Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Concours Complet
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Dossier: Ausbildung

Drei, zwei, eins: die Concours-Complet-Saison ist gestartet!

25 März 2022 17:00

Die Schweizer Concours-Complet-Reiterinnen und -Reiter haben sich über den Winter gezielt auf die Saison 2022 vorbereitet. Dank intensiven spartenspezifischen Trainings mit spezialisierten Coaches und einer Turniersimulation mit einem österreichischen FEI-Richter weiss die Disziplin, wo sie zu Saisonbeginn steht: in einer hervorragenden Ausgangsposition!

In den letzten Jahren erlebte der Concours Complet in der Schweiz einen regelrechten Boom – eine Entwicklung, die insbesondere den grossartigen Erfolgen der Kaderreiterinnen und ­reiter zu verdanken ist, die keinen Aufwand scheuen, um ihren Sport auf internationalem Spitzenniveau betreiben zu können. Aber auch das riesige Engagement des Leitungsteams und der Fachverantwortlichen der Disziplin beim SVPS sowie die grosszügige Unterstützung von Pferdebesitzern, Gönnern und Sponsoren waren unverzichtbare Sprossen, um das Sprungbrett in die Weltklasse zu erreichen. Für 2022 hat sich die Disziplin hohe sportliche Ziele gesteckt und sich über Winter unter hervorragenden Bedingungen auf den Saisonstart vorbereitet.

Elitekaderreiter Robin Godel bespricht seine Dressuraufgabe mit Christian Steiner. | © SVPS/C. Heimgartner Elitekaderreiter Robin Godel bespricht seine Dressuraufgabe mit Christian Steiner. | © SVPS/C. Heimgartner

Aufstieg bei Swiss Olympic

Dank den erfreulichen Erfolgen an den Olympischen Spielen von Tokio und an der Europameisterschaft in Avenches in der vergangenen Saison wurde die Disziplin Concours Complet bei Swiss Olympic neu beurteilt. Diese Einstufung entscheidet über die Höhe des Unterstützungsbeitrags, welche die Sportarten vom Dachverband des Schweizer Sports zugesprochen bekommen. Neben den erzielten Resultaten fliessen auch das mittelfristige Potenzial, die Umsetzung des Förderkonzepts der Sportart und ihre nationale Bedeutung in die Bewertung mit ein. Der Concours Complet befindet sich neu in der Einstufung 3. Im Vergleich dazu liegt Springen in der Einstufung 1, Dressur, Fahren und Voltigieren in der Einstufung 4 und Endurance und Reining in der Einstufung 5.

Diese neuen zusätzlichen Mittel wurden nun im Concours Complet unter anderem in eine intensive winterliche Saisonvorbereitung gesteckt – und davon profitierten nicht nur Mitglieder des Elitekaders! An den wöchentlichen Spring- und Dressurtrainings und den Masterclass-Crosstrainings in der ganzen Schweiz, von Avenches (VD) über Chalet-à-Gobet (VD) bis Dielsdorf (ZH) und Obergerlafingen (SO), konnten die Reiterinnen und Reiter aller nationalen Kader und aller Altersgruppen individuell mit den Spartencoaches arbeiten.

Robin Godel und Big Diamond bei der Vorbereitung auf das Aufgabenreiten mit Christian Steiner. | © SVPS/C. Heimgartner Robin Godel und Big Diamond bei der Vorbereitung auf das Aufgabenreiten mit Christian Steiner. | © SVPS/C. Heimgartner

Top-Coaches in allen Teildisziplinen

Was den Concours Complet zur Königsdisziplin des Pferdesports macht, ist die Vielfalt der Disziplinen: Dressur, Cross und Springen – sie alle erfordern intensives und gezieltes Training, wenn man an der Weltspitze mithalten will.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, vertraut der Schweizer Concours-Complet-Sport schon seit mehreren Jahren auf die wertvolle Unterstützung durch zwei renommierte und international erfolgreiche Experten ihres Fachs: die britisch-schweizerische Springreitlegende Lesley McNaught und den neuseeländischen Crosscrack Andrew Nicholson. Diese Zusammenarbeit wird von allen Seiten sehr geschätzt und gibt den Reiterinnen und Reitern wertvolle Inputs, die sie dann im Heimtraining weiter vertiefen können.

