Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Viel diskutierte Entscheidungen hinterlassen bitteren Nachgeschmack

18 Dezember 2017 12:00

Etwa 70 der insgesamt 134 Mitgliederverbände kamen der Einladung an die jährliche FEI-Generalversammlung, die dieses Mal in Montevideo stattfand, nach. Auch Vertreter des Schweizerischen Verbands für Pferdesport waren vor Ort. Das Fazit fiel ernüchternd aus - nicht zuletzt wegen der Entscheide in der Disziplin Springen.

Der internationale Dachverband, Fédération Equestre International (FEI), hat Ende November seine Mitgliederverbände zur Generalversammlung nach Montevideo in Uruguay geladen. Auch der Schweizerische Verband für Pferdesport war mit zwei Vertretern anwesend. Sandra Wiedmer, Geschäftsführerin des SVPS, sowie Claude Nordmann, Vorstandsmitglied zuständig für internationale Angelegenheiten, reisten nach Südamerika. Verschiedene Beschlüsse wurden gefasst, im Folgenden die wichtigsten kurz zusammengefasst:

Die Mehrheit stimmte für den Vorschlag der FEI zum Einladungssystem. Die Mehrheit stimmte für den Vorschlag der FEI zum Einladungssystem. (Bild: FEI)

Länger Zeit für Olympiaqualifikation

Die Dreireiter-Regelung ist beschlossene Sache. Dabei solle aber dem Ersatzreiter eine wichtigere Rolle zukommen als bisher. Weiter konnte bewirkt werden, dass die Deadline für die individuelle Qualifikation von Reitern (das sogenannte «minimum eligibility requirement», kurz MER) auf fünf Wochen vor Nennschluss gelegt wird, statt auf den 18. Mai 2018. So haben die Reiter rund zwei bis drei Wochen mehr Zeit, ein eventuelles Selektionsturnier zu bestreiten, um sich für Olympia zu empfehlen. Gerade in der Disziplin Concours Complet ist dies von Vorteil, weil es insgesamt viel weniger Startmöglichkeiten gibt als in den anderen beiden Olympischen Pferdesportdisziplinen. Einzig in der FEI-Gruppe-3 gab es immer wieder Diskussionen. Einige Verbände dieser Gruppe sind dem Europäischen Dachverband EEF und einige aber dem Asiatischen angeschlossen und setzten sich für eine andere Verteilung der Quotenplätze ein, unterlagen aber im Votum der GV. Bereits für Tokio 2020 haben mehr Teams die Möglichkeit sich zu qualifizieren, da nur 3 Reiter pro Team zugelassen sind.

Gestaffelte Abschaffung von Hinterbeingamaschen

Bereits im Vorfeld gab es grosse Diskussionen betreffend Reglementsanpassungen in der Disziplin Springen. Zum einen hat dies das Thema Hinterbeingamaschen und zum anderen das Thema Einladungen an internationale Turniere betroffen. Ersteres wurde auch im Rahmen des Europäischen Verbands eingehend diskutiert. Die EEF sprach sich mehrheitlich für eine Einführung eines Verbots für Hinterbeingamaschen ausgenommen Gelenkschutz für alle Kategorien auf das Jahr 2019 aus. Man sei der Meinung, dass diese Änderung innerhalb eines Jahres möglich sei. Bei der Abstimmung im Plenum wurde dem Vorschlag der FEI gefolgt, in allen Nachwuchskategorien sowie bei den Veteranen eine stufenweise Abschaffung der Hinterbeingamaschen einzuführen. Hierbei sollen Erfahrungen gesammelt werden, um den Vollzug bei der Elite in 2021 dann zu erleichtern.

Wir sehen diesen Entscheid als eine grosse Enttäuschung. Wir haben uns klar gegen eine stufenweise Abschaffung ausgesproche, sagt Claude Nordmann.

Eine solche stufenweise Abschaffung mache wenig bis keinen Sinn, sei schwierig zu begründen und sei in seinen Augen auch politisch gesehen, kein Kommittent für fairen und sauberen Pferdesport. «Ich hoffe, dass wir diese Regel in der Schweiz früher einführen werden», so Claude Nordmann weiter.

Springen: Einladungssystem bei Turnieren

Es ist in der Pferdesportwelt kein Geheimnis, dass «Einladungen» zu Springturnieren als verkappte «Paycards» funktionieren und gehandelt werden. So hat der Veranstalter die Möglichkeit, mit dem Verkauf von begehrten Startplätzen seine Finanzen aufzubessern. Das neue «Invitation System» der FEI beinhaltet, dass die Nennungen per IT überprüft werden. Weiter wird jeweils sichergestellt, dass immer eine gewisse Prozentzahl der Weltranglistenführenden starten darf. Erst danach kann der Organisator über seine Quote hinaus Reiter persönlich einladen. Ebenfalls neu festgelegt ist die Quote, die der jeweilige Landesverband (NF) für einheimische Reiter nutzen darf. Dies soll sicherstellen, dass vor allem einheimischen Nachwuchsreitern genügend Startgelegenheiten im eigenen Land geboten werden können. Die europäischen NF’s wollten hier eine grössere variable Heimreiterquote, wurden aber mit ihrem Vorschlag nicht zur Abstimmung zugelassen und haben deshalb gegen das Einladungssystem gestimmt. Diese Regelung betreffend Einladungen wurde deshalb mit 32 Gegenstimmen, darunter vorwiegend die europäischen Verbände sowie auch die Stimme des SVPS, angenommen. Die Änderung wird erst die zweite Jahreshälfte 2018 betreffen, da das Online-Nennungssystem der FEI erst dann entsprechend eingesetzt werden kann. Das Jahr soll genutzt werden, um die Entwicklung auszuwerten und für 2019 einen neuen Vorschlag einzubringen.

