Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Der Schweizer Tierschutz STS zieht eine positive Bilanz

11 April 2022 08:00

In seinem jährlichen Turnierbericht stellt der Schweizer Tierschutz STS den besuchten Pferdesportveranstaltungen, die dem SVPS unterstellt sind, ein gutes Zeugnis aus. Der STS beurteilt bei seinen unangekündigten Turnierbesuchen sowohl das Verhalten der Pferdesporttreibenden auf dem Vorbereitungsplatz als auch den Umgang mit dem Pferd während dem Wettkampf.

Vertreter des STS und des SVPS besprechen den Turnierbericht des Schweizer Tierschutzes. | © Thomas Frei Vertreter des STS und des SVPS besprechen den Turnierbericht des Schweizer Tierschutzes. | © Thomas Frei

Bereits in seinem Turnierbericht 2020 stellte der STS verschiedene Verbesserungen in den Disziplinen Dressur und Springen fest, während die Disziplin Fahren damals noch Anlass zu einiger Kritik gab. Auch die Thematik des Reitergewichts wurde bereits vor einem Jahr hervorgehoben. Im aktuellen Bericht nun wurden zu den besuchten Turnieren in den SVPS-Disziplinen nur wenige Mängel vermerkt. Diese betrafen vor allem die Offiziellen und das Reitergewicht.

Sandra Schaefler, die beim STS für den Pferdesport zuständig ist, findet den Austausch mit dem SVPS wichtig: «Der STS tauscht sich einmal im Jahr mit dem SVPS aus, um zusammen verschiedene Punkte anzugehen. Der STS kontaktiert den SVPS auch kurzfristig bei Aktualitäten und Fragen. Ausserdem weist der STS, dank seinen kompetenten Fachpersonen, den SVPS immer wieder auf Mängel im tiergerechten Umgang mit Pferden an Turnieren hin und zeigt Verbesserungsansätze auf. Im konstruktiven Gespräch ist es bisher gelungen, den Tierschutz zu verbessern. Mittlerweile gibt es auch gemeinsame Projekte, um das Pferdewohl weiter zu fördern. Aktuell arbeitet der STS gemeinsam mit dem SVPS am Thema Reitergewicht, und der SVPS unterstützt die STS-Aktion ‹Gutes Reiten - Happy Horse›, zwei sehr erfolgreiche Projekte, die den Pferden zugutekommen. Ausserdem kann der STS seine Anliegen in Bezug auf das Pferdewohl regelmässig im ‹Bulletin› des SVPS platzieren.»

Wird ein unzulässiges Gebiss verwendet, kann dies eine Verwarnung zur Folge haben. | © imago Wird ein unzulässiges Gebiss verwendet, kann dies eine Verwarnung zur Folge haben. | © imago

Offizielle mit immer grösserem Aufgabenbereich

Der STS fordert in seinem Turnierbericht 2021, dass die Vorbereitungsplätze strenger beaufsichtigt werden müssten und unerwünschtes Verhalten härter sanktioniert werden soll. Konkret wünscht sich der STS einen Ausbau des Ausbildungsangebots für Offizielle, namentlich im Bereich der Kommunikation und des Konfliktmanagements, sowie verstärkte Nasenbandkontrollen und rigorosere Verwarnungen bei Regelwidrigkeiten.

Auch der SVPS sieht in der Stärkung seiner ehrenamtlichen Offiziellen eine prioritäre Aufgabe. Dies soll auf verschiedenen Handlungsachsen geschehen. Die Offiziellen sind mit immer mehr Kontrollfunktionen konfrontiert, die neben der Aufsicht über die Tierschutzbestimmungen auch reglementarische Aufgaben umfassen, beispielsweise die Kontrolle der Impfungen der Pferde. So prüft der SVPS immer wieder, inwiefern gewisse Kontrollen vereinfacht oder automatisiert und die Offiziellen dadurch entlastet werden können.

