Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Ausbildung

Solide Ausbildung dank Sportschulen - auch für den Pferdesportnachwuchs

09 November 2020 09:00

«An erster Stelle kommen die Schule und die Ausbildung und dann erst der Sport!» - Welcher jugendliche Sportfreak mit Ambitionen hat diesen Satz noch nicht zu hören bekommen? Wohl kaum einer. Der Stellenwert von Sport ist in der Schweizer Gesellschaft nicht sehr hoch. Dabei gibt es heute unzählige Möglichkeiten und für jeden die optimale Lösung, seine Ausbildung sowie die Berufsmöglichkeiten für die Zeit nach einer eventuellen sportlichen Karriere bereits frühzeitig aufzugleisen.

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Die Dressurreiterin Meilin Ngovan (Schweizermeisterin Junioren und Junge Reiter) und die beiden Concours-Complet-Talente Robin Godel (Vize-Schweizermeister Elite) und Nadja Minder (Schweizermeisterin Junge Reiter) sind jung. Es sind junge Sporttalente, die wissen, was sie wollen, und die für ihren sportlichen Erfolg richtig viel Zeit und Energie investieren. Sie, wie auch ihr Umfeld, nehmen viel auf sich, denn eine Sportkarriere ist in der Schweiz mit einigen wenigen Ausnahmen kaum geeignet, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen - ausser man ist Roger Federer oder Didier Cuche. Und auch diese beiden standen einmal am Anfang ihrer Karriere, haben eine Ausbildung absolviert und sich dann sportlich wie auch beruflich etablieren können.

 

Schulen für Sporttalente

Die Vereinbarkeit von Leistungssport und Schulausbildung ist anspruchsvoll. Swiss Olympic engagiert sich im Rahmen einer optimalen Förderung der Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportler auch für eine zielgerichtete und nachhaltige Entwicklung abgestimmter Schulangebote in der Schweiz. Die flexiblen und bedürfnisgerechten Bildungsangebote sollen es den jungen Athleten ermöglichen, sich schon während ihrer sportlichen Laufbahn auf einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben vorzubereiten - eine Herausforderung, die ein gutes Zusammenspiel des gesamten Umfelds erfordert.

Für Institutionen mit offiziell anerkannten Schul- und Ausbildungsabschlüssen sowie spezifisch strukturierten Angeboten für Sporttalente vergibt Swiss Olympic zwei unterschiedliche Qualitätslabels: «Swiss Olympic Sport School» und «Swiss Olympic Partner School».

Jost Hammer von Swiss Olympic erklärt: «Es gibt viele schulische Ausbildungsmöglichkeiten für Nachwuchstalente, sei es im Sport oder auch in Kunst und Musik. Wichtig ist die frühzeitige, umsichtige Planung, denn die Ausbildungsplätze sind limitiert und an Aufnahmebedingungen geknüpft.» Nebst den Angeboten an öffentlichen Schulen sind einige der Ausbildungsstätten jedoch Privatschulen mit entsprechend hohen Schulgeldern, die sich nicht jeder leisten kann und auch nicht in jedem Fall von Gemeinde oder Kanton übernommen werden. Dasselbe gilt auch für ausserkantonale Schulbesuche.

 

Selektion im Pferdesport

Nun ist es auch im Pferdesport so, dass Nachwuchstalente gesichtet und in die regionalen oder nationalen Kader aufgenommen werden: «Jedes Jahr im Frühling publizieren wir die Mindestanforderungen pro Disziplin und Stufe für die Selektionen», erklärt Markus Niklaus, Verantwortlicher Nachwuchsförderung des Schweizerischen Verbands für Pferdesport. «Erfüllen die interessierten Athletinnen und Athleten diese Mindestanforderungen, dürfen sie an der Selektion teilnehmen. Schneiden sie dort entsprechend ab, werden sie selektioniert und in ein Kader aufgenommen.» Erst als selektioniertes Kadermitglied erhalten sie dann die nationale oder die regionale Swiss Olympic Talent Card. Je nach Kanton wird mit dieser ein Teil oder sogar das gesamte Schulgeld übernommen. Die Talent Card ist jeweils ein Jahr lang gültig, dann muss sich die Nachwuchsathletin bzw. der Nachwuchsathlet erneut der Sichtung stellen, um die Kadermitgliedschaft und somit das Anrecht auf die Talent Card zu bestätigen. Verliert man die Kaderzugehörigkeit, entfällt in den meisten Fällen auch die Unterstützung durch den Kanton. Dazu Jost Hammer von Swiss Olympic: «Es lohnt sich, sich frühzeitig bei den kantonalen Beauftragten für Nachwuchsförderung sowie dem Sportverband zu erkundigen.» Dank den Sportschulen lassen sich Leistungssport und Berufs- bzw. Schulbildung optimal vereinbaren, was auf dem regulären Bildungsweg oftmals nur mit grossem Mehraufwand aufgrund der vielen Schuldispensationen möglich ist.

