Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Demokratisch, modern und proaktiv: der SVPS durchleuchtet seine Verbandsstrategie

25 Juni 2021 16:00

SVPS-Präsident Charles Trolliet beim Inputreferat am «Tag der Zukunft» | © SVPS/Cornelia Heimgartner SVPS-Präsident Charles Trolliet beim Inputreferat am «Tag der Zukunft» | © SVPS/Cornelia Heimgartner

Am «Tag der Zukunft» trafen sich wichtige Player des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS), um Chancen und Risiken neuer strategischer Ausrichtungen des Dachverbands zu analysieren. Aus den spannenden Debatten und angeregten Diskussionen wird der SVPS-Vorstand nun die künftige Verbandsstrategie ableiten.

Die Verbandsstrategie geht alle an und soll nicht trockene Theorie bleiben, sondern zum gelebten Alltag werden. Deshalb war es dem SVPS-Vorstand wichtig, in seinem Strategieprozess von Anfang an alle Stakeholder, von den Mitgliederverbänden über die Kommissionen bis hin zu den Disziplinleitungen, mit ins Boot zu holen und sie aktiv zu involvieren. So wurden am «Tag der Zukunft» unter der Moderation der Beratergruppe für Vereinsmanagement B’VM die Ist-Situation präsentiert und mögliche Varianten für eine Modernisierung der Verbandsstrukturen intensiv diskutiert.

 

Strategie bestimmt die Verbandsstruktur

Der aktuelle Vizepräsident und designierte künftige Präsident des SVPS, Damian Müller, machte in seiner Begrüssungsrede klar, dass sich der SVPS als Dachverband des Pferdesports von der Basis bis zu Spitze versteht. Zu seinen Aufgaben gehören nebst der Organisation der FEI-Pferdesportdisziplinen so vielfältige Bereiche wie die Ausbildung von Pferdesporttreibenden und Offiziellen, die Vernetzung innerhalb der Pferdebranche sowie die Interessenvertretung der Pferdebranche gegenüber der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft und nicht zuletzt der breiten Öffentlichkeit. Diese Kernaufgaben will der SVPS auch in Zukunft beibehalten.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die heutige Strategie des Verbandes und damit auch dessen Struktur noch den aktuellen Bedürfnissen und Anforderungen entsprechen. Dieser kritischen Frage stellt sich der SVPS im Rahmen des Projekts «Strategie 2030» und zieht für diese Analyse all jene Player zu Rate, welche die Verbandsstrategie schliesslich nach aussen tragen. «Mit der ‹Strategie 2030› zeigt der Verband Führungsverantwortung», erklärte Damian Müller den über 70 anwesenden Interessenvertreterinnen und -vertretern.

 

Immer weniger aktive Sportpferde beim SVPS

In seinem Inputreferat zeigte SVPS-Präsident Charles Trolliet unter anderem auf, dass die Zahl der beim SVPS registrierten aktiven Sportpferde in den letzten Jahren kontinuierlich zurückging, während der Pferdebestand in der Schweiz gemäss Zahlen der Tierverkehrsdatenbank (TVD) annähernd stabil blieb. Diese Entwicklung beweist, dass das Interesse für die klassischen FEI-Disziplinen, die heute im SVPS organisiert sind, rückläufig ist.

Ausserdem sind gemäss jüngsten Zahlen nur etwa 17 Prozent der in der Schweiz lebenden Pferde beim SVPS registriert, was bedeutet, dass der SVPS mit seinen Massnahmen derzeit nur einen kleinen Teil der Schweizer Pferdewelt erreichen kann – Tendenz sinkend.

Ein ebenfalls rückläufiger Trend liess sich anhand einer Reiter*innenbefragung aus dem Jahr 2017 nachweisen, wonach ein Grossteil der Pferdesporttreibenden keinen Mehrwert in einer Vereinsmitgliedschaft sehen. Dennoch sind diese sogenannten Nicht-organisierten-Pferdesporttreibenden von zahlreichen Themen, denen sich der SVPS und seine Mitgliedverbände annehmen, direkt betroffen und profitieren von deren Lobbyarbeit, beispielsweise bei Fragen der Raumplanung, des Tierschutzes oder weiterer politischer Themen, wie die jüngste Gesundheitskrise eindrücklich bewiesen hat.