Der SVPS ist nach wie vor überzeugt, dass das Ehrenamt bei den Offiziellen seine Berechtigung hat. Dennoch ist es nicht immer einfach, bei den ehrenamtlichen Offiziellen ausreichend Nachwuchs zu rekrutieren. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich keiner bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beschimpfen lassen möchte - Szenen von unflätigem Verhalten von Pferdesporttreibenden gegenüber den Offiziellen gibt es aber leider immer wieder. «Das akzeptieren wir nicht! Der SVPS steht hinter seinen Offiziellen, die gezielt weitergebildet werden und von der Möglichkeit der schriftlichen Verwarnungen auch Gebrauch machen sollen», bekräftigt SVPS-Präsident Damian Müller.

Auf dem Abreitplatz müssen die Offiziellen ihre Augen überall haben. Eine herausfordernde Aufgabe! | © imago Auf dem Abreitplatz müssen die Offiziellen ihre Augen überall haben. Eine herausfordernde Aufgabe! | © imago

Reitergewicht

Gewicht und Fitness der Reiterinnen und Reiter spielen eine wichtige Rolle im Hinblick auf das Pferdewohl. Doch die Thematik ist äusserst komplex und vielschichtig, weshalb der SVPS bereits 2021 in verschiedenen Publikationen auf die einzelnen Facetten der Belastungsproblematik beim Pferd aufmerksam gemacht und eine entsprechende Arbeitsgruppe gebildet hat.

Diese Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern von Mitgliederverbänden, der Tierärzteschaft, der SVPS-Disziplinen und des STS lanciert 2022 nun eine zweigleisige Kampagne, die zum einen in einer Broschüre verschiedene Aspekte der Belastungsfähigkeit der Pferde und der Traglast durch Reiterinnen und Reiter aufgreift und zum anderen mit einem auf den Pferdesport zugeschnittenen Fitnessprogramm zu einem gesünderen Lebenswandel anregt.

In diesem Zusammenhang wurde bewusst auf eine numerische Reglementierung des Reitergewichts verzichtet, da ein solches Vorgehen nach Ansicht von Fachleuten der Komplexität des Themas in keiner Art und Weise Rechnung tragen würde. Vielmehr sollen die Reiterinnen und Reiter anhand der bereitgestellten Informationen selbst in der Lage sein zu beurteilen, ob sie für ihr Reittier eine akzeptable Traglast darstellen.

Polo und Rennsport in der Kritik

Weniger gut kamen im Turnierbericht des STS der Polo- und der Rennsport weg. Im Zuge dieser Kritik nahm der STS auch den SVPS in die Verantwortung, da sowohl die Swiss Polo Association (SPA) als auch der Schweizerische Pferderennsport-Verband (PSA) Mitgliederverbände des SVPS sind.

Tatsächlich bedeutet eine Mitgliedschaft beim SVPS nicht, dass die Reglemente des SVPS zwingend übernommen werden müssen - im Gegenteil! Die Fachverbände, die dem SVPS angeschlossen sind, haben meist eigene Reglemente für ihre Disziplin. Sie sind auch nicht der FEI als internationaler Pferdesportdachverband unterstellt, sondern haben ihre eigenen Dachverbände, mit eigenen Reglementen und Wertvorstellungen. Der SVPS hat hier keine reglementarischen Kompetenzen. Den individuellen Sportreglementen übergeordnet ist einzig die Tierschutzgesetzgebung, die für jedes Pferd unabhängig von der sportlichen Disziplin gilt.

Hingegen stimmen alle Mitgliederverbände dem Ethik-Codex des SVPS zu. Es handelt sich hierbei jedoch um ein moralisches Commitment seitens der Mitgliederverbände und nicht um eine reglementarische Vorgabe. Entsprechend lassen sich daraus auch keine Sanktionen ableiten.

