Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Fahrerarena vom 28. November 2015 in Bern: Von Jugendcup, Beifahrerpflicht und Ethik im Pferdesport

14 Dezember 2015 10:53

Rund 100 Fahrsportinteressierte trafen sich in Bern zur Fahrerarena. Neben einem sportlichen Rück- und Ausblick wurde unter anderem über Reglementsänderungen, Jugendcup und Dressurprogramme gesprochen. Am Nachmittag stand das viel diskutierte Thema Rollkur auf der Traktandenliste.

Pius Hollenstein, der Disziplinleiter der Fahrer, begrüsste die Teilnehmer, die den zum Teil prekären Strassenverhältnissen getrotzt hatten, im Auditorium der Kaserne Bern. Er zeigte auf, dass auch 2015 ein intensives Jahr für die Disziplin war. Zugenommen gegenüber 2014 haben die Starts an Turnieren und die Anzahl ausgeschriebener Prüfungen, zurückgegangen ist die Zahl der bestandenen Brevets.

Jugendcup: Herausforderung für junge Fahrer
Eine wichtige Neuerung für 2016 ist die Einführung eines Jugendcups. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete die Grundlagen. Nachdem 2015 bereits das Jugendfahrerbrevet eingeführt wurde, werden nun mit diesem Cup attraktive Startmöglichkeiten für die Jugendlichen geschaffen. Den Abschluss soll ein Final im Rahmen der Schweizer Meisterschaft bilden, für den sich diejenigen qualifizieren, die zwei Prüfungen absolviert haben.

Das Leitungsteam Fahren hofft, dass in allen Regionen Qualifikationsprüfungen ausgeschrieben werden. Gefahren wird ein Hindernisparcours und der Sieger ist derjenige, der ohne Fehler am nächsten an eine festgelegte Idealzeit herankommt. Dieser Cup ist ein wichtiger Pfeiler der Nachwuchsförderung und darum unterstützt das Leitungsteam die Veranstalter solcher Prüfungen finanziell. Pius Hollenstein machte die Veranstalter auch darauf aufmerksam, dass ein anerkannter Turniertierarzt ab 2016 obligatorisch ist.

Austragunsgorte für Schweizer Meisterschaften bestimmt
Es freute den Disziplinleiter auch, dass die Plätze für die Schweizer Meisterschaften 2016 und 2017 schon feststehen. Bern wird sie nächstes Jahr Ende September durchführen und ein Jahr später werden die Fahrer im Zürcher Weinland zu Gast sein. Bereits jetzt hat die Suche nach einem Veranstalter für die Jahre danach begonnen.

Einige Neuerungen gibt es auch für die Qualifikation zu den nationalen Meisterschaften. Fahrer mit Pferden müssen zwingend zwei Vollprüfungen absolvieren. Dazu kommen drei Kurzprüfungen, wobei eine davon eine reduzierte Vollprüfung sein kann. Für Ponys werden keine reduzierten Vollprüfungen angerechnet. Damit soll verhindert werden, dass Fahrer an der Schweizer Meisterschaft an den Start gehen, die keine Erfahrung mit Vollprüfungen haben.

Beifahrerpflicht in allen Stufen und Prüfungen
Daniel Wüthrich, der im Oktober als Nachfolger von Peter Koradi zum Chef Technik gewählt wurde, stellte die wichtigsten Reglementsänderungen vor. Ab 2016 ist ein Beifahrer in allen Stufen bei allen Prüfungen obligatorisch. Bei Fahrern unter 18 Jahren muss der Beifahrer über 18 Jahre sein und bei Fahrern über 18 Jahren ist das Mindestalter für den Beifahrer 14 Jahre (Vierspänner 16). Damit soll die Sicherheit verbessert werden.

Die Anzahl erlaubter Starts wurde dem Generalreglement angepasst und auch sonst gab es einige kleine Änderungen. Es lohnt sich, in der kommenden turnierfreien Zeit einen Blick in die Reglemente zu werfen – nicht nur in das Fahrreglement, sondern auch in das Generalreglement. Alle Reglemente sind hier aufgeschaltet: www.fnch.ch unter Disziplinen > Fahren > Reglemente.

Starke Schweizer im internationalen Sport
Chef Sport Beat Schenk blickte nochmals kurz auf die vergangene Saison zurück. Dass die Schweizer Fahrer auch international mithalten können, zeigen die Resultate in den internationalen Jahreswertungen, den Top Driver Awards. Bei den Pony-Einspännern belegte Cédric Scherrer einen hervorragenden vierten Platz und bei den Pony-Zweispännern erreichte Christof König den 13. Rang. Die Plätze 11 und 12 gab es bei den Einspännern für Eric Renaud und Michaël Barbey.

Dank dem 13. Platz bei den Vierspännern qualifizierte sich Jérôme Voutaz für den Weltcup. Bei seinem ersten Einsatz in Madrid belegte er den dritten Platz. Der Fokus liegt bereits auf der nächsten Saison, denn für die Ein- und Vierspänner stehen die Weltmeisterschaften an.

Auch über die wichtigsten Änderungen im FEI-Reglement informierte Beat Schenk. Zu beachten ist, dass das Nichttragen des Rückenprotektors in allen Phasen des Marathons nicht nur zur Disqualifikation führt, sondern in Zukunft auch eine gelbe Karte bedeutet.

Bereits im Vorfeld der Fahrerarena gab die Festsetzung der Dressurprogramme zu reden. Nach kurzer Diskussion wurde entschieden, dass die Neueinsteiger im L zwei Jahre das Programm 3 fahren dürfen. Dies, um ihnen den Einstieg zu erleichtern und sie langsam an höhere Aufgaben heranzuführen.

Es gab auch noch eine kurze Information vom OK des CAI2*, der 2016 Anfang Juni in Signy am Genfersee ausgetragen wird. Zum ersten Mal seit 2008 wird in der Schweiz wieder einmal eine internationale Vollprüfung ausgeschrieben. Das OK und das Leitungsteam hoffen, dass möglichst viele Schweizer die Gelegenheit nutzen, um sich international zu qualifizieren. Erlaubt ist der Start auch mit dem nationalen Pferdepass, ohne FEI Recognition Card. Nach diesem informationsreichen Morgen fehlte es nicht an Gesprächsthemen für Apéro und Mittagessen.

Ethik im Pferdesport
Am Nachmittag referierte Dr. med. vet. Stéphane Montavon über Ethik im Pferdesport und speziell zum Thema Rollkur. Er gestaltete den Vortrag sehr abwechslungsreich und bezog die Anwesenden ein, so dass es zu einem regen Austausch kam. Schade war nur, dass einige Teilnehmer vom Morgen am Nachmittag bei diesem Thema nicht mehr anwesend sein konnten. Schliesslich ist es doch so, dass das Wohlbefinden des Pferdes über allem stehen muss.

Claudia A. Spitz