Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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«Wir sind eine Gemeinschaft mit sehr grosser Verantwortung»

24 April 2017 16:52

Werner Rütimann ist seit 2011 Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport (SVPS). In seiner Funktion als Vizepräsident ist er unter anderem Botschafter innerhalb des Verbandes und in der Öffentlichkeit. Das «Bulletin» geht in dieser Serie den Aufgaben und Herausforderungen auf den Grund, die sich den verschiedenen Vorstandsmitgliedern stellen.

Werner Rütimann mit dem 24-jährigen, selber gezüchteten ehemaligen Zuchtweltmeister und Spitzensporthengst Karondo vom Schlösslihof CH. Werner Rütimann mit dem 24-jährigen, selber gezüchteten ehemaligen Zuchtweltmeister und Spitzensporthengst Karondo vom Schlösslihof CH.

Das «Pflichtenheft» des SVPS-Vizepräsidenten zu umschreiben, ist nicht ganz einfach, da es sich nicht mit scharfen Linien eingrenzen lässt. In Vertretung des Präsidenten oder auch gemeinsam mit ihm hat er einerseits viele öffentliche Repräsentationsaufgaben zu erfüllen. Andererseits ist er gewissermassen auch Bindeglied zwischen den Gremien des Dachverbandes und den 19 Voll- und 13 Teilmitgliederverbänden. Die Förderung und Koordination der Zusammenarbeit sieht er als ganz wesentliche Aufgabe. «Wir sind eine Gemeinschaft mit sehr grosser Verantwortung dem Pferd und dem Pferdesport gegenüber», hält Werner Rütimann zusammenfassend fest. «Dies gut verständlich darzulegen und zu begründen, ist eine wesentliche Daueraufgabe auf allen Ebenen und anhand unterschiedlichster Zusammenhänge.»

Erfahrungen einbringen und Tendenzen erkennen

Werner Rütimann kommt bei seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied zugute, dass er in vielen Bereichen auch auf Erfahrungen zurückgreifen kann. Er nennt dafür nur einige Beispiele: «Als Besitzer von Pferden im vor allem springsportlichen Einsatz auf allen Stufen national und international weiss ich um die Bedürfnisse der Konkurrenten, ihre Ansprüche an Veranstalter und Funktionäre, aber auch ihre Pflichten den Pferden und dem Publikum gegenüber. Auch Anliegen von Veranstaltern kenne ich sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus vielen Gesprächen und Beobachtungen auf grossen und kleinen Plätzen und in verschiedenen Gremien. Dennoch sehe ich mich immer wieder herausgefordert in der Wahrnehmung von Entwicklungen und Tendenzen, aus denen die richtigen Schlüsse zu ziehen und allenfalls Massnahmen zu ergreifen sind. Auch erlebe ich oft Beispiele für die Notwendigkeit klärender Gespräche, des Aufzeigens von Zusammenhängen, des aufmerksamen Zuhörens und auch des überzeugenden und fundierten Argumentierens. Ob bei den Beratungen im Vorstand des Dachverbandes, der Teilnahme an Konferenzen und Versammlungen von Mitgliederverbänden, auf grossen und auch kleinen Turnierplätzen: Es ist wie ein grosses Puzzle, dessen Teile richtig zusammengefügt werden müssen, eine fordernde und faszinierende Aufgabe.»

Viel Wissen und grosse Erfahrung bringt Werner Rütimann als bekannter und erfolgreicher Sportpferdezüchter und Hengsthalter auch zu diesem Thema mit. «Im Leitbild des SVPS ist die Unterstützung der einheimischen Pferdezucht explizit festgehalten», betont er. «Da seit der Verkleinerung des SVPS-Vorstandes ja kein Delegierter der Pferdezucht mehr Einsitz nimmt, ist mein Beitrag zu diesem Spezialthema gewiss nicht von Nachteil, zumal sich beispielsweise die CH-Sportpferdezucht im europäischen Vergleich durchaus sehen lassen darf.»

