Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Im Gespräch mit ZVCH-Präsident Michel Dahn: «Wir konnten unseren ausländischen Gästen ein schönes Programm bieten»

16 Januar 2017 08:00

Die Weltzüchtervereinigung WBFSH führte ihr jährliches Treffen erstmals in der Schweiz durch. Gastgeber der viertägigen Veranstaltung war der Zuchtverband CH-Sportpferde. Im Gespräch mit dem «Bulletin» erklärt ZVCH-Präsident Michel Dahn, wie es dazu kam, was die Höhepunkte waren und wie man den rund 100 Delegierten aus der ganzen Welt nicht nur die Schweiz, ­sondern auch das CH-Sportpferd näherbrachte.

Die Gestüts-Mitarbeiter und Züchter aus der ganzen Schweiz zeigten den ausländischen Gästen ihre Pferde in einer beeindruckenden Show. Die Gestüts-Mitarbeiter und Züchter aus der ganzen Schweiz zeigten den ausländischen Gästen ihre Pferde in einer beeindruckenden Show.

«Bulletin»: Michel Dahn, wie kommt ein kleiner Zuchtverband wie der ZVCH dazu, einen internationalen Grossanlass wie das Jahrestreffen der WBFSH zu organisieren?
Michel Dahn: Die Uhrenmarke Rolex mit Hauptsitz in Genf ist seit Kurzem Haupt-
sponsor der WBFSH. Schon letztes Jahr wurden deshalb die WBFSH/Rolex-Awards, die Auszeichnung für die weltbesten Sport­pferdezüchter, am CHI Genf vergeben. Da war es naheliegend, in diesem Jahr das ­Annual Meeting der WBFSH in Genf durchzuführen, weshalb wir als Organisator angefragt wurden. In den beiden Jahren zuvor fand die Versammlung in Brasilien und Österreich statt und wurde auch von kleineren Verbänden organisiert. 

Was waren die grössten Herausforderungen im Vorfeld?
Es galt, die verschiedenen Wünsche und Interessen der beteiligten Parteien zu koordinieren und auf einen Nenner zu bringen, was nicht immer einfach war. Ausserdem waren die Mitarbeitenden auf der Geschäftsstelle und im Vorstand mit den organisatorischen Aufgaben zeitlich stark gefordert. Auch galt es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einem schönen Programm und vertretbaren finanziellen Aufwendungen zu finden. Da Genf bekanntlich ein teures Pflaster ist, war es eine ­Herausforderung, den Teilnehmern ein hochkarätiges Programm zu einem vernünftigen Preis anzubieten. 

Wie brachte der ZVCH die finanziellen Mittel dafür auf?
Anreise-, Hotel- und einen Teil der Programmkosten trugen die Delegierten, die aus ganz Europa, aus Nord- und Südamerika kamen, selber. Wir erhielten ausserdem einen Beitrag der WBFSH, der allerdings bescheiden war. Dann konnten wir zum Glück auch Sponsoren finden. So hat sich zum Beispiel das Bundesamt für Landwirtschaft an den Kosten für das Galadinner beteiligt – wir überraschten die Delegierten mit einem Käsefondue –, was mich sehr gefreut hat. Die definitive Abrechnung liegt noch nicht vor, doch es sieht aus, als ob wir das Budget gut eingehalten haben.

Mit HRH Prinzessin Benedikte von Dänemark, Schirmherrin der WBFSH, hatte das Jahrestreffen auch eine königliche Teilnehmerin. War dafür ein besonderes Sicherheitsdispositiv notwendig?
Nein, das hat mich auch überrascht. Sie ist alleine gereist, hatte aber einen strikten Zeitplan, an den wir uns natürlich gehalten haben. Auf Wunsch der WBFSH habe ich die persönliche Betreuung Ihrer königlichen Hoheit vor Ort übernommen und erlebte sie als sehr angenehm, bescheiden und sympathisch. Sie züchtet ja selber erfolgreich Dressurpferde und interessiert sich sehr für das Zuchtgeschehen. Das erkannte man auch an ihrem Votum im Anschluss an das Genomikseminar, als sie sich dafür aussprach, dass die Pferde bei allen wissenschaftlichen Fortschritten in der Zucht auch reitbar bleiben sollten. 

Sie haben es angesprochen: Der Seminarteil war der Genomik gewidmet. 
Die WBFSH hat dieses Thema vorgeschlagen, da es die Züchterschaft momentan weltweit beschäftigt. Uns war das sehr recht, da wir in der Schweiz gute Wissenschaftler auf diesem Gebiet haben und einen interessanten Beitrag leisten konnten. Von Dr. Stefan Rieder, dem Leiter des Forschungsbereichs am Nationalgestüt von Agroscope, wurden das Seminar und die anschliessende Diskussion kompetent moderiert. Und auch die beiden weiteren Schweizer Referenten überzeugten mit ihren Vorträgen: Dr. Fritz Schmitz-Hsu von Swissgenetics sprach über die bereits etablierte genetische Selektion in der Viehzucht und Dr. Markus Neuditschko, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nationalgestüt, stellte Beispiele von angewandter Forschung im Bereich der Genomik bei den Freibergern vor. 

