Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

Menü
Pferd+
Dossier: Pferdezucht

«Die Anlässe sind zu einer Einheit geworden»

17 Juli 2017 08:00

Philipp Züger, OK-Präsident der Pferdesporttage Galgenen, und Marc Friedli, neuer VSS-Präsident, blicken mit hohen Erwartungen und viel Vorfreude auf die Pferdesporttage und die zum dritten Mal darin integrierte Suisse-Elite-Fohlenauktion. Im Gespräch äussern sie sich zur Pferdezucht in der Schweiz und weshalb man wenigstens einmal im Leben ein Fohlen über eine Auktion ersteigern sollte.

Marc Friedli. Marc Friedli.

«Bulletin»: Vom 2. bis 6. August finden in Galgenen die Pferdesporttage statt. Darin zum dritten Mal integriert ist die Suisse-Elite-Fohlenauktion am Samstagabend. Was dürfen die Zuschauer während diesen Tagen in Galgenen erwarten? Philipp Züger, aus sportlicher Sicht?

Philipp Züger: Wie jedes Jahr versuchen wir, unsere Philosophie aufrecht zu erhalten und für alle Ansprüche Startmöglichkeiten zu bieten. Vom Einsteiger bis zum Elitereiter können bei uns alle starten. Ein kompletteres Angebot, das nebst dem Spring- auch den Dressursport und die Zucht in sich vereint, ist in der Schweiz fast einmalig. Höhepunkte sind deshalb die Dressurkür und die Auktion am Samstag sowie die Qualifikationsprüfung für die Schweizer Meisterschaft am Sonntag.

Marc Friedli, was dürfen die Zuschauer aus Sicht der Auktion erwarten?

Marc Friedli: Die Zuschauer dürfen einen unvergesslichen Anlass mit Fohlen von hoher Qualität erwarten. Es geht dabei aber nicht nur um die Fohlen, sondern wie Philipp bereits erwähnt hat, um ein ganzheitliches Erlebnis mit Springsport, der Dressurkür und auch dem Horseman-Team, das sehr selten in der Schweiz auftritt. Der Kontakt mit Gleichgesinnten und Galgenen als der absolut geeignete Ort, um Kontakte mit Züchtern zu knüpfen, runden dies ab. Eine Fohlenauktion ist immer auch mit vielen Emotionen verbunden und bleibt den Besuchern in besonderer Erinnerung.

Philipp Züger, die Auktion wird heuer zum dritten Mal in Galgenen ausgetragen. Wie hat sich der «Anlass im Anlass» seither weiterentwickelt?

Züger: Im ersten Jahr war die Herausforderung, sämtliche Schnittstellen zu finden, gross. Im vergangenen Jahr konnten wir viel optimieren und Synergien nutzen. Nun sind wir ein eingespieltes Team. Die Anlässe sind ineinander verschmolzen und zu einer Einheit geworden.

Marc Friedli, Sie stehen dem VSS seit diesem Jahr als Präsident vor, sind jedoch schon seit einiger Zeit im Vorstand des VSS und erlebten bereits mehrere Auktionen mit. Wo sehen Sie Potential, um die Auktion noch weiterzubringen?

Friedli: Die ganze Fohlenauktion hatte bereits in den vergangenen Jahren einen hohen Standard. Finessen und Details können immer verbessert werden. Das grösste Potential sehe ich darin, vermehrt Züchter aus der Westschweiz und dem Tessin zu aktivieren und zu integrieren. Die Westschweiz hat eine grosse und gute Zucht mit einer super Genetik. Daneben versuchen wir auch, Kaufinteressenten aus der Westschweiz und dem Tessin nach Galgenen zu bringen. Organisatorisch sind wir auf einem guten Niveau, und die Pferdesporttage Galgenen selbst sind absolut top.

Die Vorselektion der Fohlen für die Auktion hat kürzlich in Rickenbach und Avenches stattgefunden. Sind Sie zufrieden mit der Qualität der diesjährigen Fohlen?

