Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Pferdezucht

Zucht und Sport: erfolgreiche Schweizer Araberrennpferde

14 Mai 2018 08:03

Galopprennen für Vollblutaraber sind in der Schweiz kaum bekannt. Die hiesigen Araber werden vor allem im Freizeit-, Endurance- und Showbereich eingesetzt. Doch die Araberrennpferde aus dem Trainingsquartier von Franziska und Urs Aeschbacher sind weit über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich.

Siege zaubern auch bei schlechtem Wetter ein Lachen in die Gesichter. Franziska und Urs Aeschbacher nach dem Sieg von Nil Ashal und Tim Bürgin im September in Avenches. Foto: turffotos.ch Siege zaubern auch bei schlechtem Wetter ein Lachen in die Gesichter. Franziska und Urs Aeschbacher nach dem Sieg von Nil Ashal und Tim Bürgin im September in Avenches. Foto: turffotos.ch

Im Galoppsport weltweit haben Araberpferderennen heute einen achtbaren Stellenwert und werden - vor allem im und aus dem arabischen Raum - auch mit grossen Geldsummen unterstützt. In der Schweiz finden nur zwei bis drei solcher Araberrennen jährlich statt, entsprechend klein ist ihre Anhängerschaft. Nur eine Schweizer Rennpferdetrainerin, Franziska Aeschbacher, trainiert aktuell Vollblutaraber. In ihrem Ausbildungs- und Trainingsstall im IENA in Avenches arbeiten Franziska und Urs Aeschbacher aber nicht nur mit Rennpferden, auch Pferde anderer Rassen werden seriös ausgebildet.

Wie Nile Arabians entstand

Rita und Toni Aeschbacher - die Eltern von Urs Aeschbacher - gründeten 1974 das Arabergestüt Nile Arabians mit dem Import der beiden ersten reinägyptischen Stuten in die Schweiz. Sie haben den Zuchtbetrieb in über 40 Jahren zu einem der führenden privaten Vollblutarabergestüte Europas ausgebaut. Unter Wahrung des traditionellen reinägyptischen Zuchtprogramms ermöglichten sie durch den Einsatz von erstklassigen Hengsten aus russischen, polnischen, französischen und tunesischen Blutlinien die vielen Erfolge von Nile-Arabians-Pferden im Schauring und im Sport. Seit dem Tod von Toni im Jahr 2001 führt Rita Aeschbacher das Gestüt alleine.

Ausbildung und Training

Ganz klar, dass Sohn Urs quasi in der Wiege mit dem Arabervirus infiziert wurde. Er erinnert sich: «Ich wuchs mit den Vollblutarabern auf, habe gelernt, sie zuzureiten, und wurde von meinen Eltern auch schon früh in die Zuchtentscheide miteinbezogen. Bis heute begeistert mich die Intelligenz und Menschbezogenheit dieser Rasse gepaart mit ihrer ausserordentlichen Leistungsbereitschaft.» Durch ihn wurde auch seine Frau Franziska von der Leidenschaft für arabische Pferde angesteckt. Im Trainingsquartier in Avenches ist sie die verantwortliche Trainerin der Rennpferde, diese stammen aber nicht nur aus dem eigenen Gestüt. «Die meisten Pferde, die wir ausbilden und trainieren, sind nicht aus unserer Zucht. Es sind für den Galoppsport neben arabischen Pferden auch Englische Vollblüter und im Allroundbereich vereinzelt Warmblutpferde. Für unser Gestüt Nile Arabians ist es aber natürlich wichtig, dass wir immer wieder Pferde aus eigener Zucht auf die Rennbahn bringen», erklärt Franziska Aeschbacher. So passiert es, dass am gleichen Tag irgendwo in Europa Franziska mit Rennpferden am Start ist, während Urs in einer anderen Ecke der Welt als international anerkannter Richter der ECAHO (European Conference of Arab Horse Organizations) im Schauring im Einsatz ist.

Grosse Erfolge

Bisher gewannen Pferde aus der Zucht von Nile Arabians oder solche, die von Aeschbachers trainiert wurden, weltweit über 100 Schau-Championate und Klassensiege, darunter Welt- und Europachampionate.

Im europäischen Rennsport erzielten sie mit Arabern und Englischen Vollblütern bisher rund 50 Siege bis Gruppe I. Darauf angesprochen, ob Araberrennpferde anders trainiert werden als «normale» Rennpferde, erklärt Franziska Aeschbacher: «Das Training unterscheidet sich nicht rassespezifisch. Bei beiden Rassen ist es wichtig, auf die Persönlichkeit jedes einzelnen Pferdes einzugehen und sie entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten zu fördern und einzusetzen.»

