Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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«Eine korrekte Ausbildung der Jugend ist nötig, um eine vermehrte Akzeptanz des Pferdesports nach aussen zu erwirken.»

14 September 2020 09:00

Stelio Pesciallo (rechts) bei der Ausübung seines Amtes als Verbandspräsident auf einem Turnierplatz.  |   © zVg Stelio Pesciallo (rechts) bei der Ausübung seines Amtes als Verbandspräsident auf einem Turnierplatz. | © zVg

Mit dem Beginn des neuen Jahrzehnts hat sich der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) intensiv mit seiner Zukunftsstrategie auseinandergesetzt. Da die Regionalverbände wichtige Pfeiler des SVPS sind, will das «Bulletin» in einer Serie deren Präsidentinnen und Präsidenten das Wort geben, um über ihre künftigen Herausforderungen und Strategien zu sprechen. In dieser Ausgabe spricht das «Bulletin» mit Stelio Pesciallo, dem Präsidenten der Federazione Ticinese Sport Equestri (FTSE) über die Verbundenheit zur Natur, die Position als Vermittler und die Nähe zur Lombardei.

Stelio Pesciallo hat herzlich wenig von einem aufbrausenden Tessiner, er ist ruhig und überlegt. Dass er beruflich nichts mit Pferden zu tun hat, sieht er als gros­sen Vorteil in seinem Amt als Präsident der FTSE. Die Tessiner Organisatoren von Pferdeveranstaltungen haben auf der anderen Seite der Grenze grosse Konkurrenz, weshalb die FTSE versucht, sie so gut es geht zu unterstützen und die Faszination für das Pferd und den Pferdesport der breiten Südschweizer Bevölkerung ans Herz zu legen.

«Bulletin»: Die FTSE ist neben dem PNW eine der zwei kleineren Regionalverbände. Stelio Pesciallo, was sind die drei grossen Themen, die der FTSE mittel- und langfristig wichtig sind?

Stelio Pesciallo: Im Vordergrund der Aufgaben unseres Regionalverbands stehen die Unterstützung von Vereinen und Pferdebetrieben bei der Organisation von Veranstaltungen, die aktive Förderung der Grundausbildung und die vermehrte Präsenz der FTSE in unserem Gebiet – also in der Südschweiz.

 

Warum liegen Ihnen gerade diese Themen am Herzen?

In den letzten Jahren mussten wir eine merkliche Abnahme von Veranstaltungen feststellen. Diese Entwicklung ist zwar in der ganzen Schweiz zu verzeichnen, aber sie ist besonders akut in der Südschweiz, was auf verschiedene Gründe zurückzuführen ist. Einer davon ist die Nähe zur Lombardei in Italien, wo seit einigen Jahren grosse Veranstaltungen mit hohen Preisgeldern organisiert werden.

Weiter sind wir der festen Überzeugung, dass eine korrekte, vertiefte und regelmässige Ausbildung der Jugend nötig ist. Nicht nur, um gute Sportresultate zu erzielen, sondern auch, um eine vermehrte Akzeptanz des Pferdesports nach aussen zu erwirken.

Wir verfügen seit Jahren innerhalb unseres Verbands über die Kommission «Pferd und Umwelt», die sich – wie ihre Bezeichnung bereits sagt – mit der Präsenz und den Aktivitäten des Pferdewesens in der Region und in der Gesellschaft beschäftigt: Infolge der vermehrten Urbanisierung und Regularisierung in sämtlichen Bereichen unseres Lebens wird dieses Organ immer stärker in Anspruch genommen.

 

Worin unterscheiden sich die Herausforderungen für die FTSE von den Kernthemen anderer Regionalverbände? 

Mit 19 Vereinen, 40 Pferdebetrieben und 19 Instruktoren, die unserem Regionalverband angegliedert sind, ist die FTSE zwar kleiner als die übrigen Regionalverbände, aber die Herausforderungen sind grundsätzlich die gleichen. Es gibt allerdings zwei grosse Unterschiede: Einerseits fehlen der FTSE grosse Sponsoren, anderseits ist da, wie bereits erwähnt, die Konkurrenz zur Lombardei. Man darf nicht vergessen, dass diese Region Italiens rund 11 Millionen Einwohner zählt und eines der grössten wirtschaftlichen Ballungszentren Europas ist.
Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Regionalverbänden und mit dem SVPS?
Die Zusammenarbeit mit den übrigen Regionalverbänden ist im Laufe der Zeit immer fruchtbarer geworden. Mit dem SVPS haben wir stets gute Beziehungen gepflegt. Wir durften jedoch in den letzten Jahren merkliche Verbesserungen feststellen, vor allem dank der erhöhten Transparenz und dem besseren Informationsfluss.

