Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Erbkrankheiten beim Sportpferd – Teil 1: Mein Pferd hustet und kratzt sich auch noch überall – was tun?

17 März 2015 11:19

Beim Pferdekauf sowie bei der Auswahl von Zuchttieren ist Vorsicht geboten, weil es gegen genetisch bedingte Krankheiten noch keine Heilmittel gibt. Darum ist Vorsorgen besser als Nachsehen. Entsprechend wichtig ist die Erforschung solcher Krankheiten. In einer mehrteiligen Serie im «Bulletin» werden einige der häufigeren Krankheiten näher beschrieben, die beim Pferd genetisch vererbt werden.

Die meisten heute bekannten Erbkrankheiten beim Pferd haben eine schwache bis mittlere Vererblichkeit von 0,1 bis 0,4. Das heisst, 10 bis 40 Prozent sind genetisch bedingt. Erbkrankheiten können durch ein oder mehrere Gene verursacht werden. Viele dieser Erkrankungen sind «multifaktorieller» Natur, das heisst, es wird die Veranlagung vererbt, die Erkrankung bricht aber nur unter dem Einfluss gewisser Umweltfaktoren aus.

Dies kann zum Beispiel durch die Nutzung oder die Fütterung des Pferdes geschehen oder auch den Kontakt des Tieres mit bestimmten Krankheitserregern oder Insekten. Für den Tierhalter ist es von gros­ser Bedeutung, die wichtigsten Erbkrankheiten zu kennen, da er mit einer optimalen Haltung zum Teil entscheidend zur Prävention von deren klinischer Ausprägung beitragen kann.

Die Zuchtverbände spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. So werden zum Beispiel die Warmblut- und Freibergerhengste in der Schweiz durch Tierärzte eingehend untersucht, inkl. Röntgen und Kehlkopfspiegelung im Rahmen der Körung respektive des Stationstests. Sie werden bei nicht zufriedenstellenden Ergebnissen allenfalls von der Zucht ausgeschlossen. Weiter kann auch der erfolgreiche Einsatz von Hengsten im Sport ein Zeichen dafür sein, dass dieses Tier eine gute Leistungskonstitution vererbt. 

Zuchtverband arbeitet mit Forschern ­zusammen
Das Institut suisse de médecine équine (ISME) führt zusammen mit dem Zuchtverband für das CH-Sportpferd ZVCH ausserdem seit mehreren Jahren ein Monitoring aller an den Feldtests vorgestellten dreijährigen Pferde durch. Dieses Monitoring soll erlauben, Fehlentwicklungen früh zu entdecken und mehr über die Erbkrankheiten in Erfahrung zu bringen.

Die Veranlagung kann gemäss heutigem Wissensstand unter anderem für folgende Krankheiten vererbt sein: Kehlkopfpfeifen (auch: «Roaren»), Strahlbeinerkrankung, Osteochondrose (OCD, «Chip») im Sprunggelenk, Stereotypien wie z. B. Koppen, allergisch bedingtes Sommerekzem, RAO (Rezidivierende Atemwegsobstruktion, chronische Bronchitis, Dämpfigkeit, «Pferdeasthma»), Sarkoide («Warzen»), Kryptorchismus («Chiber») etc. Einige Erbkrankheiten, die in der Schweiz von Bedeutung sind, werden in dieser mehrteiligen Serie im «Bulletin» beschrieben und es werden  Empfehlungen zum Haltungsmanagement gegeben.

Allergisch bedingtes Sommerekzem
Das allergisch bedingte Sommerekzem ist eine Allergie des Pferdes gegenüber Kriebelmücken. Es ist eine der häufigsten Erkrankungen der Haut und kann bei Pferden aller Rassen auftreten. Es handelt sich um eine erbbedingte Krankheit, die durch einen ­äusseren Faktor, in diesem Fall durch Stiche der Kriebelmücke oder Gnitze, zum ­Ausbruch kommt. Dieser Zusammenhang kann bei Islandpferden beobachtet werden: 30 Prozent der importierten Islandpferde erkranken an Sommerekzem, wohingegen sie in Island, wo keine Kriebelmücken existieren, gesund bleiben.

Aber auch bei unseren einheimischen Rassen gibt es genetische Träger mit der Veranlagung für die Erkrankung. Für Pferde, die im Sport genutzt ­werden, stellt das Sommerekzem aufgrund der Haltung oftmals ein geringeres Problem dar. Bei Zucht- und Freizeitpferden aber, die auf der Weide gehalten werden, kann die Krankheit sehr belastend sein und eine ­starke Einschränkung der Lebensqualität bedeuten.

Symptome

  • Starker Juckreiz entlang der Oberlinie, insbesondere an der Mähne und am Schweif­ansatz.
  • Der Juckreiz kann ebenfalls am Unterbauch des Pferdes auftreten.
  • Das Pferd reagiert darauf mit Scheuern, was zu kahlen und wunden Stellen führen kann.
  • Im chronischen Zustand wird eine verdickte, gefältelte Haut am Mähnen- und Schweifansatz beobachtet. Stark betroffene Pferde fallen auf, da die Haare – auch im Winter – nicht mehr vollständig nachwachsen.

Ursache
Allergische Reaktion auf die Stiche und damit den Speichel der Kriebelmücken (Simuliden) und der Gnitzen (Culicoides).