Friedli: Beide Vorselektionen waren ein sehr grosser Erfolg. Bereits bei der Anmeldung sahen wir, dass vielversprechend gezogene Fohlen mit internationaler Abstammung dabei sind. Dieses Jahr war es deshalb extrem schwierig, die Besten der Besten auszusuchen. Es war ein sehr starkes und breit gestreutes Feld. Ein Lob deshalb an die Züchter, die ihre Fohlen und Stuten sehr schön präsentiert haben. Wir sehen das auch als Wertschätzung gegenüber dem VSS.

Was dürfen Kaufinteressierte erwarten?

Friedli: Fohlen mit sehr guter Genetik, viel Potential und internationaler Abstammung. Vom vielversprechenden Junghengst bis zum etablierten Olympiapferd gibt es höchst interessant gezogene Linien. Es sind alles qualitativ hochstehende Fohlen, und wie das an Auktionen so ist, hat man die Gelegenheit, ein Top-Fohlen zu einem angemessenen Preis zu ersteigern.

Auch dieses Jahr wird im Vorprogramm der Auktion eine Dressurkür mit namhaften Schweizer Dressurreitern stattfinden. Sie vereinen somit Spring- und Dressurreiter und Züchter in einem Anlass und auf einem Platz, das ist eine Seltenheit in der Schweiz. In Deutschland hingegen ist das auf vielen Turnieren üblich. Wäre das nicht ein Modell, das auch in der Schweiz weiter Schule machen könnte?

Friedli: Für das Publikum ist das sicher ein grosses Highlight und sehr abwechslungsreich. Synergien können so genutzt werden, wenngleich der organisatorische Aufwand höher ist und mehr Helfer benötigt werden. Ein Anlass wie dieser ist in der Schweiz leider noch wenig etabliert, aber vielleicht spielen wir ja eine Vorreiterrolle. Bei vielen Veranstaltern dürften jedoch die Platzverhältnisse ein Problem sein, müsste man doch gleich mehrere Plätze zur Verfügung haben, um wie beispielsweise in Deutschland gleichzeitig Spring- und Dressurprüfungen durchführen zu können. Kontakte zwischen Spring- und Dressurreitern und Züchtern sind wertvoll. Der Züchter ist näher beim Sportreiter und damit beim potenziellen Käufer. Und der Sportreiter hat so die Möglichkeit, seine Nachwuchshoffnung schneller und direkter zu finden.

Züger: Es kommt immer darauf an, wie sich ein Event positionieren möchte. Für eine Auktion ist es wichtig und richtig, die Sportreiter zu erreichen. Das geschieht am besten an einem Sportanlass. Zucht ist disziplinenübergreifend, deshalb war es naheliegend für uns, an unserem Springturnier auch für die Dressurreiter etwas zu organisieren. Zu unserer Philosophie passt das. Spring- und Dressurreiter haben sonst oft wenig miteinander zu tun. Wenn man aber mal zusammen auf einem Platz ist, ist das gegenseitige Interesse durchaus vorhanden.

Philipp Züger, Sie sind im Elite-Kader der Springreiter, OK-Präsident der Pferdesporttage Galgenen, dazu Geschäftsführer im familieneigenen Biokraftwerk Galgenen. Ausserdem führt Ihre Familie das Gestüt Züger mit über 70 Pferden. Wie bringen Sie dies alles unter einen Hut?

Züger: Für mich sind diese Tapetenwechsel spannend. Ohne meine Familie und ein gutes Team im Hintergrund wäre das aber alles gar nicht möglich. In unserem Reit- und Pensionsbetrieb haben wir uns auf die Ausbildung von jungen Pferden und Reitern spezialisiert. Wir bringen alle viel Erfahrung mit und geben diese gerne weiter.

Ihre Familie hatte sich auch in der Pferdezucht einen sehr guten Namen gemacht, unvergesslich sind Ihre Zuchthengste wie Raimondo oder Lombard. Heute haben Sie zwar keine Zuchthengste mehr auf dem Betrieb, dennoch sind Sie nach wie vor als Sportreiter mit der Zucht eng verbunden, indem sie Fohlen und Jungpferde erwerben und selbst ausbilden. Wie beurteilen Sie die Schweizer Pferdezucht aus Sicht des Sportreiters?