Doch für einige der Leistungssportlerinnen und -sportler kommt weniger eine weiterführende Schule in Frage dafür umso mehr eine Berufslehre.

 

Berufslehre und Leistungssport

Kein Nachwuchstalent sollte sich entweder für eine Berufslehre oder den Leistungssport entscheiden müssen. Denn zu einer ganzheitlichen Förderung von jungen Leistungssportlern gehört auch, ihnen parallel zum Training und zu den Wettkämpfen eine koordinierte berufliche Ausbildung zu ermöglichen.

Natürlich ist so eine Berufslehre nicht für alle Berufe und alle Sportarten gleich kompatibel. Je nach Sportart sind die Nachwuchstalente doch stark eingeschränkt. «Wenn zum Beispiel ein Triathlet eine Lehre als Landschaftsgärtner machen möchte, ist dies eher suboptimal, da beides zusammen körperlich zu anspruchsvoll wäre», erläutert Jost Hammer von Swiss Olympic. «Ähnliches gilt für bestimmte Vollzeitstudiengänge, zum Beispiel Medizin.» Jedoch sei das auch immer sehr individuell - je nach verfübaren persönlichen Ressourcen. Auch die Dauer der Ausbildung ist sehr individuell: Studiengänge und allgemein Ausbildungen an Hochschulen sind sehr flexibel, und sogar eine Lehre kann in der Regel um ein Jahr verlängert werden.

Dank diesen Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Schweiz haben auch Meilin Ngovan, Nadja Minder und Robin Godel sich beruflich ausbilden und gleichzeitig sportlich weiterentwickeln können.

Nicole Basieux

«Fuss fassen im Spitzensport»
Meilin Ngovan (17), Schweizermeisterin Junioren und Junge Reiter Dressur

Welche Schule besuchst du, und was willst du mal werden?
Ich besuche die Feusi in Bern und absolviere dort die Sporthandelsschule. Die gesamte Lehre dauert vier Jahre, und ich bin momentan im dritten. Mein Ziel ist es, nach der Lehre professionell im Dressurspitzensport Fuss zu fassen.

Warum hast du dich gerade für diese Ausbildung und diese Schule entschieden?
Diese Ausbildung ist ideal für Jugendliche, die einen EFZ-Abschluss möchten, aber trotzdem gleichzeitig Spitzensport betreiben möchten.

Wie sieht dein Alltag aus?
Ich arbeite zurzeit in meinem Praktikumsbetrieb, dem Schweizerischen Verband für Pferdesport. Daneben bin ich hauptsächlich im Stall und trainiere meine Pferde.

Was würdest du anderen mit auf den Weg geben?
Ich würde jedem eine Sportschule empfehlen, der Leistungssport mit einer normalen Lehre kombinieren möchte.

Meilin Ngovan mit Dream of Night Fluswiss CH an der Schweizermeisterschaft 2020 | © Serge Petrillo Meilin Ngovan mit Dream of Night Fluswiss CH an der Schweizermeisterschaft 2020 | © Serge Petrillo

«Mein Traum sind die Olympischen Spiele»
Nadja Minder (20), Schweizermeisterin Junge Reiter Concours Complet

Welche Ausbildung hast du absolviert?
Ich habe die 3. Sekundarklasse an der Kunst- und Sportschule in Uster (ZH) besucht. Danach habe ich das Sport-KV an der United school of sports in Zürich absolviert.

Warum gerade diese Ausbildung und diese Schulen?
Für die Sportschule in Uster habe ich mich entscheiden, weil es mir sehr viel vereinfacht hat und ich mit Gleichgesinnten zusammen lernen konnte. Dann kam die Frage auf: Was für eine Ausbildung kann ich machen, bei der ich den Sport auf hohem Niveau weitermachen und mich auch weiterentwickeln kann? Das KV ist eine gute Grundausbildung, und als ich dann auf der United school of sports aufgenommen worden bin, war die Wahl klar.

Wie konnten du und dein Umfeld das finanziell stemmen?
Da ich immer Mitglied des nationalen Kaders war, hatte ich eine Swiss Olympic Talent Card, und der Kanton hat somit das Schulgeld übernommen.

Was sind deine sportlichen und beruflichen Zukunftspläne?
Mein Traum sind die Olympischen Spiele! Gerne würde ich den Reitsport auf höchstem Niveau betreiben und könnte mir gut vorstellen, vielleicht einmal den elterlichen Pferdebetrieb zu übernehmen.

