Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Neue Ausbildungsstrukturen auf der Zielgeraden

16 Juli 2018 08:07

Es war einmal das Brevet… Das heutige hat sich jahrzehntelang bewährt. Im Wandel der Zeit, der Gesellschaft und deren Werte waren sich jedoch viele Pferdemenschen in der Branche einig: «Es muss etwas ändern.» Gesagt, getan. Markus Niklaus gibt als Verantwortlicher des Projekts Grundausbildung Antworten auf Fragen und Unklarheiten.

 Foto: SVPS/Sandra Mumprecht

«Bulletin»: Wie sieht die neue Ausbildung aus?

Markus Niklaus: Das neue Ausbildungskonzept ist folgendermassen aufgebaut:

1. Grundausbildung Pferd Schweiz: Diese Ausbildung bildet eine Basisausbildung für Reiter/Fahrer und Pferd und kann mit einer Prüfung, dem Attest oder Diplom abgeschlossen werden.

2. Brevet: Das Brevet wird von den Disziplinen des SVPS oder der Verbände wie in Dressur, Springen, Fahren, Western usw. angeboten und dient als Standortbestimmung für den Einstieg in den Wettkampfsport auf tieferem Niveau oder als Ausbildungsprüfung ohne Einstieg für den Wettkampfsport

3. Lizenz: Die Lizenz dient als Test für den Wettkampfsport und wird von den Disziplinen des SVPS angeboten wie die Spring-, Dressur-, Fahr-, TREC-Lizenz usw.

Was beinhaltet die neue Grundausbildung Pferd Schweiz?

Wie beim aktuellen Brevet ist die Grundausbildung Pferd Schweiz ebenfalls in zwei Teilbereiche gegliedert. Ein Teil besteht aus dem Umgang mit dem Pferd und theoretischen Kenntnissen. Der zweite Teil beinhaltet das Reiten oder Fahren.

Die Grundausbildung Pferd Schweiz ist gegliedert in:

- Attest = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse

- Diplom = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse und Reiten/Fahren.

Warum kommen diese Änderungen in der Grundausbildung?
Waren die Strukturen nicht in Ordnung?

Der Wunsch, dass sich etwas ändern muss, kam aus dem Munde verschiedenster Vertreter der Pferdebranche. Er kam vom Vorstand, aus verschiedenen Disziplinen, von verschiedenen Regional- wie auch weiteren Mitgliederverbänden des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS). Unisono haben sie verschiedenste Anliegen und Mängel an die Grundausbildungskommission (GAKO) des SVPS unter der Leitung von Heidi Wolf herangetragen. Diese nahm Aussagen wie «Das Brevet ist für viele eine zu grosse Hürde», «Das Niveau ist für die Wettkampfteilnahme mit dem Brevet zu tief» oder auch «Es gibt keine Weiterbildungsmöglichkeiten für Nichtwettkampfsportler» entgegen und erarbeitete einen Projektentwurf.

Was bedeutet das konkret?

Die Bedürfnisse werden per Stand heute mit dem aktuellen Brevet nicht mehr erfüllt. Einerseits wollen einige Reiter nicht springen und absolvieren darum das heutige Brevet mit den zwei Sprüngen am Ende der Prüfung nicht. Andererseits kann man mit dem Brevet an offiziellen Dressur- und Springprüfungen starten, ohne je etwas über Reglemente, Offizielle, Anmeldeverfahren usw. gehört zu haben. Das heutige Brevet wird ohne den Springteil am Schluss zur neuen «Grundausbildung Pferd Schweiz» abgeändert.

Unterschiede gegenüber dem heutigen Brevet sind:

- Weiterführende Bodenschule

- Kein Vortraben, nur Melden bei der Bodenschule

- Kein Springen

- Kann in allen Sätteln gemeinsam absolviert werden

- Reiten / Fahren im öffentlichen Raum

- Kann als Diplom oder Attest absolviert werden

- Keine Starterlaubnis für den Wettkampfsport

- Bedingung für Starterlaubnis an neuen Brevets

Wie geht es dann weiter? Was für Möglichkeiten habe ich,
wenn ich Turniere reiten möchte?

Anschliessend an die «Grundausbildung Pferd Schweiz» werden mehrere unterschiedliche Brevets zur Aus- und Weiterbildung angeboten werden. Einige werden als Einstieg in den Turniersport verlangt, einige werden lediglich zu Ausbildungszwecken angeboten werden. Per 1. Januar 2019 werden erstmals das Brevet Dressur, das Brevet Fahren und das Brevet Kombiniert angeboten. Wer ab dem nächsten Jahr die Ausbildung neu machen wird, kann nach der «Grundausbildung Pferd Schweiz» entweder das Brevet Dressur, das Brevet Fahren oder das Brevet Kombiniert absolvieren, um zu starten. Das Brevet Dressur berechtigt zu Starts an GA-Prüfungen Dressur, das Brevet Fahren zu Starts an offiziellen Prüfungen der Kategorie B (Stufen 4 und 5) und das Brevet Kombiniert zu Starts an GA-Prüfungen Dressur, B-Prüfungen Springen und B1-Prüfungen Concours Complet.

