Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Es war einmal das Brevet…

13 November 2017 18:29

Das Brevet in seiner heutigen Form gibt es seit 1990. Es hat sich jahrzehntelang bewährt. Im Wandel der Zeit, der Gesellschaft und deren Werte sind sich jedoch viele Pferdemenschen in der Branche einig: «Es muss etwas ändern.» Doch warum eigentlich? Wieso braucht es eine solche neue «Grundausbildung Pferd Schweiz» überhaupt? Und was ist neu?

Der Wunsch, dass sich etwas ändern muss, kam aus dem Munde verschiedenster Vertreter der Pferdebranche. Er kam aus verschiedenen Disziplinen, von verschiedenen Regional- wie auch weiteren Mitgliederverbänden des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS). Unisono haben sie verschiedenste Anliegen und Mängel an die Grundausbildungskommission des SVPS unter der Leitung von Heidi Wolf herangetragen. Diese nahm Aussagen wie «Das Brevet ist für viele eine zu grosse Hürde», «Das Niveau ist für die Wettkampfteilnahme mit dem Brevet noch zu tief» oder auch «Es gibt keine Weiterbildungsmöglichkeiten für Nichtwettkampfsportler» entgegen und erarbeitete einen Projektentwurf.

Seit einigen Monaten nun beschäftigt sich eine relativ grosse Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen verschiedenen Fachrichtungen, Verbänden und Disziplinen eingehend und grundlegend mit den Ausbildungsstrukturen in der Schweiz. Sie hat eine neue Ausbildungsstruktur mit dem Namen «Grundausbildung Pferd Schweiz» auf die Beine gestellt. Der Projektleitung war es von Anfang an ein Anliegen, dass alle gemeinsam am selben Strick ziehen und mit diesem Projekt dieselben Ziele verfolgen:

  • Aufbau einer Pferdelobby
  • gesamtschweizerische Lösung einer Ausbildungsstruktur (Grundausbildung Pferd Schweiz)
  • Motivation von Nicht-Wettkampf-Interessierten
  • sicheres, korrektes Verhalten im öffentlichen Raum
  • höhere Sensibilisierung gegenüber der Öffentlichkeit
  • Raumplanung/Tierschutz

Das neue Ausbildungskonzept ist folgendermassen aufgebaut:

  1. Grundausbildung Pferd Schweiz: Diese Ausbildung bildet eine Basisausbildung für Reiter und Pferd und kann mit einer Prüfung, dem Attest oder Diplom abgeschlossen werden.
  2. Brevet: Das Brevet wird von den Disziplinen des SVPS oder den Verbänden wie in Dressur, Springen, Fahren, Western usw. angeboten und dient als Standortbestimmung für den Einstieg für den Wettkampfsport auf tieferem Niveau.
  3. Lizenz: Die Lizenz dient als Test für den Wettkampfsport und wird von den Disziplinen des SVPS angeboten wie die Spring-, Dressur-, Fahr-, TREC-Lizenz usw.

Wie beim aktuellen Brevet ist die Grundausbildung Pferd Schweiz ebenfalls in zwei Teilbereiche gegliedert. Ein Teil besteht aus dem Umgang mit dem Pferd und aus theoretischen Kenntnissen. Der zweite Teil beinhaltet das Reiten oder Fahren.

Die Grundausbildung Pferd Schweiz ist gegliedert in:

  • Attest = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse
  • Diplom = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse und Reiten/Fahren.

Das Attest soll für Pferdeliebhaber offenstehen, die mit Pferden zu tun haben, jedoch weder Reiten noch Fahren oder Wettkampfsport betreiben wollen. Das Diplom beinhaltet die gesamte Grundausbildung Pferd Schweiz, also Umgang, Bodenschule, Theorie und Reiten oder Fahren.

Das Reiten in der Gruppe und im öffentlichen Raum sollen Bestandteil im neuen Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» werden. Das Reiten in der Gruppe und im öffentlichen Raum sollen Bestandteil im neuen Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» werden. (Bild: Sandra Mumprecht)

Was ist anders im Vergleich zum jetzigen Brevet?