 

Wie lösen Sie in der FTSE die Problematik bzw. den Konflikt zwischen Ehrenamtlichkeit und Professionalität?

Leider ist das ein wunder Punkt: Immer weniger Leute stellen sich ehrenamtlich zur Verfügung. Diese Entwicklung ist aber in allen Bereichen festzustellen und nicht nur im Pferdewesen. Zum Glück können wir bei der FTSE, sei es in unserem Vorstand oder auch in unseren Mitgliedvereinen, auf Leute zählen, die nicht nur Kompetenz, sondern auch Begeisterung mitbringen.

 

Wie gehen Sie im Verband mit Interessenkonflikten um?

Interessenkonflikte werden möglichst früh anlässlich der Wahl in die verschiedenen Gremien, aber auch situativ im Laufe der Zeit mit Gesprächen und gesundem Menschenverstand gelöst. In diesem Sinne ist es von Vorteil, dass ich als Präsident der FTSE beruflich nichts mit der Pferdebranche zu tun habe und so die nötige Distanz wahren kann.

 

Sie sind seit bald 15 Jahren Präsident der FTSE. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen Ihrer bisherigen Amtszeit?

Jährlich organisiert die FTSE zusammen mit den meisten der uns angeschlossenen Vereine und Pferdebetriebe den «Tag des Pferdes». Initiiert wurde diese Veranstaltung vor Jahren auf Anregung des SVPS, als ein gesamtschweizerischer «Tag des Pferdes» durchgeführt wurde. Wir haben diese Tradition jährlich lokal weiterführen wollen, damit sich die Pferdewelt nach aussen öffnen kann. Dies funktioniert am besten mit einem Fest, bei dem die Interessen der Pferdebranche ganz ungezwungen der Gesellschaft präsentiert werden können. Es ist stets eine Freude festzustellen, wie dieses Ereignis Leute anzieht, die sonst mit dem Pferd nichts zu tun haben.

 

Was waren die grössten Herausforderungen Ihrer bisherigen Amtszeit?

Es lässt sich nicht vermeiden, dass innerhalb eines Verbandes ab und zu Reibungen entstehen – sei es mit den Mitgliedvereinen oder mit den Organisatoren von Veranstaltungen. Und mit der zunehmenden Reglementierung wird sich das auch in Zukunft nicht ändern. Hier wird es unsere Aufgabe sein, vermittelnd einzugreifen, damit die Reglemente nicht nur richtig, sondern auch vernünftig angewendet werden.

 

Was fasziniert Sie am Pferdesport?

Ich reite selbst gerne. Was ich am meisten genies­se dabei, ist der Kontakt mit der Natur im Sattel dieses fantastischen Tieres.

 

Wie wird sich der Pferdesport ihrer Meinung nach entwickeln?

Ich finde, das ist schwierig einzuschätzen: Die Welt verändert sich so schnell, und die «Hindernisse», seien es Konflikte bei der Nutzung unserer Umwelt oder reglementarische bzw. gesetzliche Vorgaben, werden zunehmen. Wir müssen aktiv bleiben, vor allem auf politischer Ebene, und alles unternehmen, damit dieser Sport erhalten bleibt und in der breiten Bevölkerung Unterstützung findet.

 

Was wünschen Sie sich für den Schweizer Pferdesport? Und was für die FTSE?

Der Pferdesport ist in der deutschsprachigen und der welschen Schweiz seit Jahrhunderten eine Tradition. In der Südschweiz ist er hingegen relativ jung. Der erste Reitverein wurde erst 1912 gegründet. Trotz allen Schwierigkeiten kann unser Sport immer noch auf eine relativ grosse Anzahl Menschen zählen, die sich in Beruf und Freizeit mit dem Pferd beschäftigen. Ich kann nur hoffen, dass dieser Geist auch in Zukunft weiterleben wird.

Das Gespräch führte
Nicole Basieux

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