Das Fazit war eindeutig: Die genomische Selektion wird die Pferdezucht in den nächsten Jahren stark verändern. 
Ja, dieser Meinung bin ich auch. Die genomische Selektion wird einige Vorteile bringen, ich denke da zum Beispiel an die Verkürzung des Generationenintervalls, was den züchterischen Fortschritt beschleunigen wird, oder an eine noch stärkere Auslese bei den Vererbern, was angesichts der Fülle der heute vorhandenen Hengste die Auswahl vereinfachen wird. 

Wie stellt sich der ZVCH der Herausforderung «genomische Selektion»?
Wir sind gut vorbereitet, machen wir doch an den Feldtests die lineare Beschreibung, die als Datengrundlage eine wichtige Voraussetzung ist, schon seit Jahren. Auch entnehmen wir diesen Dreijährigen genetisches Material, also Haar- und/oder Blutproben. Der nächste Schritt wäre nun das Erstellen und Analysieren von molekularen Markern im Erbgut, den sogenannten SNPs. Diese Analysen sind kostspielig, und dafür benötigen wir erst noch die finanziellen Mittel, zum Beispiel über Sponsoren. Da unsere Pferdezahlen zu klein sind, um relevante Ergebnisse zu erhalten, sind wir an Kooperationen mit anderen Zuchtverbänden auf internationaler Ebene interessiert. Diese Zusammenarbeit wurde auch an der WBFSH-Tagung von verschiedenen Seiten gefordert. 

Mit Ingmar de Vos besuchte erstmals ein FEI-Präsident eine WBFSH-Versammlung. Wie ist dieser Besuch zu werten? 
Wie das auch WBFSH-Präsident Jan Pedersen gesagt hat, erachte ich die Teilnahme von Ingmar de Vos als ein wichtiges Signal. Er hat ja nicht nur die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Sport und Zucht betont, sondern auch den Willen bekundet, den von der WBFSH seit Längerem angestrebten Datenaustausch zwischen Zuchtdaten und Sportergebnissen voranzutreiben. Wie wichtig das ist, wissen wir aus eigener Erfahrung: Unsere Zuchtwertschätzung basiert ja auch auf den Daten des Schweizerischen Verbands für Pferdesport SVPS. Ingmar de Vos hat auch ganz klar angedeutet, dass sich die Nachfrage an Sportpferden erhöhen und sich für die Züchter neue Märkte eröffnen werden, wenn die FEI ihr Ziel erreicht, den Pferdesport in mehr Ländern zu entwickeln. 

Neben dem offiziellen Teil bot der ZVCH den Delegierten auch ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm. 
Die Vertreter der Zuchtverbände reisen zum Teil mit Begleitung und zum Teil von weit her an die Annual Meetings der WBFSH, da ist es üblich, dass ihnen ein bisschen etwas vom Gastgeberland gezeigt wird. Am Exkursionstag konnten sie auf der Carfahrt von Genf ins Nationalgestüt in Avenches eine landschaftlich reizvolle Gegend geniessen, und auch der Zwischenhalt in der Cailler-Schokoladenfabrik in Broc ist sehr gut angekommen. 

Bei der aufwendigen Vorführung im Nationalgestüt und im Haras du Roset der Familie Rizzoli zeigte sich die Schweizer Sport­pferdezucht von der besten Seite.
Was die Mitarbeiter des Nationalgestüts und unsere Züchter auf die Beine gestellt und vorgeführt haben, war wirklich einmalig. Sie waren mit so viel Herzblut und Engagement bei der Sache, haben ihre Pferde herausgeputzt und sie hervorragend präsentiert. Als ZVCH-Präsident hat es mich gefreut und stolz gemacht, dass wir unseren ausländischen Gästen ein schönes Programm bieten konnten, und dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten ganz herzlich bedanken. 

WBFSH-Präsident Jan Pedersen lobte die Organisation durch den ZVCH und betonte, man habe sich sehr wohl gefühlt in der Schweiz. Was für ein Fazit ziehen Sie?
Ich bin zufrieden, dass alles reibungslos geklappt hat, dass die Delegierten eine gute Zeit in der Schweiz hatten und wir die CH-Pferdezucht von ihrer besten Seite zeigen konnten. 2016 war für den ZVCH ein sehr intensives Jahr, mit dem 20-Jahr-Jubiläum, dem grossen Züchterfest im Juli und der Organisation der WBFSH-Versammlung. Die Mitarbeiterinnen auf der Geschäftsstelle haben viel geleistet, und auch der Vorstand war gefordert. Nun sind wir froh, wenn etwas Ruhe einkehrt und wir uns wieder unseren Kerngeschäften widmen können. 

Weitere Informationen auf www.wbfsh.org und www.swisshorse.ch

Angelika Nido

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