Die Dressur war bisher an vielen wichtigen Turnieren die Achillesferse der Schweizer Concours-Complet-Reiterinnen und -Reiter, die in dieser ersten Teildisziplin oftmals viele wichtige Punkte vergaben. Deshalb war das Dressurtraining dieses Jahr in der Saisonvorbereitung ein ganz zentraler Schwerpunkt. Als Dressurcoach steht den CC-Kadern neu Gilles Ngovan zur Seite, ein äusserst erfahrener Schweizer Dressurreiter, -trainer und ­ausbilder, der selbst Mitglied des Schweizer Elite-Dressurkaders ist. Auch er ist hoch motiviert und optimistisch, dass er die Schweizer CC-Reiterinnen und -Reiter weiterbringen kann (siehe Interview im Kasten).

Der österreichische FEI-Richter Christian Steiner beurteilt die Schweizer CC-Reiter:innen. | SVPS/C. Heimgartner Der österreichische FEI-Richter Christian Steiner beurteilt die Schweizer CC-Reiter:innen. | SVPS/C. Heimgartner

«Man muss den Richtern gefallen»

Zum Abschluss des Wintertrainings organisierte die Equipenleitung der Disziplin Ende Februar für die CC-Kadermitglieder ein Dressur-Aufgabenreiten unter Prüfungsbedingungen. Um eine neutrale, fachmännische Einschätzung des aktuellen Leistungsstandes zu erhalten, wurde der österreichische FEI-Richter und ehemalige Dressur-, Spring- und CC-Reiter bis zur schweren Klasse, Christian Steiner, ins zürcherische Dielsdorf eingeladen. Er sollte die Ritte unter Prüfungsbedingungen benoten und kommentieren – ganz aus der Perspektive des Richters. Denn, so der Richter, der an der letztjährigen EM in Avenches im Einsatz war und es auch an der diesjährigen WM in Pratoni del Vivaro sein wird: «Als Reiter muss man den Richtern gefallen. Ich kann als Richter nur benoten, was ich auf dem Viereck sehe. Da braucht es auch ein bisschen Strategie und intelligentes Reiten. Man verschenkt schnell wertvolle Punkte, ohne es zu merken, wenn man die Sichtweise des Richters nicht kennt. Das möchte ich dem Schweizer Vielseitigkeitsteam hier vermitteln. Ich sage nicht, wie man etwas verbessern soll – das ist die Aufgabe des Trainers – sondern dass es verbessert werden muss. Die Bedeutung der Dressur wird in der Vielseitigkeit oft unterschätzt. Tatsache ist, wenn man in der Dressur nicht vorne mit dabei ist, hat man keine Chance auf eine Spitzenplatzierung im Gesamtwettbewerb.»

Dass die Schweizer CC-Kader mit spezialisierten Coaches aller Teildisziplinen trainieren dürfen, sieht Christian Steiner als aussergewöhnlichen Glücksfall. Den Schweizer Reiterinnen und Reitern stellt er denn auch global ein gutes Zeugnis aus und gibt ihnen noch einen kleinen Geheimtipp mit auf den Weg: «Natürlich gibt es in der Dressurprüfung Punkte, wenn das Pferd gangstark ist. Aber für das Gelände brauchen wir ausdauernde, blutgeprägte Pferde. Die haben meist eher ökonomische Gänge. Mit genauem, harmonischem Reiten und guter Durchlässigkeit kann man auch mit einem durchschnittlichen Pferd in der Dressur ganz vorne mit dabei sein!»

Christian Steiner (links) im Gespräch mit dem Kaderverantwortlichen Dominik Burger. | © SVPS/C. Heimgartner Christian Steiner (links) im Gespräch mit dem Kaderverantwortlichen Dominik Burger. | © SVPS/C. Heimgartner

Ein starkes Team

Auch der Initiator und Verantwortliche für das Elite- und das Perspektivkader, Dominik Burger, zieht aus diesem Austausch zwischen Richter, Spartentrainer und den Reiterinnen und Reitern eine positive Bilanz: «Christian Steiner ist ein ausgewiesener Experte seines Fachs und versteht es hervorragend, den Reiterinnen und Reitern ihre Stärken und Schwächen auf motivierende Art und Weise aufzuzeigen. Zudem decken sich seine Schwerpunkte mit der Philosophie unseres Dressurtrainers Gilles Ngovan und der anderen Coaches. Eine bessere Voraussetzung für eine nachhaltige Leistungssteigerung kann es gar nicht geben!»