Wann kann ich das neue Brevet Dressur, das Brevet Fahren oder das Brevet Kombiniert machen?

Diese Prüfung kann entweder direkt an die Grundausbildung Pferd Schweiz gemacht werden oder zu einem späteren Zeitpunkt. Das kommt ganz auf den Ausbildungsstand des Fahrers/Reiters und den Organisator an. Zu sämtlichen Brevets wurden Lernunterlagen zur besseren Vorbereitung erstellt. Der SVPS gibt lediglich die Prüfung vor. Ob und wie die Vorbereitungskurse gestaltet werden, um an einer Brevetprüfung zu starten, bestimmt der Organisator (Voraussetzung ist immer das Diplom der Grundausbildung Pferd Schweiz). Diese Kurse/Prüfungen können beispielsweise auch von einem Reitverein angeboten werden.

Welches Brevet braucht es für Patrouillenritte, Distanzritte und Gymkhanas?

Es ist vorstellbar, dass die Regionalverbände unter Umständen das Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» später verlangen, um an Gymkhana-Prüfungen oder Patrouillenritten teilnehmen zu können. Für entsprechende Reglemente sind allerdings die Regionalverbände zuständig - und nicht der SVPS. Aktuell braucht es gemäss Reglement für den Einstieg in die Gymkhana-Prüfungen kein Brevet. Trotzdem gibt es bereits einige Organisatoren, die dies verlangen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Regionalverbände eine Ausbildung verlangen werden. Wünschenswert wäre, dass zumindest die «Grundausbildung Pferd Schweiz» verlangt wird.

Wird es noch weitere Brevets geben?

Ja, weitere Brevets sind vorgesehen. Neben dem Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» wird es auch noch die Brevets Gangpferde, Western und Endurance geben. Diese sind aber erst in Bearbeitung. Wann diese eingeführt werden, steht noch nicht fest. Weitere Brevets sind denkbar und erwünscht.

Muss also ab dem 1. Januar 2019 je Disziplin ein Brevet gemacht werden oder kann ich mit einem der vorgesehenen Brevets später auch an einer Dressurprüfung teilnehmen?

Was es zur Zulassung für die einzelnen Disziplinen braucht, bestimmt die Disziplin selber. Mit einem der zuvor beschriebenen Brevets wird man aber nicht an Dressur-, Spring- oder CC-Prüfungen starten gehen können. Das Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» zum Beispiel wird als Weiterbildung angesehen und berechtigt nicht zu Starts an offiziellen Prüfungen.

Bleibt das neue Brevet «lebenslang» gültig? Oder muss ich es dazwischen «auffrischen»?

Wenn man ein Brevet einmal gemacht hat, dann bleibt es ein Leben lang gültig. Legt man allerdings eine pferdesportliche Pause ein, muss das Brevet wieder aktiviert werden, bevor man an offiziellen Prüfungen teilnehmen kann.

Was ist mit dem heutigen Brevet? Ist das die Starterlaubnis für Wettkampfsport in allen Disziplinen?

Die aktuellen Brevetinhaber eines Reiterbrevets Klassisch, Western oder Gangpferde werden dem Brevet Kombiniert gleichgestellt und können so an allen Prüfungen Dressur, Springen und CC teilnehmen. Sie müssen die neue Ausbildung nicht machen.

Muss ich als langjährige Brevetinhaberin etwas tun per 1. Januar 2019, damit mein Brevet gültig bleibt?

Nein. Eine Ausbildung wie das Brevet, der Silbertest, der Goldtest oder die Lizenz bleibt ein Leben lang bestehen, selbst wenn man es 20 Jahre nicht mehr eingelöst und aktiviert hat.

Gibt es bei den Lizenzen auch Änderungen?

Grundsätzlich wird das Lizenzwesen nicht geändert. Das Vortraben und die Theorieprüfung über die Reglemente werden neu auf Stufe Brevet geprüft und entfallen bei der Lizenzprüfung. Die Ausbildungsstruktur wird mit den bisherigen Lizenzen abgerundet, die inhaltlich von den Disziplinen und Fachverbänden bestimmt werden.

Was steht nun noch an?

Die neue Grundausbildung Pferd Schweiz sowie die Brevets Dressur und Kombiniert werden per 1. Januar 2019 eingeführt. Dazu wurden die Unterlagen erarbeitet. Jetzt werden die Unterlagen fertig erstellt, übersetzt sowie die Systemanforderungen geprüft und umgesetzt. Ab Ende August werden Informationsveranstaltungen für die Richter, Ausbilder und Organisatoren stattfinden. Weitere Informationen hierzu sind auf der Seite 50 zu finden.

Nicole Basieux

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