Züger: Die Schweizer Pferdezucht hat sich sehr weiterentwickelt, dies auch durch die internationale Öffnung und die Möglichkeit, mit ausländischen Hengsten züchten zu können. Es laufen vermehrt gute Schweizer Pferde im Spitzensport. Die Auktion ist auch für unsere Familie eine willkommene Plattform, um in gut gezogene Schweizer Fohlen zu investieren, in der Hoffnung, in Zukunft gute Schweizer Sportpferde ausbilden zu können.

Ihre GP-Pferde Casanova F Z und Cassido GZ haben Sie ebenfalls selbst ausgebildet, mit Lykkeshoejs Castus haben Sie ein weiteres Spitzenpferd zur Verfügung, mit dem Sie in kleineren Prüfungen in 5*-CSI bereits siegreich waren. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für dieses Jahr gesetzt?

Züger: Ich hoffe auf weitere Einsätze in Nationenpreisen und den 5*-Turnieren in der Schweiz. Ich versuche, möglichst mit der Weltspitze mitzuhalten. Ein grosses Augenmerk legen wir aber auch auf die hoffnungsvollen Nachwuchspferde, die mit viel Potential ausgestattet sind und die wir sorgfältig an höhere Aufgaben heranführen.

Marc Friedli, die Familie Ihrer Lebenspartnerin bringt regelmässig Fohlen an die Suisse-Elite-Auktion. Wie beurteilen Sie den derzeitigen Fohlenmarkt in der Schweiz? Werden wieder vermehrt Fohlen gekauft?

Friedli: Die Pferdezucht in der Schweiz ist leider noch immer abnehmend, aber die Kurve geht nicht mehr so steil abwärts wie in den vergangenen Jahren. In punkto Qualität aber ist sie ansteigend. Das Augenmerk der Züchter liegt auf Qualität. Das Wissen und die internationale Vernetzung sind gestiegen. Dies wurde bestimmt auch durch die sozialen Medien gefördert, aber auch junge Züchter bringen neuen Schwung in die Sache. Alles in allem ist die Schweizer Pferdezucht auf einem positiven Weg. Mit einem Fohlen kauft man immer Hoffnung. Man muss Freude an der Aufzucht haben, eine Garantie für später hat man nicht. Viele Fohlen, die über die Suisse-Elite-Auktion verkauft wurden, sind heute erfolgreich im Sport unterwegs.

Was würden Sie einem Kaufinteressenten, der erstmals ein Fohlen über die Auktion kauft, als Ratschlag mit auf den Weg geben?

Friedli: Beim Kauf eines Suisse-Elite-Fohlens kann man eigentlich nichts falsch machen. Die Fohlen werden an der Vorselektion von zwei neutralen Richtern bewertet, einer aus Deutschland, einer aus der Schweiz. Alle selektionierten Fohlen werden einem Gesundheitscheck unterzogen. Übrigens, und das wissen viele Interessenten nicht: Wenn man jetzt schon ein Fohlen aus dem Lot sieht, das einem gefällt, kann man sich gerne schon vorgängig beim Züchter melden, um das Fohlen im Stall anzuschauen und mehr über dessen Haltung zu erfahren. Die Züchter freuen sich über potentielle Interessenten und zeigen ihre Fohlen gerne. Eine weitere Möglichkeit ist, die Fohlen am Auktionstag im Stallzelt zu sehen und die Züchter dort anzusprechen. Am Auktionstag gibt es ausserdem am Nachmittag nochmals eine Fohlenpräsentation, da werden die Fohlen auch in der Bewegung zu sehen sein.

Züger: Die Ersteigerung eines Fohlens ist immer mit grossen Emotionen verbunden. Das sollte eigentlich jeder einmal erleben.

Katja Stuppia

Diese Webseite benutzt Cookies für Statistiken, zur Seitenoptimierung und für zielgerichtetes Marketing. Mit der weiteren Benutzung dieser Seite akzeptieren Sie den Einsatz von Cookies zu diesen Zwecken. Lesen Sie hier mehr.