Auch wenn es im SVPS-Vorstand um unternehmerische bzw. finanzielle und strategische Fragen geht, kann der ehemalige Finanzdirektor einer grossen, international tätigen Firma mit profunden Kenntnissen und viel Erfahrung seinen Beitrag leisten.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Werner Rütimann kann durchaus nachvollziehen, dass gewisse Entscheide bzw. Massnahmen des Dachverbandes an der Basis teilweise nicht immer auf Anhieb richtig verstanden werden. «Ich nehme dies sehr ernst und betrachte es als eine meiner Hauptaufgaben, wo immer möglich aufklärend zu wirken. Auch ich habe mich beispielsweise schon gefragt, ob der auf den ersten Blick möglicherweise überbordend erscheinenden Reglementiererei nicht Einhalt geboten werden könnte. Dabei bin ich allerdings zum Schluss gekommen, dass halt die rasche Entwicklung auf der ganzen Linie auch immer wieder Regelungen nötig macht. Sich nicht darin zu verlieren, ist wohl der einzig mögliche Weg.»

Auch wenn es um Kompetenzen geht, plädiert Werner Rütimann dafür, sorgfältig abzuwägen und die Zusammenhänge auszuleuchten. Er spricht da beispielsweise die aktuellen Diskussionen zwischen der Leitung des Dachverbandes und den Mitgliederverbänden an. «Gewisse Wünsche nach mehr Mitsprache bzw. Entscheidungsbefugnis sollten ganzheitlich betrachtet werden unter Berücksichtigung auch der Verhältnismässigkeit und Praktikabilität. Insbesondere aber sollten zur Verfügung stehende Möglichkeiten und Instrumente wie beispielsweise die Präsidentenkonferenz besser genutzt werden. Forderungen nach mehr Transparenz und besserer Kommunikation sollten nicht losgelöst von der Berücksichtigung der grossen diesbezüglichen Fortschritte der letzten Jahre gestellt werden.»

Die Arbeit geht nicht aus

«Mein Hauptziel für das Mitwirken im SVPS-Vorstand war und ist, meinen möglichen Beitrag zu leisten, den Pferdesport, die Pferdezucht und auch die Freizeitreiterei in positivem Sinne zu gestalten. Offene Baustellen gibt es und wird es auch immer geben. So wird beispielsweise darüber nachzudenken sein, wie auch der männliche Nachwuchs sichergestellt werden könnte. Dies in Anbetracht der Tatsache, dass die Verhältnisse heute bei den Lizenzen und bei den Brevets 12 zu 88 Prozent bzw. 15 zu 85 Prozent betragen. Im Spitzensport steht der an sich positiven Entwicklung betreffend die Anzahl an Möglichkeiten die scheinbar endlose Spirale in Sachen Schwierigkeit und damit Anforderung gegenüber. Diesbezüglich gilt es insbesondere, an die Reiter und Fahrer sowie an die Pferdebesitzer zu appellieren, Vernunft walten zu lassen, um eine Überforderung und damit gesundheitliche Beeinträchtigung der Pferde zu vermeiden. Auch das Bestreben, alle, die sich in irgendeiner Form mit Pferden beschäftigen, einer seriösen Ausbildung zuzuführen, wird wohl eine der Daueraufgaben sein.»

Es wird nicht einfacher

Werner Rütimann hält nichts von Schwarzmalerei. Dennoch sieht er in Anbetracht der Entwicklung grosse Herausforderungen auf die Rösseler-Gemeinschaft zukommen. «Es wird unabdingbar sein, noch näher zusammenzurücken, sich noch mehr anzustrengen, Solidarität noch stärker zu gewichten. Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingen kann, wenn wir uns immer vor Augen halten, wie viel Freude wir mit den Pferden schon erleben durften, und wenn wir dies auch ausstrahlen und an die kommenden Generationen weitergeben. Das ist mein grösster Wunsch für die Zukunft.»

Heinrich Schaufelberger

Werner Rütimann mit Gattin Madeleine und den vier Töchtern. Werner Rütimann mit Gattin Madeleine und den vier Töchtern.