Trotzdem gab es noch positive Entscheide. So gibt es auf Vorschlag des International Jumping Riders Club (IJRC) pro Turnier nur noch eine Prüfung der höchsten Punktekategorie AA - in der Vergangenheit konnte zum Beispiel das Turnier der Global-Champions-Tour in Shanghai in drei Prüfungen AA Punkte vergeben. Dies ist ebenfalls Teil des «Invitation Systems».

Europa hat im Verhältnis wenig zu sagen

«Das Problem bei diesem Entscheid ist folgender: Hier sieht man ganz klar die Grenzen des Dachverbands, der FEI, denn es waren quasi nur europäische Verbände gegen diese Regeln und im Plenum hat Europa selber keine Chance auf genügend Stimmen zu kommen, obwohl der Sport in Europa spielt. Rund 85% der Veranstaltungen finden jedoch in Europa statt und etwa 80% der Springreiter kommen aus Europa», erklärt Claude Nordmann. Schade sei insbesondere gewesen, dass kein Vertreter des «International Jumping Riders Club» (IJRC) anwesend gewesen war. Das haben die Vertreter des SVPS sehr bedauert. Der Entscheid habe auch Einfluss auf die Weltrangliste, auch wenn die Nationenpreise mit zehn zusätzlichen Punkten aufgewertet worden seien, so Nordmann weiter.

Dressur: Abschaffung der Schlussnoten

In der Disziplin Dressur haben die Delegierten zu Gunsten der Medienattraktivität einen grossen Teil der Schlussnoten mit den Lektionen übergreifenden Kriterien wie Schwung, Takt, Losgelassenheit, Gehorsam, Durchlässigkeit etc. für das Pferd abgeschafft. Die Note für Sitz und Einwirkung bleibt bestehen. Claude Nordmann sieht hier keine Probleme: «Das Pferd wird ja auch mithilfe der Zwischennoten bereits beurteilt und mit der Streichung der Schlussnoten kann das Schlussresultat schneller errechnet werden». Es lohne sich, dies so zu machen. Beim HiLo-Verfahren, die Streichung der jeweils höchsten und niedrigsten Note, kam es hingegen nicht zur Abstimmung. Viele Reiter und Verbände sprachen sich dagegen aus. Nun soll diese Regelung in einer Testphase angewendet und ausgewertet werden.

«Ich bin der Meinung, dass wenn ein Richter seine Note begründen kann, ist dies in Ordnung. Die Richter sehen das Reiter-Pferd-Paar schliesslich nicht alle aus dem gleichen Winkel, bzw. von der gleichen Seite», ergänzt Nordmann.

Endurance: Anpassungen erst auf 2019

Bereits bei der Vorstellung der verschiedenen Reglementsänderungen in der Disziplin Endurance kam es zu Unklarheiten, die sich dann durch den Block durchzogen. Da die Saison in der FEI-Gruppe-7 in vollem Gang ist und Qualifikationen für die WEG in Tyron anstehen, hat man sich dazu entschieden, die Anpassungen erst auf 2019 einzuführen. Es gibt ein künftiges Mindestgewicht für die Elite von 70kg - nicht wie bisher von 75kg. Das Mindestgewicht wurde verringert, um leichtere Reiterinnen und Reiter und ihre Pferde nicht durch zu viel totes Gewicht zu benachteiligen.

Zwei Schweizerinnen in FEI-Gremien

Sandra Wiedmer, Generalsekretärin des SVPS, wurde zum zweiten Mal zur stellvertretenden Chefin der FEI-Gruppe-1 im obersten Gremium der FEI gewählt. «Ich freue mich auf diese spannende Aufgabe. Es ist wichtig, dass weiterhin ein Austausch zwischen den Verbänden stattfindet», ist Sandra Wiedmer überzeugt. Mit Nayla Stössel hat eine zweite Schweizerin ein Amt bei der FEI gefasst. Die OK-Präsidentin des CSIO St. Gallen ist neu Mitglied des «FEI Nominations Committee» als Vertreterin der FEI Gruppe 1. Diese Kommission ist für die Überprüfung von Bewerbungen für offene Posten sowie eine gerechte Verteilung auf die verschiedenen Mitgliedsländer zuständig.

Ernüchterndes Fazit

Wenn man nun die Berichte von der Generalversammlung so liest, spürt man schon auch eine gewisse Enttäuschung. «Das ist so, niemand war mit gewissen Entscheidungen so richtig zufrieden», belegt Claude Nordmann. Leider seien auch nur rund 70 Mitgliederverbände überhaupt persönlich vertreten gewesen. Und das Vorstandsmitglied ergänzt: «Wir müssen wachsam bleiben. Denn sonst wird der Pferdesport in Zukunft weitestgehend auf zwei Schienen laufen - auf der Schiene ‹Show & Business› und auf der Schiene ‹Sport›».

Nicole Basieux

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