Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Pferdehaltung & Raumplanung

Pferde können uns über die Symbolsprache antworten

01 Februar 2022 09:00

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Studien mit den kognitiven Fähigkeiten von Pferden beschäftigt. Heute steht fest, dass Pferde in der Lage sind, verschiedene Symbole auseinanderzuhalten. Genauer gesagt: Sie können Formen mit gebogenen Linien, Formen mit horizontalen und vertikalen Linien sowie aus diagonalen Linien bestehende Formen voneinander unterscheiden. Wäre dies vielleicht ein zu erforschender Ansatz, um mit ihnen zu kommunizieren?

Das Pferd muss eines von zwei Symbolen berühren, um eine Belohnung in Form von Futter zu erhalten, wenn es die «richtige» Wahl getroffen hat. |  © Marie Roig-Pons Das Pferd muss eines von zwei Symbolen berühren, um eine Belohnung in Form von Futter zu erhalten, wenn es die «richtige» Wahl getroffen hat. | © Marie Roig-Pons

Ein solcher neuer Weg zur Kommunikation zwischen Mensch und Tier wurde vor Kurzem erprobt: Die Studie sollte es sowohl ermöglichen, den Pferden Fragen zu stellen, als auch den Testpferden die Gelegenheit geben, dank assoziativen Lernens, diese zu beantworten. In einer Studie aus Norwegen konnten Pferde zum Ausdruck bringen, ob sie je nach Wetterlage lieber eine Decke tragen wollten oder nicht. Diese Pferde hatten in einer ersten Phase gelernt, dass eines der Signale bedeutete, dass die Decke abgenommen würde, und das andere, dass die Decke aufgelegt würde. Die Tiere haben sich diesen Lernprozess zunutze gemacht, um dann ihre Präferenzen mitzuteilen.

 

Studie am Schweizer Nationalgestüt von Agroscope

Eine vor Kurzem am Schweizer Nationalgestüt (SNG) durchgeführte Studie weist in dieselbe Richtung. Zunächst wurde überprüft, ob Pferde in der Lage sind, zwischen verschiedenen Symbolen auf einem Touchscreen zu unterscheiden. Danach hat man versucht herauszufinden, ob sie bestimmte Symbole mit den jeweiligen Konsequenzen in Bezug setzen können. Das übergeordnete Ziel bestand dann darin, zu untersuchen, ob Pferde über die Fähigkeit verfügen, schlüssige Entscheidungen zu ihrem eigenen Wohlbefinden und Komfort zu treffen.

 

Vorbereitungsphase

13 Stuten des SNG wurden in einer ersten Lernphase mithilfe von Clickertraining mit der Bedienung der Apparatur vertraut gemacht. Danach begann das selbstständige Lernen am Touchscreen.

Zuerst wurden die Stuten mit Clickertraining darauf konditioniert, ein sogenanntes «Target», hier einen blauen Ball, zu berühren. Ein hilfreicher Schritt, um dann die Nutzung des Touchscreens zu erlernen.  |  © Agroscope Zuerst wurden die Stuten mit Clickertraining darauf konditioniert, ein sogenanntes «Target», hier einen blauen Ball, zu berühren. Ein hilfreicher Schritt, um dann die Nutzung des Touchscreens zu erlernen. | © Agroscope

Phase 1: zwischen zwei Symbolen unterscheiden

In einer ersten Phase mussten die Stuten ohne menschliche Hilfe lernen, zwischen den beiden auf dem Bildschirm sichtbaren Symbolen zu unterscheiden. Zu diesem Zweck erhielten sie eine Belohnung in Form von automatisch abgegebenem Futter, wenn sie das «richtige» Symbol mit der Nase berührten. Dieser Prozess wurde mehrfach wiederholt, und zwar in 15 Versuchen pro Sitzung. Der Lernprozess wurde als abgeschlossen erachtet, sobald sie in der Lage waren, in einer Sitzung mindestens 70% «richtige Reaktionen» zu liefern.