Charles Trolliet ist überzeugt, dass die Pferdesporttreibenden in Zukunft mehr die Gemeinsamkeiten als die Gegensätze suchen müssen, um den Anliegen der Pferdebranche auf allen Ebenen Gehör zu verschaffen. Der SVPS-Präsident brachte es in seinem Referat auf den Punkt: «Das Pferd ist und bleibt ein Bindeglied zur Natur und liegt damit im Trend der Zeit. Wir müssen aber achtgeben, dass wir uns auch in Zukunft noch mit dem Pferd in die Natur begeben dürfen.»

 

Strategische Optionen ausloten

Vor diesem Hintergrund hat der SVPS einen Prozess angestossen, um kritisch zu prüfen, ob die aktuelle Verbandsstrategie diesen Gegebenheiten heute und in Zukunft noch gerecht werden kann. Deshalb wurden am «Tag der Zukunft» in Kleingruppen verschiedene Zukunftsmodelle intensiv diskutiert. Sollen künftig noch andere Pferdesportdisziplinen als die klassischen FEI-Disziplinen beim SVPS angesiedelt werden? Wäre es ein Lösungsansatz, auch die bisher Nicht-organisierten-Pferdesporttreibenden vermehrt in den Dachverband einzubinden? Soll gar ein eigentliches «Kompetenzzentrum Pferd» entstehen, das die gesamte Branche in all ihren Facetten unter einem Dach vereint? Diese und weitere Fragenstellungen wurden aus den verschiedensten Standpunkten heraus durchleuchtet und die Pros und Kontras eines solchen Strategiewechsels zur weiteren Bearbeitung dem SVPS-Vorstand übergeben.

 

Ambitionierter Fahrplan

Die neuen Lösungsansätze und Inputs aus dem «Tag der Zukunft» werden Anfang Juli in der Vorstandsklausur vertieft. An der Präsidentenkonferenz vom 19. August 2021 soll ein erster Strategieentwurf vorgelegt werden, der dann bei den Mitgliederverbänden in die Vernehmlassung geht, damit deren Rückmeldungen in der Endversion berücksichtigt werden können. Im ersten Quartal 2022 soll das Strategieprojekt abgeschlossen werden, um dann im 2. Quartal 2022 die erforderlichen strukturellen Anpassungen in die Wege zu leiten.

Dieser Fahrplan ist ambitioniert, doch der Vorstand ist überzeugt, dass es mit der tatkräftigen Unterstützung aller Stakeholder gelingen kann, den SVPS zu modernisieren, damit er auch in Zukunft seine Ressourcen effizient einsetzen und seine Aufgaben zielgerichtet erfüllen kann.

Cornelia Heimgartner

Karin Stuhlmann von der Beratungsgruppe B'VM moderiert am «Tag der Zukunft» | © SVPS/Cornelia Heimgartner Karin Stuhlmann von der Beratungsgruppe B'VM moderiert am «Tag der Zukunft» | © SVPS/Cornelia Heimgartner

In der Rubrik «Standpunkt» wird Persönlichkeiten aus der Pferdewelt das Wort gegeben, und sie können ihre ganz persönliche Meinung zu einem aktuellen Thema äussern. In diesem «Standpunkt» macht sich Edmond Pradervand, Präsident der Medizinischen Kommission des SVPS, Gedanken zum «Tag der Zukunft» und analysiert die Strategie des SVPS aus einem etwas anderen Blickwinkel.
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Das Pferd als Lebensschule


Am 23. Juni 2021 kamen Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Instanzen unseres Verbandes unter der Leitung seiner «beiden Präsidenten» zusammen, um über die Zukunft des SVPS in den kommenden 10 Jahren zu diskutieren. Als Delegierter der Medizinischen Kommission war ich ebenfalls vor Ort und habe – wie alle anderen Anwesenden auch – mit Begeisterung mitgewirkt.

