Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Pferdewissenschaften

Equiday Nationalgestüt Avenches: Pensionspferdehaltung soll innovativ und kostenbewusst sein

16 November 2015 10:28

Wie halte ich meine Pferde am besten? Einzelboxe? Laufstall? Wie füttere ich sie in der Gruppe? Und wie kann ich mein Pferd den ganzen Tag unterhalten, damit ihm nicht langweilig wird? Fragen über Fragen. An der ersten Praxistagung im Nationalgestüt in Avenches zum Thema Pferdehaltung haben rund 200 Pferdeleute Antworten finden können.

Landwirtschaftliche Pferdehalterinnen und Pferdehalter, Beratungskräfte und Pferdefachleute kamen zum ersten Equiday am 30. Oktober 2015 im Schweizerischen Nationalgestüt von Agroscope in Avenches zusammen. An dieser interaktiven Tagung wurden die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sechs Gruppen aufgeteilt. Über den ganzen Tag verteilt haben Spezialisten an sechs Posten das Neuste aus ihrem Bereich vorgestellt. In den jeweils 45 Minuten blieb auch immer noch Zeit, um Erfahrungen auszutauschen, zu netzwerken oder einfach auch mal kurz das wunderbare Herbstwetter zu geniessen. 

Schwerpunkt Pferdehaltung
Die heutigen Pferdebesitzer suchen für ihren Vierbeiner aufgrund ihrer knapp bemessenen Zeit Stallsysteme, die dem Pferd ein möglichst naturnahes Verhalten ermöglichen. So können optimierte Boxenwände den Austausch mit dem Stallnachbarn fördern und so die Langeweile in der Box bekämpfen.

In Laufstallsystemen verteilen ausgeklügelte Raufutterautomaten die Fress­zeiten auf den Tag, ermöglichen mehr Beschäftigung mit der Futteraufnahme und ein gleichzeitiges Fressen für alle, auch für rangniedrige Pferde. Erkenntnisse aus der Forschung konnten anschliessend in einer Stallbauausstellung reflektiert und mit den aktuell auf dem Markt erhältlichen Produkten verglichen werden.

Geballte Information
Der Postenrundgang auf dem Gelände des Schweizer Nationalgestüts von Agroscope beinhaltete sämtliche zentralen Themen der Pferdehaltung. Diverse Haltungs- und Fütterungssysteme konnten begutachtet und diskutiert werden. Das Nationalgestüt führt seit Jahren diverse Studien durch und gibt seine Erfahrungen und Ergebnisse gerne weiter, dies auch an seiner Beratungsstelle Pferd. Weitere Informationen finden Sie unter: www.agroscope.ch/haras > Beratung und Dokumente > Beratung und Expertisen.

Beim Posten Wirtschaftlichkeit ging es um die Arbeitswirtschaft einer Pensionspferdehaltung, also darum, ob die Pensionspferdehaltung rentabel ist. In einer einfach verständlichen Take-Home-Message stachen folgende Faktoren für eine wirtschaftlich erfolgreiche Pensionspferdehaltung heraus: 
• Die Kundin (hier bewusst die weibliche Form) ist König und steht im Zentrum.
• Ein überdurchschnittliches Mass an Sozial- und Fachkompetenz ist notwendig.
• Den Kundinnen soll ein auf ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot präsentiert werden.
• Das Wachstum des Betriebs sollte der Nachfrage entsprechen.
• Der Pensionspferdehalter muss die Kosten im Griff haben und fortlaufend hinterfragen.
• Die Ausnützungsziffer soll möglichst hoch sein (keine leeren Boxen).

Für viel Diskussionsstoff sorgte die neu erschienene Wegleitung zur Revision der Raumplanungsverordnung. Dank des verständlichen Vortrags der Spezialistin Iris Bachmann konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieses komplizierte Thema etwas Klarheit bringen. 

Raufutter und Bewegung
Bei einem nächsten Posten zeigte der Futterkonservierungsexperte Ueli Wyss von Agroscope, wie Raufutter pferdegerecht konserviert wird. Auch demonstrierte er dem Publikum an Proben, wie sie die Raufutterqualität selber nach einfachen Kriterien beurteilen können. Interessant war auch die Möglichkeit, Heu zu dämpfen mittels des «Haygain». Hier warnte der Experte, dass man unbedingt auch dafür qualitativ gutes Futter nehmen sollte: «Der Haygain kann aus verschimmeltem Heu kein qualitativ gutes machen.»

Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Haltung ist die Bewegung des Pferdes ausserhalb seiner Nutzung zum Reiten, Fahren oder auch Bodenarbeit. Diesen Posten betreuten die Veterinäre der Klinik Institut Suisse de Médecine Equine ISME in Avenches. Den Equiday-Besuchern wurden die verschiedenen Möglichkeiten von Paddock und Weide über Führanlage sowie Laufband und Wasserlaufband direkt mit den Pferden demonstriert. Die Tierärztinnen wiesen auf die verschiedenen Vor- und Nachteile von jedem System hin und erläuterten auch bereits gewonnene wichtige Erkenntnisse aus ihren neusten Studien und Erfahrungen.

Innovativ und kostenbewusst
Wegen steigender Nachfrage ist der Trend hin zu pferdegerechteren Haltungssystemen wie Boxen mit Auslauf oder Gruppenlaufställen ungebrochen. Wer auf dem in Zukunft noch härter umkämpften Markt für Pensionspferdehaltung bestehen will, muss innovativ und kostenbewusst planen und handeln sowie die nachgefragten Dienstleistungen in hoher Qualität anbieten.

Nicole Basieux/pd

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