Inzwischen ist die internationale Saison gestartet und die Schweizer Delegation konnte gleich am ersten grossen internationalen Turnier im italienischen Montelibretti in allen Kategorien Siege und Podestplätze erreichen. Ein vielversprechender Anfang! Das Schweizer CC-Team kann in der Saison 2022 auf interessante Paare und – auch neue – Pferde mit viel Potenzial zählen. Dominik Burger ist entsprechend optimistisch, wenn er über die kommende Saison spricht: «Dank des neuen Supports von Swiss Olympic ist es nun möglich geworden, dass wir an allen wichtigen internationalen Turnieren, die in unserem Terminkalender stehen, vor Ort auf die Unterstützung des gesamten Coachingstabs zählen können. Und dieser arbeitet fantastisch zusammen und ist extrem motiviert. Ausserdem sind meist auch junge Reiterinnen und Reiter zusammen mit dem Elite- und dem Perspektivkader dabei, wodurch wir Synergien nutzen und eine motivierende Nachwuchsförderung betreiben können. Die Saisonhöhepunkte sind dann die Europameisterschaft der Junioren und Jungen Reiter im englischen Hartpury im Juli und die Weltmeisterschaft der Elite im italienischen Pratoni del Vivaro im September. Bei der Elite lautet das Saisonziel ganz klar, an die Erfolge der letzten Saisons anzuknüpfen.»

Cornelia Heimgartner

Gilles Ngovan beim Dressurtraining der CC-Reiter:innen in Dielsdorf. | © SVPS/C. Heimgartner Gilles Ngovan beim Dressurtraining der CC-Reiter:innen in Dielsdorf. | © SVPS/C. Heimgartner

Nachgefragt bei…
Gilles Ngovan


Wie ist es dazu gekommen, dass Sie zum Dressur-Coach des Schweizer CC-Teams wurden?
Ich wurde vom Nationaltrainer der Schweizer Dressurreiterrequipe, Oliver Oelrich, darauf angesprochen, ob diese Aufgabe nicht etwas für mich wäre. Ich unterrichte sehr gerne, also habe ich eingewilligt, mich mit der Disziplin CC zu treffen, um über diesen Job zu sprechen. Ich habe sofort gemerkt, da ist eine gute Stimmung mit viel Motivation und Engagement in der Disziplin vorhanden. Also habe ich zugesagt.

Wie geht dieses Coachingengagement mit Ihrer eigenen Sportkarriere zusammen?
Meine eigene Sportkarriere steht im Moment noch im Vordergrund – das habe ich ganz klar so kommuniziert und das ist mir auch wichtig. Natürlich musste ich meinen Alltag in meinem Ausbildungsbetrieb etwas anpassen: Ich habe jetzt weniger Pferde in Beritt, um genügend Zeit für den Coachingjob zu haben. So bin ich nun jeden Mittwoch den ganzen Tag abwechselnd in Avenches oder in Dielsdorf für das Dressurtraining mit den CC-Kadermitgliedern. Auch den Turnierplan habe ich so abgestimmt, dass ich zwar kein entscheidendes Dressurturnier verpasse, aber trotzdem an den wichtigen CC-Events vor Ort dabei sein kann.

Worin unterscheidet sich die CC-Dressur von der «klassischen» Dressur?
Da gibt es eigentlich keinen Unterschied. Dressur bleibt Dressur, die Lektionen bleiben dieselben. Natürlich sind die Pferde von einem etwas anderen Typ, eher blutgeprägt und weniger gangstark – wobei es auch da Ausnahmen gibt. Aber die Bausteine der soliden, klassischen Ausbildung und die Kriterien für die Beurteilung einer Lektion sind die gleichen.

Wie ist Ihr Eindruck von den Schweizer CC-Reiterinnen und -Reitern?
Die Zusammenarbeit mit den Reiterinnen und Reitern ist sehr gut. Sie sind interessiert und motiviert – da lassen die Fortschritte nicht lange auf sich warten. Mein Ziel und meine Herausforderung ist es, nicht nur die bereits sehr guten und talentierten Dressurreiter im CC-Team zu fördern, sondern auch bei den Reitern mit etwas weniger Flair für die Dressur durch intelligentes Reiten ein Maximum herauszuholen. Die Resultate des ersten internationalen Turniers der Saison in Montelibretti (ITA) mit vielen vorderen Platzierungen in den Dressurprüfungen und sogar einem Schweizer Sieg in der Hauptprüfung sind äusserst vielversprechend!

Trainingseinheit vor dem Aufgabenreiten: Nadja Minder mit Aquila B. | © SVPS/C. Heimgartner Trainingseinheit vor dem Aufgabenreiten: Nadja Minder mit Aquila B. | © SVPS/C. Heimgartner

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