Hast du einen Tipp für die Berufswahl eines jungen talentierten Pferdesportlers?
Eine Sportschule oder beispielsweise ein Sport-KV ist wirklich viel wert. Da muss man keinem erklären, wieso man nun Training hat oder für einen Wettkampf eine Woche fehlt. Ich konnte ohne Probleme auch einmal etwas nachholen, wenn ich es verpasst hatte. Und man ist unter Gleichgesinnten, das heisst, jeder macht sein Ding, also seinen Sport, und alle interessieren sich auch für die anderen. Das verbindet und motiviert.

Nadja Minder mit Aquila B CH im B3 anlässlich des CC Bern Anfang Oktober 2020 | © Serge Petrillo Nadja Minder mit Aquila B CH im B3 anlässlich des CC Bern Anfang Oktober 2020 | © Serge Petrillo

«Ich möchte mich an der Welt-spitze etablieren»
Robin Godel (22), Vize-Schweizermeister Elite Concours Complet und qualifiziert für die Olympischen Spiele von Tokio 2021

Welche Ausbildung hast du gemacht?
Ich habe diesen Sommer eine reguläre Handelsschule mit einem Diplom beendet. Sie dauerte drei Jahre, und davon musste ich ein Jahr ein Praktikum in einem Betrieb machen. Bis Ende September durfte ich dazu auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Verbands für Pferdesport arbeiten und berufliche Erfahrungen sammeln. Nun besuche ich die Elitesportler-Rekrutenschule in Magglingen (BE) bis im März 2021, und danach möchte ich mich im Pferdesport selbstständig machen.

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?
Für mich war klar, dass ich eher eine weiterführende Schule besuchen möchte, da das mit dem Pferdesport für mich einfacher zu organisieren war. Auch konnte ich jeweils ohne Probleme freinehmen, um zu Turnieren zu fahren. Mit der Ausbildung habe ich ein Papier in der Hand und könnte sogar eventuell neben dem Pferdesport einem Teilzeitjob nachgehen.

Wie sah so ein normaler Schul- oder Arbeitstag bei dir aus?
Ich hatte zum Beispiel Unterricht von 8 Uhr bis 15 oder 16 Uhr, und danach war ich im Stall und habe meine Pferde trainiert. Oder wenn ich erst später Unterricht hatte, dann bin ich morgens früh aufgestanden und hab das Training vor der Schule absolviert.

Wie wichtig war und ist dein Umfeld, um deine Ziele zu erreichen?
Mein Umfeld ist sehr wichtig, allen voran die Hilfe und Unterstützung meiner Mutter. Sie und ich kümmern uns um alle Pferde, misten die Boxen und trainieren. Obwohl sie eine 100%-Stelle hat, unterstützt sie mich, wo sie kann.

Robin Godel mit Jet Set an der Masterclass Swiss Eventing in Avenches 2020 | © SVPS/Regula Bodenmann Robin Godel mit Jet Set an der Masterclass Swiss Eventing in Avenches 2020 | © SVPS/Regula Bodenmann

Weitere Informationen anhand der Disziplin Springen

Eine Swiss Olympic Talent Card erhalten die jungen Pferdesportlerinnen und -sportler, die in ein regionales (Talent Card Regional) oder nationales (Talent Card National) Kader aufgenommen werden. Erfüllen die Athleten die Mindestanforderungen, die jeweils im Frühjahr publiziert werden, können sie sich für die Sichtung anmelden. Anlässlich der Selektion nach «PISTE» (Prognostische integrative systematische Trainereinschätzung) werden die besten Nachwuchssportler und -sportlerinnen in die verschiedenen Kader aufgenommen.

www.fnch.ch > Disziplinen > Springen > Nachwuchsförderung > Kaderselektion

«eduwo» - Plattform für den Erfahrungsaustausch

Swiss Olympic nutzt mit «eduwo» eine digitale Plattform für den Erfahrungsaustausch zu Ausbildung, Studium, Weiterbildung und Karriere, um den Athletinnen und Athleten die Bildungs- und Karrieremöglichkeiten in der Schweiz aufzuzeigen. Sämtliche «Swiss Olympic Sport Schools» und «Swiss Olympic Partner Schools» sind auf dem Profil von Swiss Olympic aufgeführt und können nach Kanton und Schulstufe (Sek I/II) gefiltert werden. Jede Schule besitzt ein eigenes Profil, das Informationen zu Schulstufe, Klassenmodell, Angebot, Kosten und Aufnahmekriterien enthält. Zudem sind weitere Dienstleistungsangebote und Kontakte auf dem Swiss-Olympic-Profil zu finden.

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