Diese Frage beantwortet Heidi Wolf, Präsidentin der Grundausbildungskommission so: "Neu kann sich jeder Pferdeliebhaber ausbilden lassen und mit dem Attest oder Diplom abschliessen. Die Inhalte haben sich etwas geändert, sodass die Bodenschule etwas an- spruchsvoller wurde, dafür das Springen nicht mehr absolviert werden muss. Es müssen lediglich drei fixierte Stangen oder Cavalettis im Schritt überwunden werden."

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Ausbildung und insbesondere der Teil Reiten in allen Reitweisen, bzw. in allen Sätteln, absolviert werden kann. Schwerpunkte sind der Sitz in allen Gangarten, Einwirkung und Anwendung der Hilfen, Abteilungsreiten und Hufschlagfiguren und neu das Reiten im öffentlichen Raum.

«Diese Grundausbildung Pferd Schweiz mit Diplom berechtigt jedoch noch nicht, an Wettkämpfen zu starten», ergänzt Heidi Wolf.

Den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Grundausbildung Pferd Schweiz ist es wichtig, ein möglichst umfassendes Lehrmittel anzubieten. «Dieses soll nicht unbedingt zum Auswendiglernen, sondern viel mehr als Nachschlagewerk genutzt werden», ist man sich einig. Bei der Überarbeitung des Lehrmittels solle auch Wert auf eine gute grafische Umsetzung gelegt werden.

Mit einem neu ausgearbeiteten Brevet an den Start

Die Brevets in den verschiedenen Disziplinen sind nach der neuen Ausbildungsstruktur eine Weiterbildung in der entsprechenden Disziplin. Sie sollen die Reiterinnen und Reiter und Fahrerinnen und Fahrer gezielt auf Starts an offiziellen Prüfungen vorbereiten. Inhaltlich setzen sich die Brevets aus einem theoretischen Teil sowie aus einer praktischen Reit-/Fahrprüfung zusammen. Die bestandene Brevetprüfung ermöglicht, an Wettkämpfen bestimmter Kategorien teilzunehmen oder kann ganz einfach auch als Standortbestimmung genutzt werden.

Vorerst werden für folgende Disziplinen und Richtungen ein Brevet ausgearbeitet und angeboten:

  • Dressur
  • Springen
  • Western
  • Gangpferde
  • Fahren
  • Reiten im öffentlichen Raum
  • Horsemanship

Brevet: Reiten im öffentlichen Raum

Ein Brevet kommt ganz neu hinzu: Reiten im öffentlichen Raum. Wozu ist dieses gut? Martin Habegger, Vorstandsmitglied des SVPS, erklärt:

Es geht grundsätzlich um Folgendes: das Verhalten im öffentlichen Raum, das Reiten in der Gruppe, das Planen und Durchführen von Ritten, das Reiten im coupierten Gelände sowie den Umgang mit angsterregenden Situationen.

Dieses Brevet könnte dann als Einstieg für Freizeitwettkämpfe wie Gymkhana dienen, was jedoch noch nicht entschieden ist.

Keine Änderungen bei Lizenzen

Die Ausbildungsstruktur wird mit den bisherigen Lizenzen abgerundet, die inhaltlich von den Disziplinen und Fachverbänden bestimmt werden. Eine Ausnahme ist die Disziplin Concours Complet: Mit dem Brevet Springen wird der Reiter an Wettkämpfen der Kategorie B1 startberechtigt sein, da kein Brevet Concours Complet vorgesehen ist.

Wie geht es nun weiter?

Das Ziel ist, die neue Grundausbildung Pferd Schweiz per 1. Januar 2019 einzuführen. Dazu müssten die Unterlagen der Grundausbildung Pferd Schweiz und die der verschiedenen Brevets bis Ende 2017 erarbeitet werden. Ab 2018 sollen dann die Unterlagen erstellt, übersetzt sowie die Systemanforderungen geprüft und umgesetzt werden. Ab 2018 sollen auch die Richter, Ausbildner und Organisatoren geschult werden.

Nicole Basieux

Auch die Pflege eines Pferdes wird in der Grundausbildung Pferd Schweiz vermittelt, wie hier das korrekte Hufe auskratzen. Auch die Pflege eines Pferdes wird in der Grundausbildung Pferd Schweiz vermittelt, wie hier das korrekte Hufe auskratzen. (Bild: Sandra Mumprecht)