Wenige Starter trotz hohen Preisgeldern

Als in der Schweiz die Araberrennen aufkamen, hatten einige Trainer Araberpferde auf ihrer Trainingsliste, wenn auch nicht viele. Inzwischen sind Aeschbachers die einzigen, die Araber für Rennen vorbereiten. Doch wieso ist das Interesse an Araberrennen so gering? An den Preisgeldern kann es kaum liegen, die sind in Araberrennen im Inland und im angrenzenden Ausland oft höher als in vergleichbaren Rennen für Englische Vollblüter. «In der Vollblutaraberzucht existieren unterschiedliche Typen arabischer Pferde. In der Schweiz wurde in den letzten Jahrzehnten leider fast ausschliesslich auf Schönheit gezüchtet, ohne Bezug zu Leistung im Renn- oder Endurancesport», erklärt Urs Aeschbacher und erläutert weiter: «Als in der Schweiz die ersten Araberrennen durchgeführt wurden, dachten einige Schweizer Züchter und Besitzer, sie könnten nun ihre Schaupferde, die im Schauring nicht genügen, als Rennpferde einsetzen. Doch diese Pferde waren natürlich nicht konkurrenzfähig mit Pferden, die seit Generationen auf der Rennbahn selektioniert wurden.» Das Hauptproblem liegt also darin, dass die Schweizer Züchter- und Besitzergemeinde fast nur über Freizeit- und Schaupferde verfügt und sich schwer tut, auch auf arabische Sportpferde zu setzen.

Unermüdlicher Einsatz

Franziska und Urs Aeschbacher setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, in der Schweiz eine Basis für arabische Rennpferde zu schaffen. Wichtiger Bestandteil dabei ist, dass sie in den letzten 15 Jahren alle Sponsoren für Vollblutaraberrennen in der Schweiz akquiriert und mit Galopp Schweiz und den Rennvereinen - die Araberrennen organisiert haben - zusammengebracht haben. Für 2018 konnten sie wieder Preisgelder von rund 100 000 Franken, mehrheitlich aus den Arabischen Emiraten, akquirieren.

Urs Aeschbacher erzählt, dass sie interessierten Rennpferdebesitzern auch die
Möglichkeit böten, zu interessanten Konditionen Vollblutaraber-Rennpferde aus der Nile-Arabians-Zucht, unter der Stallfarbe Golden Arabians oder unter den eigenen Farben der Interessenten, laufen zu lassen, ohne die Pferde kaufen zu müssen. Interessenten können also die Pferde oder Anteile derer für eine Saison mieten und so tiefer in den Araberrennsport eintauchen. Bei Nichtgefallen können sie aber auch problemlos wieder aussteigen.

Spezielle Leistungsprüfung

In der Schweizer Zuchtgenossenschaft für Arabische Pferde (SZAP) wurde aufgrund der Initiative von Aeschbachers auch eine «Leistungsprüfung Rennen» eingeführt, und arabische Rennpferde mit besonderer Renn- und Zuchtleistung werden von der Genossenschaft als Elitepferde eingetragen. Dass dieser Entscheid richtig war, wird dadurch unterstrichen, dass die Aeschbacher Rennpferde - aktuell vor allem Nil Ashal und sein Halbbruder Nil Aziz - regelmässig international in die vordersten Ränge laufen. Und so dürfen Franziska und Urs Aeschbacher auch davon träumen, mit einem ihrer erfolgreichen Schützlinge einmal den ganz grossen Coup zu landen. Sie sagen dazu: «Unser Traum ist es, einmal ein Rennpferd aus unserer Zucht an einem der weltweit wichtigsten Araberrennen wie beispielsweise in Paris anlässlich des Prix-de‑ l’Arc-de-Triomphe-Meetings oder im Rahmen des Dubai World Cup laufen zu lassen. Vorletztes Jahr ging dieser Traum fast in Erfüllung, als wir aus Abu Dhabi für unseren Hengst Nil Ashal eine Einladung für die Teilnahme am «Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan Cup Crown Jewel-IPIC»-Rennen erhielten. Diese Gruppe-I-Prüfung ist mit einer Dotation von 1,2 Millionen Euro das höchstdotierte Araberrennen der Welt. Leider mussten wir dann die Teilnahme kurzfristig absagen, da Nil Ashal im November nach der europäischen Rennsaison und dem eingetretenen Fellwechsel nicht mehr hundertprozentig in Form war. Aber wir träumen weiter...»

Ziele

Das Jahr 2018 hat für die Rennpferde aus dem Trainingsquartier Aeschbacher gut begonnen. Im internationalen Araberrennen in St. Moritz erreichten die drei Starter Nil Aziz, Nil Ashal und Nil Alamoon die Plätze drei bis fünf, und im italienischen Pisa resultierten für Nil Ashal und seinen Halbbruder Nil Aziz die Plätze zwei und drei. Auf die Frage, welches in diesem Jahr die Hauptziele ihrer Pferde sind, antworten Franziska und Urs Aeschbacher: «Wir hoffen, dass Nil Ashal und Nil Aziz an ihre guten Leistungen der Vorjahre anknüpfen. Ausserdem haben wir viel Hoffnung in den vierjährigen Vollblutaraber Nil Admiral, der dieses Jahr debütieren soll, ebenso wie die drei zweijährigen Vollblutstuten Managua von Shamalgan, Pastisse von Papal Bull und Ratina von Rail Link.»

Barbara Würmli

Araberrennpferde im stiebenden Schnee gibt es nur in 
der Schweiz. Entsprechend besuchen auch gerne Interessenvertreter aus den Arabischen Emiraten das alljährliche Araberrennen im Rahmen des White Turf St. Moritz. Foto: turffotos.ch Araberrennpferde im stiebenden Schnee gibt es nur in 
der Schweiz. Entsprechend besuchen auch gerne Interessenvertreter aus den Arabischen Emiraten das alljährliche Araberrennen im Rahmen des White Turf St. Moritz. Foto: turffotos.ch

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