Behandlung 
Die ursächliche Behandlung mittels Desensibilisierung wird beim Pferd erforscht, ist aber noch nicht «praxisreif». Da es also bisher noch keine erfolgreiche Behandlung gibt, ist der Schutz der Pferde vor übermäs­sigem Kontakt mit den Mücken die beste Möglichkeit, die Krankheitssymptome zu verringern. 

  • Befallene Pferde während der Morgen- und Abendstunden, in der Dämmerung, nicht auf der Weide halten, da die Mücken zu diesen Zeiten am aggressivsten sind.
  • Alle Stallfenster oder sonstige Öffnungen mit Fliegengitter versehen.
  • Schutzdecke für Weidegang.
  • Fliegenschutzmittel und Sprays können helfen.
  • Die Verfütterung von knoblauchhaltigen Präparaten während der Mückenmonate soll ebenfalls hilfreich sein, ist jedoch (noch) nicht wissenschaftlich erwiesen.
  • In schlimmen Fällen kann der Tierarzt Cortison verabreichen, welches jedoch nur die Symptome lindert, nicht aber die Ursache bekämpft.
  • Fütterung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren soll ebenfalls helfen.

Prognose / Vorbeugung
Da es für diese Krankheit keine ursächliche Therapie gibt und spontane Heilungen nicht auftreten, ist es vor allem wichtig, die Lebensqualität des Pferdes zu optimieren. Mit den entsprechenden Haltungsänderungen kann ein Pferd mit der Krankheit gut zurechtkommen. Während des Winters stellt sie kein Problem dar. Wenn eine angemessene Haltung nicht möglich ist, kann der Besitzer gezwungen sein, das Pferd in ein Gebiet mit weniger Mücken zu bringen, zum Beispiel in höher gelegene Gebiete mit mehr Wind und weniger Mücken. 

Züchterische Bedeutung
Wegen der Vererbung der Veranlagung zur Krankheit wird vom Züchten mit befallenen Stuten und Hengsten abgeraten. Beim Schweizer Warmblut und anderen Verbänden werden erkrankte Tiere von der Zucht ausgeschlossen, beim Freiberger nicht.

Nicole Basieux und 
Nathalie Fouché ISME

Das Institut suisse de médecine équine ISME

Das Institut suisse de médecine équine ISME betreut und behandelt Pferde und andere Equiden an zwei Standorten: ­Pferdeklinik Bern und Clinique Avenches. Neben Dienstleistungen für alle Pferde­halter hat sich das ISME auch diversen ­Forschungsthemen verschrieben. Mehr Informationen finden Sie unter www.ismequine.ch.

Studie: Suche nach Pferden mit RAO und Sommerekzem

Es gibt Hinweise, dass Pferde mit allergischen Erkrankungen wie Sommerekzem auf den Atemwegen verstärkt auf äussere Reize reagieren. Eine Untersuchungsmöglichkeit für die sogenannte pulmonale Hypersensitivität ist die Plethysmographie mit Histamin-Broncho­provokation. Bei dieser Untersuchung wird die Atemanstrengung und -funktion gemessen, während das Pferd Histamin in steigender Konzentration inhaliert. 

Steigt die Anstrengung um einen bestimmten Wert an und nimmt die Atemfunktion ab, wird die Untersuchung beendet. Zeigt das Pferd bereits bei niedrigen Dosierungen Schwierigkeiten mit der Atmung, wird die Diagnose pulmonale Hypersensitivität gestellt. Es wurden bereits Pferde mit klinischen Symptomen für Sommerekzem untersucht und es konnten Tendenzen für eine pulmonale Hypersensitivität gefunden werden. 

Im Rahmen einer Masterarbeit des Institut suisse de médecine équine der Universität Bern möchten wir nun ca. 35 Pferde, die an Sommerekzem leiden, mithilfe der Lungenfunktionsprüfung (Plethysmographie mit Histamin-Bronchoprovokation) untersuchen und so herausfinden, ob diese Pferde häufiger an pulmonaler Hypersensitivität leiden als klinisch angenommen. Die Untersuchungsmethode ermöglicht auch die Erkennung geringgradiger Erkrankungen des Atemsystems, welche zu unerkannten Leistungsverminderungen führen können. 

Kostenlose Untersuchung vor Ort

Die Untersuchung ist für den Besitzer im Rahmen dieser Masterarbeit kostenlos und wird vor Ort durchgeführt. Um besser sagen zu können, ob die gewonnenen Resultate nicht doch nur zufällig waren, sind wir auch auf Kontrollpferde angewiesen, die klinisch keine Hinweise auf Sommerekzem und/oder eine Lungenerkrankung haben. Diese sollten idealerweise im gleichen Stall stehen und würden mit der gleichen Methode kostenlos untersucht. 
Wir sind für solche klinischen Studien immer wieder auf Sie und Ihre Pferde angewiesen und würden uns sehr freuen, Ihnen persönlich mehr Auskunft darüber zu geben. 

Bei Interesse können Sie sich bei Anna Brunner unter annabrunnerand@gmail.com melden. Mit Ihrer Teilnahme an dieser Masterstudie tragen Sie dazu bei, mehr über die Zusammenhänge allergischer Erkrankungen bei Pferden herauszufinden.

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