Schweizerischer Verband für Pferdesport SVPS

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Dossier: Interviews

Seitensprung: drei Personen, drei Perspektiven der Corona-Krise – Teil 2

17 April 2020 17:30

Alle drei erfüllen in der gegenwärtigen Situation wichtige Aufgaben für den Pferdesport und schildern dem «Bulletin» ihre Sicht der Dinge: der Direktordes BLV Hans Wyss, der SHP-Präsident Martin H. Richner und der SVPS Vizepräsident Damian Müller.

Teil 2: Martin H. Richner, Präsident SHP

Der SHP-Präsident Martin H. Richner führte während vieler Jahre ein Reitsportzentrum im Kanton Zürich. (© CH Media/Julia Wartmann) Der SHP-Präsident Martin H. Richner führte während vieler Jahre ein Reitsportzentrum im Kanton Zürich. (© CH Media/Julia Wartmann)

Der Berufsverband Swiss Horse Professionals (SHP) vereinigt Berufsreiter und Reitschulbesitzer und vertritt deren Interessen auf politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Ebene. Der SHP-Präsident Martin H. Richner ist selbst aktiver Springreiter und setzt sich in der aktuellen Situation auf politischer Ebene dafür ein, dass Reitschulen als Sonderfall anerkannt und entsprechend entschädigt werden.

«Bulletin»: Die Corona-Krise trifft insbesondere die Reitschulen hart. Was kann der SHP für diese Betriebe tun?

Martin H. Richner: Der Berufsverband SHP versteht sich als Gewerkschaft für die gesamte Pferdebranche. In dieser Rolle haben wir uns in der aktuellen Situation mit dem SVPS zusammengeschlossen, um beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die verzwickte Lage unserer Reitschulen zu schildern. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen Berufsausübungsverbot und Tierschutz und fallen damit durch die Maschen des politischen Entschädigungssystems. Sie haben nach wie vor hohe Ausgaben und viel Arbeit, aber keine Einkünfte mehr. Mit dem gemeinsamen Schreiben von SVPS und SHP an das SECO wollten wir auf dieses Dilemma aufmerksam machen. Leider haben wir bis heute, kurz vor Ostern, keine Rückmeldung vom SECO erhalten.

Welche weiteren Schritte unternimmt der SHP, um eine rasche Entspannung der Situation herbeizuführen?

Auch für den SHP herrscht gegenwärtig eine gewisse Ohnmacht. Wir können die Politik nicht ändern, wir können nicht entscheiden, wie und wann es weitergeht. Dennoch sind wir im Hintergrund nicht untätig, sondern bereiten zusammen mit dem SVPS ein Positionspapier vor, in welchem wir dem Bund konkrete Vorschläge unterbreiten, wie eine Lockerung der Einschränkungen schrittweise in den Reitschulen umgesetzt werden kann. Diese Massnahmen für eine rasche, reduzierte Wiederaufnahme der Unterrichtstätigkeiten sind für die Reitschulbesitzer und Berufsreiter ganz entscheidend. Bei vielen Reitschulbetrieben steht hier schlicht das wirtschaftliche Überleben auf dem Spiel.

Ist mit finanziellen Entschädigungen für Reitschulen zu rechnen?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend sagen. Der SHP und der SVPS setzen auf jeden Fall alles daran, eine solche Entschädigung beim Bund anzuregen. Angedacht wäre eine Art «Arbeitslosenentschädigung » für jedes Reitschulpferd, das seinen Unterhalt derzeit nicht verdienen kann, jedoch weiterhin Kosten und Arbeitsaufwand generiert.

Der SHP schätzt sich glücklich, dass er hier auf die tatkräftige Unterstützung des SVPS zählen kann, um mit einer gemeinsamen Strategie an die Politik zu gelangen. Mit Charles Trolliet als besonnenen Strategen und Damian Müller als erfahrenen Bundespolitiker können wir hoffentlich etwas bewirken. Auch die Unterstützung von BLV-Direktor Hans Wyss ist hier enorm wertvoll. Nichtsdestotrotz gibt es leider keine Garantien, dass wir mit unseren Anliegen Erfolg haben werden.
 

Seit wann gibt es den SHP und was sind seine Ziele?

Die Ursprünge des SHP gehen auf den Schweizerischen Verband für Berufsreiter und Reitschulbesitzer (SVBR) zurück, der 1954 gegründet wurde. Damals war das ein ziemlich exklusiver Club mit rund 20 Mitgliedern. Eine grosse Umwälzung geschah im Jahr 2000 als mit dem neuen Berufsbildungsgesetz die Grundausbildung des Berufsnachwuchses abgetrennt und die Organisation der Arbeitswelt (OdA) Pferdeberufe gegründet werden musste. Die OdA kümmert sich ausschliesslich um die Grundausbildung der Berufseinsteiger, während der SHP sich unter anderem mit Kursangeboten für die Weiterbildung seiner Mitglieder engagiert.

Ausserdem stellen wir die Interessenvertretung dieser Berufleute sicher, wie dies in der aktuellen Situation der Fall ist. Eine Mitgliedschaft beim SHP ist allen Personen offen, die in den Berufsbildungsfonds der OdA AgriAliForm/Pferdeberufe einzahlen. Der erfolgreiche Abschluss einer Berufslehre, Berufsprüfung oder Fachausbildung ist nicht Voraussetzung für die Mitgliedschaft und es sind alle pferdesportlichen Ausrichtungen willkommen.

Die Berufsleute in der Pferdebranche brauchen, wie die aktuelle Situation zeigt, eine grosse, starke und inhaltliche geeinte Organisation, um ihre Anliegen und Interessen der breiten Bevölkerung aufzuzeigen. Nur gemeinsam sind wir stark!

Das Gespräch führte
Cornelia Heimgartner

Weitere Akteure der Pferdebranche

Haben noch weitere Akteure der Pferdebranche in der Coronakrise eigene Initiativen ergriffen, um die Pferdebranche zu unterstützen? «Bulletin» hat nachgefragt.

Die Vereinigung Pferd betreibt Lobbyarbeit für das Pferd sowie seine Nutzer und Halter in politischen Belangen. Der Präsident der Vereinigung Pferd ist Dr. med. vet. Beat Wampfler, der den Veterinärdienst des Nationalen Pferdezentrums (NPZ) Bern führt.

Beat Wampfler: Wir haben unsere Mitglieder stets über den aktuellen Stand der Massnahmen, welche die Pferdebranche betreffen, informiert. Der SVPS und der Berufsverband SHP haben solide Arbeit geleistet und gut kommuniziert. Ausserdem steht die Vereinigung Pferd über die von ihr initiierte parlamentarische Gruppe Pferd in ständigem Kontakt mit deren Vorsitzendem, dem Ständerat und SVPS-Vizepräsidenten Damian Müller. Insofern sind wir zufrieden, wie es derzeit läuft. Insbesondere zufrieden sind wir mit der Lobbyarbeit, die vom Präsident der parlamentarischen Gruppe, Damian Müller, zusammen mit dem SVPS geleistet wurde. Mehrfach haben diese Leute sich beim Bundesrat für die gebeutelten Reitbetriebe eingesetzt. Die schwierigste Zeit liegt noch vor uns. Deshalb müssen in dieser Zeit alle Player der Pferdebranche zusammenarbeiten und gemeinsam für die Sache einstehen.

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