen Sie zu den Exponaten in Ihren Ausstellungen?

Die meisten Exponate sind Schenkungen. Schon bei der Eröffnung der ersten Ausstellung im Pferdemuseum 1982 stammte ein Teil der Ausstellungsstücke aus der Kavallerie, die kurz davor abgeschafft worden war und für die die Schweizer Armee keine Verwendung mehr hatte. Ausserdem wurde einen grosse Sammelaktion in der gesamten Westschweiz durchgeführt, mit der Unterstützung des Westschweizer Radios.

Diese Sammlungen werden mit Leihgaben anderer Museen aus der Schweiz - beispielsweise dem kantonalen Zoologiemuseum und dem kantonalen naturhistorischen Museum in Lausanne oder dem Landesmuseum in Zürich - sowie Museen aus dem Ausland ergänzt.

Für die diesjährige Sonderausstellung haben wir beispielsweise überraschende und prestigeträchtige Exponate vom SVPS erhalten.

Schlafwagen oder Ambulanz? Erfahren Sie mehr darüber bei einem Besuch im Pferdemuseum! Schlafwagen oder Ambulanz? Erfahren Sie mehr darüber bei einem Besuch im Pferdemuseum!

Sprechen wir über diese Sonderausstellung über 120 Jahre Pferdesport in der Schweiz: Was gibt es dort zu entdecken?

Es werden unter anderem in Vitrinen historische Dokumente ausgestellt, die die Entwicklung des SVPS-Logos oder die Geschichte der Publikationen des SVPS illustrieren. Wir zeigen auch Kleidungsstücke wie die Uniform des erfolgreichen Dressurreiters der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Henri Chammartin, aber auch modernere Caps und T-Shirts.

Das Herzstück ist sicherlich die berühmte Trophäe des Aga-Khan-Cups aus vergoldetem Silber, die die Schweizer Equipe 1930 in Dublin gewann. Zur Mannschaft gehörten damals Kavallerieleutnant Louis Dégallier mit Notas, Kavallerieoberleutnant Dätwyler auf Turgi und Kavalleriemajor Charles Kuhn mit Corona. Nein, das ist kein Witz, sein Pferd hiess wirklich Corona - was für ein lustiger Zufall! Wir haben sogar die Stalltafel des Pferdes auftreiben können, die nun auch im Museum ausgestellt ist.

Wir zeigen auch die Skizzen und Gemälde von Paul Wüst (1898-1987), einem Künstler aus Morges, der insbesondere die Pferderennen in Morges und Yverdon auf der Leinwand festgehalten hat. Als ehemalige Züchterin von Rennpferden freut mich das natürlich doppelt!

Die Ausstellung läuft bis am 1. November 2020.

Die Gebisssammlung im Pferdemuseum. Die Gebisssammlung im Pferdemuseum.

Ein letzter Teil des Pferdemuseums ist der Kunst gewidmet. Was war der Gedanke Ihrer Philosophie als Kuratorin hinter diesem dritten Standbein?

Ich habe Kunstgeschichte studiert und jahrelang ein Kunstauktionshaus in Luxemburg geleitet. Noch heute erstelle ich Expertisen von Kunstwerken, beispielsweise in Erbschaftsangelegenheiten. Die Kunst nimmt also seit je einen wichtigen Platz ein in meinem Leben. Als ich vor sechs Jahren meine Arbeit als Kuratorin des Pferdemuseums aufnahm, war es selbstverständlich für mich, dass die Kunst zum Museum gehören sollte. So stellen wir jeweils während zweier Monate die Werke eines historischen oder zeitgenössischen Künstlers aus, wobei immer eine Verbindung zum Pferd besteht.

Sonderausstellung im Pferdemuseum von La Sarraz: 120 Jahre Pferdesport in der Schweiz Sonderausstellung im Pferdemuseum von La Sarraz: 120 Jahre Pferdesport in der Schweiz

Welche Projekte sind in Zukunft im Pferdemuseum geplant?

Nach einer ersten Renovierungsetappe, die wir dank Spendengeldern realisieren und womit wir die Örtlichkeiten aufwerten konnten, möchten wir die Modernisierung des Museums weiter vorantreiben. Mit einem didaktischeren und interaktiveren museologischen Ansatz möchten wir das Museum im wahrsten Sinne des Wortes noch greifbarer machen mit Ausstellungsbereichen, die stärker auf die Praxis ausgerichtet sind und wo wir die grundlegenden Fragen der Beziehung und des Zusammenlebens zwischen Pferd und Mensch behandeln können: Was frisst ein Pferd? Wie bürstet man ein Pferd? Wie hebt man das Bein eines Pferdes an? Damit möchten wir in einer breiteren Öffentlichkeit ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Besonderheiten des Pferdes schaffen.

Für die Umsetzung sind wir auf Spendengelder angewiesen. Das Museum finanziert sich über die Eintritte, die Beiträge der Mitglieder des Trägervereins, die Verkäufe des Museumsshops und die Verkäufe der Kunstwerke, die wir ausstellen (wir erhalten 20% auf den Verkaufspreis der Kunstwerke, wobei das Ausstellen an sich für den Künstler kostenlos ist). Diese Einkünfte decken jedoch lediglich die laufenden Aufwendungen. Damit wir unsere Zukunftsprojekte realisieren können, brauchen wir weitere Spendengelder und Finanzmittel. Dank der Unterstützung von grosszügigen Gönnern konnten wir bereits einen grossen Modernisierungsschritt umsetzen. Wir wollen aber noch weitergehen, um dem Pferdemuseum eine erfolgreiche Zukunft zu sichern!

Das Gespräch führte
Cornelia Heimgartner

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