Zum Start einer Testsequenz musste das Pferd auf den grünen Knopf drücken. Daraufhin erschienen die Symbole auf dem Bildschirm.  |  © Marie Roig-Pons Zum Start einer Testsequenz musste das Pferd auf den grünen Knopf drücken. Daraufhin erschienen die Symbole auf dem Bildschirm. | © Marie Roig-Pons

Phase 2: ein Symbol mit einer unangenehmen Konsequenz verbinden

In einer zweiten Phase haben wir die Fähigkeit der Pferde geprüft, ein neues visuelles Symbol, das eine unangenehme Folge direkt nach Erhalt der Futterbelohnung auslöste, zu vermeiden. Konkret hiess dies, dass das Pferd nach Berühren des korrekten Symbols automatisch eine Belohnung in Form von Futter erhielt. Wenn das Pferd hingegen das andere Symbol mit der Nase berührte, so erhielt es dann zwar ebenfalls eine Futterbelohnung - allerdings wurde danach ein (auf Höhe der Sattelgurtlage) um seinen Körper gelegtes Seil angezogen. Die Versuchsleiterin übte dann während dreier Sekunden einen Zug von ungefähr 10 kg auf das Seil aus, bevor es wieder losgelassen wurde. Dieser Prozess wurde genau wie in der ersten Phase mehrfach wiederholt. Auch hier galt der Lernprozess als erfolgreich, sobald die Pferde in der Lage waren, in mindestens 70% der Fälle während einer Sitzung «richtig» zu wählen.

Wenn das Pferd das «falsche» Symbol wählte, wurde mit einem um den Rumpf gelegten Seil während dreier Sekunden Zug auf seinen Körper ausgeübt.  |  © Marie Roig-Pons Wenn das Pferd das «falsche» Symbol wählte, wurde mit einem um den Rumpf gelegten Seil während dreier Sekunden Zug auf seinen Körper ausgeübt. | © Marie Roig-Pons

Vielversprechende Ergebnisse

Die Stuten, die am Test teilgenommen haben, haben mehrheitlich die erwünschten Lektionen gelernt. So haben acht von dreizehn Stuten die Erfolgskriterien der ersten Phase erreicht, welche die Bedingung waren, um mit der zweiten Phase fortzufahren. Von diesen acht Pferden haben sieben wiederum die Lernprozesse der zweiten Phase erfolgreich gemeistert. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Pferde in der Lage sind, Symbole auch mit anderen Folgen als ausschliesslich einer Futterbelohnung in Verbindung zu bringen. Die Mehrheit der Pferde scheint durchaus imstande, zwischen verschiedenen Symbolen zu unterscheiden, aber auch, diese mit unterschiedlichen Konsequenzen in Bezug zu bringen und somit stichhaltige Entscheidungen für ihren eigenen Komfort und ihr Wohlbefinden zu treffen. Dies lässt hoffen, dass Potenzial für eine neue Art der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd unter Beizug von Symbolen besteht.

 

Sabrina Briefer Freymond
Schweizer Nationalgestüt SNG
Agroscope

Ablauf einer Testsequenz am Touchscreen

Die auf dem Touchscreen programmierte Sequenz begann mit Erscheinen eines komplett schwarzen Bildschirms - dessen Verschwinden wurde vom Testleiter ausserhalb der Box gesteuert. Das Programm wartete dann, bis das Pferd auf den grünen Knopf drückte und somit die visuellen Symbole auf einem beigen Hintergrund erscheinen liess. Sobald das Pferd den Knopf mit der Nase drückte, erklang ein kurzes akustisches Signal, und die beiden Symbole erschienen auf dem Touchscreen. Danach wartete die Software, bis eines der beiden Symbole gewählt wurde. Wenn das Pferd mit der Nase eines der beiden Symbole berührte (das «richtige» Symbol), erklang ein akustisches Signal, und es wurde automatisch eine Futterbelohnung vergeben. Wenn das Pferd das andere Symbol (also das «falsche» Symbol) wählte, ertönte ein anderes akustisches Signal, und das Pferd erhielt keine Belohnung (Phase 1) oder aber eine Futterbelohnung in Verbindung mit einer Form körperlichen Drucks (Phase 2). Sobald das Pferd seine Wahl getroffen hatte, begann das Programm von Neuem und wartete, bis der grüne Knopf erneut bedient wurde, um einen neuen Test zu starten. Nach Durchlaufen von 15 Versuchen erschien zum Ende der Sitzung wiederum ein schwarzer Bildschirm.

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