Erlauben Sie mir, an dieser Stelle ein paar Gedanken des Verbandsarztes zur Beziehung zwischen Mensch und Pferd und zum Pferd im Allgemeinen niederzuschreiben. Man kann sich fragen, inwiefern die Humanmedizin dem Pferd, insbesondere dem Sportpferd, und seinen Nutzerinnen und Nutzern Gutes tun kann. Man kann sich aber auch bzw. vor allem fragen, inwiefern das Lebewesen Pferd die Humanmedizin bereichern kann! Denn das Pferd hat aufgrund der enorm positiven Auswirkungen der Beziehung zwischen Mensch und Pferd eine neue Wissenschaft hervorgebracht, die «Psyppo»-Therapie (Verschmelzung von Psycho- und Hippo-Therapie) – eine eigentliche Lebensschule.

«There is something about the outside of a horse that is good for the inside of a man.» Dieser Spruch wird einem englischen Lord des 18. Jahrhunderts zugeschrieben und hat bis heute Gültigkeit. Die Zeiten ändern sich, unsere Gesellschaft wandelt sich, der Sport entwickelt sich – doch die Wahrnehmung des Sports wird nicht zwingend besser. Längst liegt die Epoche des altertümlichen Sports hinter uns, als die Griechen das Wort «Athlet» erfanden – der starke und geschickte Mann, der sich mit seinen Turnübungen in respektvoller und gesunder Geisteshaltung auf die Festspiele des antiken Griechenlands vorbereitete. Die Athleten trainierten im «Gymnasium» – ein Beweis mehr, dass der Sport eine Quelle der intellektuellen Inspiration war. Sie rannten in einem «Stadion», nicht in einer Arena, und die Sieger wurden wie Halbgötter im «Tempel» gefeiert. Als «Arena» (lateinisch für «Sand») bezeichnete Cicero jene Amphitheater, in denen die Zirkusspiele ausgetragen wurden – Spektakel, bei denen es um Leben und Tod ging. In der Arena massen sich also nicht Athleten, sondern Kämpfer, die ein ganz anderes Publikum anzogen: Die Zuschauer wollten nicht den Sieger feiern, sondern den Unterlegenen sterben sehen! Aber die Architekten und Makler von heute bedenken die eigentliche etymologische Herkunft des Wortes «Arena» wohl kaum …

Die Helden der Vergangenheit sind nicht mehr die Idole der Gegenwart … Welche Vorbilder und welche Lebensschule soll man heute also der jungen Generation näherbringen? Welche Lebensmodelle und welche Bildungswege kann unsere Gesellschaft den Bürgerinnen und Bürgern anbieten? Die Kirche (gemeinsam glauben), die Armee (sich gemeinsam verteidigen), die Schule (gemeinsam lernen), der Sport (sich gemeinsam messen), die Musik (gemeinsam singen) geben nicht mehr den Ton an, die Jugend fühlt sich dort nicht aufgehoben …

Verantwortungslosigkeit, Masslosigkeit, Unsicherheit und Gewalt, die natürlich keine Probleme lösen (das wissen wir dank den Pferden nur allzu gut!), sind omnipräsent in den sozialen Medien. Es wäre an der Zeit, in einem gemeinschaftlichen Gedanken (vergessen wir nicht, dass wir mit unserem Pferd ein Paar bilden) zu mehr Achtsamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit und Kreativität zurückzufinden – Qualitäten, die sich mit dem Pferd in Sanftmut hervorragend vereinbaren lassen!

Es steht nicht zur Debatte, was wir dem Pferd bieten können. Es geht vielmehr darum zu erklären, inwiefern das Pferd den Menschen und unsere Gesellschaft bereichert! In den Medien findet man allzu oft reisserische Beiträge, die ein negatives Bild unseres Sports, der allzu oft als gefährlich und brutal dargestellt wird, und unserer Pferde zeichnen, die vermeintlich einer Elite vorbehalten, sinnlos, umweltschädlich, schmutzig und störend sind und nichts in der Landwirtschaft, den Feldern und Wäldern zu suchen haben …

Es ist an uns «Pferdemenschen», mit der Unterstützung unserer Spitzenreiterinnen und -reiter (auch das gehört zu ihren Aufgaben) dank unserem Verband in den Medien Botschaften zu vermitteln, die das Image des Pferdes verändern und die Rolle des Pferdes als Lebensschule wiederherstellen!

Edmond Pradervand
Präsident MEDKO

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