Auch wenn der SVPS mit gewissen Praktiken der vom STS kritisierten Disziplinen nicht einverstanden ist, wäre mit einem Ausschluss dieser Fachverbände aus dem SVPS nichts gewonnen. Dem SVPS ist es ein Anliegen, mit allen Akteuren der Pferdebranche im Dialog zu bleiben und durch Sensibilisierung auch für kritische Themen eine gewisse Einsicht und Zusammenarbeit zu erreichen.

 

Schulterschluss der Pferdebranche

Diese offene Gesprächskultur und transparente Kommunikation wird vom SVPS auf allen Ebenen gepflegt und gefördert - gerade auch in Tierschutzfragen. So trifft sich der SVPS regelmässig mit Vertreterinnen und Vertretern des STS und der Tierschutzstiftung «Tier im Recht». Der kritische Aussenblick auf den Pferdesport ist richtig und wichtig, um weiterzukommen. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch die Dialogbereitschaft und Transparenz aller Beteiligten, um das gemeinsame Ziel eines pferdegerechten Sports sicherzustellen.

Auch in anderen Bereichen ist ein koordiniertes Vorgehen der Pferdebranche entscheidend, beispielsweise in übergeordneten politischen Fragen wie der Raumplanung oder beim Umweltschutz. So setzten sich beispielsweise im Frühjahr auf Initiative des Schweizer Rats und Observatoriums der Pferdebranche (COFICHEV) Vertreterinnen und Vertreter der Pferdezucht, der Pferdeberufsleute, der Armee, der Pferdeforschung, des Pferderennsports und anderer Pferdesportvereinigungen sowie des SVPS an den runden Tisch, um den Grundsatzentscheid eines gemeinsamen und koordinierten Vorgehens bei Thematiken, die alle Pferdemenschen gleichermassen betreffen, zu beschliessen.

Eine solche Absprache erhöht die Schlagkraft von Stellungnahmen der Pferdebranche zu politischen Vorstössen und steigert die Tragweite unserer gemeinsamen Anliegen.

 

Nicht nur den Turniersport im Visier

Während sich der Bericht des STS auf den Turniersport konzentriert, ist es dem SVPS ein grosses Anliegen, dass sich auch die Menschen, die sich ohne sportliche Ambitionen mit Pferden beschäftigen, das nötige Wissen aneignen und sich der Verantwortung bewusst sind, die sie für ihren vierbeinigen Freund tragen.

Viele dieser Pferdebesitzerinnen sind keinem Pferdesportverein und keiner Pferdeberufsvereinigung angeschlossen, und ihr Wissen rund um das Pferd ist nicht selten ungenügend. So kann es passieren, dass es durch falsch verstandene Tierliebe und übersteigerte Vermenschlichung des Pferdes hier zu tierschutzrelevanten Situationen kommen kann.

So ist es im Sinne aller pferdeaffinen Menschen, dass jeder Pferdebesitzerin und jedem Pferdebesitzer ein solides Grundwissen um die Bedürfnisse und das Wesen des Pferdes mit auf den Weg gegeben wird, auch wenn keine turniersportlichen Ambitionen vorhanden sind. Aus diesem Grund würde der SVPS die Einführung eines obligatorischen Sachkundenachweises für Pferdehaltende begrüssen und die entsprechenden Lernformate bereitstellen.

Wir wollen auch in Zukunft noch unser Hobby oder unseren Beruf mit dem Pferd geniessen. Deshalb stellen wir uns der insgesamt grösseren Sensibilität der breiten Öffentlichkeit für Tierschutzfragen, um gemeinsam konstruktive Lösungen zum Wohle des Pferdes zu finden. Es dürfen keine Grabenkämpfe unter verschiedenen Gruppierungen der Pferdebranche stattfinden, denn am Ende des Tages wollen wir alle dasselbe: ein harmonisches Zusammensein mit unserem vierbeinigen Freund, dem Pferd.

Cornelia Heimgartner

Korrekt verschnalltes Hannoveranisches Nasenband | © SVPS/N. Niklaus Korrekt verschnalltes Hannoveranisches Nasenband | © SVPS/N. Niklaus

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